© 2020 Universal Studios

Spätestens mit „Happy Deathday“ und der Fortsetzung „Happy Deathday 2U“ hat sich Regisseur Christopher Landon bereits einen Namen gemacht. Die beiden Zeitschleifen-Horrorstreifen sind allerdings nicht die ersten Genre-Vertreter, die der Filmemacher unter der Ägide von Produzent Jason Blum auf die Leinwand gebracht hat. Sowohl die Sequels 2 bis 4 zum übersinnlichen Found-Footage-Horror „Paranormal Activity“, die Landon als Drehbuchautor betreut hat, als auch die Regiearbeit „Paranormal Activity: Die Gezeichneten“ haben durch die Blumhouse Productions ihren Weg zum Zuschauer gefunden. „Freaky“ markiert nun Landons sechstes Werk als Regisseur, das sich für Freunde gepflegten Horrors angenehm von den Vorgängern abhebt, die im harmlosen PG-13-Rating daherkamen.

Handlung: Der gefürchtete „Blissfield Butcher“ (Vince Vaughn) erschüttert mit bestialischen Morden das namensgebende US-Dorf in Michigan. Auch Highschool-Schülerin Millie Kessler (Kathryn Newton) bleibt von dem brutalen Serienkiller nicht verschont: Ein mysteriöser Fluch sorgt dafür, dass die Körper der beiden vertauscht werden – und Millie bleiben nur 24 Stunden, um diese Verwünschung rückgängig zu machen.

Überzeugende Darsteller und handgemachter Splatter

Dass sich „Freaky“ so gekonnt zwischen der Body-Switch-Komödie „Freaky Friday“ und dem Horror-Franchise „Freitag der 13.“ positioniert, ist sowohl seinen talentierten Darstellern als auch dem ausgewogenen Mix aus Comedy-Elementen und fulminanten Slasher-Sequenzen zu verdanken. Landon hat wohl geflissentlich auf CGI verzichtet und stattdessen auf handgemachten Blut- und Gewaltrausch gesetzt, was man den brutalen Szenen zweifelsohne ansieht. Ob man die Quantität diese Splatter-Einlagen als wohldosiert empfindet oder eine höhere Schlagzahl wünschenswert gewesen wäre, muss der geneigte Genre-Kenner für sich selbst bewerten. An der inszenatorischen Qualität ist beileibe nichts zu bemängeln.

 © 2020 Universal Studios

Wie es „Scream Queen“ Jamie Lee Curtis und Disney-Sprössling Lindsay Lohan als Mutter und Tochter in der Body-Switch-Comedy „Freaky Friday“ schon vorgemacht haben, mutet der physische Transfer auch in seinem blutigen Pendant herrlich absurd an – und ist aufgrund seiner Konstellation vielleicht sogar noch komischer, werden doch hier Täter- und Opferrolle vertauscht. Während Millie im bulligen Körper des eiskalten Mörders tänzelnd, lächelnd und lieblich verzückt das Vertrauen ihrer Freunde Nyla (Celeste O’Connor) und Misha (Josh Detmer) zurückgewinnt und sich behutsam ihrer ersten großen Liebe nähert, fräst sich der Butcher im zierlichen Körper des Mauerblümchens blutrünstig und stampfenden Schrittes seinen Weg durch das heimgesuchte Städtchen. Einen Tick bemerkenswerter fällt dabei aber Vince Vaughns Performance aus, der in einer eher traurigen Szene mit Bravour zeigt, dass er mehr als komödiantisches Talent auf die Leinwand bringt. Leider läuft „Freaky“ genau dann ins offene Messer.

Tonaler Ausfallschritt und schon Dagewesenes

Wenn Vaughn etwa in seiner stärksten Szene ein emotionales Gespräch mit Millies Mutter Coral (Katie Finneran) führt, das in trauriger Konsequenz die seit dem Tod des Vaters dysfunktionale Beziehung zur jüngsten Tochter offenbart, schwächelt Landons Skript ob dieses tonalen Ausfallschrittes doch sehr. Man könnte diesen Abstecher ins Drama fast schon als Fremdkörper bezeichnen, so deplatziert wirkt die innerfamiliäre Analyse.

Überhaupt strauchelt das Drehbuch immer dann, wenn es augenscheinlich mehr will, als nur eine urkomische und irrwitzige Horror-Farce zu sein. Es wirkt bestenfalls gut gemeint, wenn der Filmemacher beispielsweise Themen wie Mobbing anreißt und die vielzitierte „Frauen-Power“ unbeholfen offensichtlich und mit wenig subtilem Feingefühl aufs Tableau bringt. Die oberflächliche Sozialkritik und das allenfalls angedeutete Familiendrama bringen die ambitionierte Slasher-Posse unnötig ins Wanken. Von den gefühlt mittlerweile zu oft bemühten und von Landon eher pflichtbewusst und im Vorbeigehen persiflierten Horrorfilm-Klischees mal ganz zu schweigen. Bricht man „Freaky“ aber auf seine astrein inszenierten Slasher-Anteile herunter und berücksichtigt das überzeugende Spiel der Hauptdarsteller, offenbart sich eine kleine Genre-Perle, die durchaus Spaß macht.

3

Fazit

Horror-Sommeliers werden an diesem grundsätzlich edlen Tropfen wahrscheinlich Gefallen finden und sich am vollen Slasher-Bouquet erfreuen, auch wenn der blutrote Wein – um mal Helge Schneider aus „007 Schneider“ zu zitieren – „weit in den Rachen hineinragt“.

Kinostart: wurde verschoben, neuer Termin steht noch aus

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2020 Universal Studios

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.