2017 USA Network Media, LLC

Mit der dritten Staffel geht die Sci-Fi-Invasions-Serie „Colony“ nicht nur in die nächste Runde, sondern auch konsequent ein paar Schritte weiter, ohne die Formel der Serie allzu offensichtlich zu verändern. Wer das Drama um Familie Bowman über die letzten beiden Seasons gespannt verfolgt hat, wird allerdings enttäuscht sein. Der verantwortliche Fernsehsender USA Network hat die Alien-Invasion schon vor Ausstrahlung des Staffelfinales für beendet erklärt. Showrunner Wes Tooke verriet daraufhin, dass ganze fünf Seasons geplant gewesen seien, um die Geschichte zu einem würdigen Abschluss zu bringen. Im Interview mit Collider äußerte sich Hauptdarsteller Josh Holloway zur Absetzung der Serie und wie die Sci-Fi-Dystopie hätte abgeschlossen werden sollen.

Handlung: Will Bowman (Josh Holloway) und Ehefrau Katie (Sarah Wayne Callies) sind mit ihren Kindern aus Los Angeles geflüchtet und haben ein Versteck in einem bewaldeten Berggebiet gefunden. Im Schlepptau: Alan Snyder (Peter Jacobson). Doch das neu erschlossene Refugium wird der gestrandeten Familie kein dauerhafter Zufluchtsort sein. 

Visuell behutsam die Schraube angezogen

Man merkt der dritten Staffel zweifelsohne an, dass die Macher in Sachen CGI noch eine gute Schippe nachgelegt haben. Deutlich wird das direkt zu Beginn, wenn die Bowmans im Umkreis ihrer neuen Bleibe erstmals auf invasorische Kampfroboter treffen. Wenn der Mensch in der freien Natur auf die bedrohlichen Maschinen trifft, hat das fast schon was von der visuellen Ästhetik eines Simon Stålenhags. Der skandinavische Illustrator platziert in vielen seiner Werke Sci-Fi-Elemente aus seiner Kindheit in die typisch schwedische Landschaft und zeichnet damit den scharfen Kontrast zwischen futuristischer Apparatur und Mutter Natur. Selbstredend fällt diese Bebilderung in „Colony“ nicht so auffällig und offensichtlich aus wie in „Tales from the Loop“ – Grundlage für die Sci-Fi-Serie ist Stålenhags gleichnamige Graphic Novel –, ein Hauch dieses dystopischen Flairs ist aber durchaus zu vernehmen.

2017 USA Network Media, LLC / (Photo by: Daniel Power/USA Network)

Schon in der zweiten Staffel hatten die Produzenten Ryan J. Condal und Carlton Cuse die Präsenz der außerirdischen Besatzer optisch deutlicher hervorgehoben. Aber mit der dritten Season wird die Gegenwart der mysteriösen und skrupellosen Macht noch wesentlich beeindruckender und wuchtiger visualisiert – ohne jedoch den Zuschauer durch ein überbordendes Maß an CGI-Matsch waten zu lassen. Was die „Lost“-Macher hier an Effekten auffahren, kann geflissentlich als wohldosiertes Sci-Fi-Feuerwerk bezeichnet werden.

Konsequentes Storytelling

Übten sich die Protagonisten im ersten Kapitel noch im Sondieren der Lage, während sie sich in der zweiten Season aus den Fängen der extraterrestrischen Besatzungsmacht befreien und sich der Indoktrination selbiger widersetzen mussten, geht „Colony“ im dritten Durchgang erzählerisch den konsequenten Schritt weiter und thematisiert die Komplexität des menschlichen Widerstands. Machtkämpfe innerhalb der revolutionistischen Bewegung stehen hier genauso an der Tagesordnung wie in den Reihen der Kollaborateure.

Dass „Colony“ abgesetzt wurde, sieht man dem Finale aber leider an, denn die dritte Staffel deutet mit einem Twist zweifelsohne an, dass die Tortur der Flucht, des Überlebens und des Widerstands für die Bowmans und letztlich auch die gesamte Menschheit nur ein Prolog war. Ein Prolog, an den die Autoren nun nicht mehr anknüpfen dürfen. Schwer nachzuvollziehen, spricht doch die sorgsame inszenatorische Evolution der Serie dafür, dass die Verantwortlichen entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt und augenscheinlich an das Projekt geglaubt haben.

4.5

Fazit

Mit „Colony“ haben Ryan J. Condal und Carlton Cuse über drei Staffeln ein authentischeres und mitreißenderes Invasions- und Kriegsszenario auf den Bildschirm gebracht, als es ein ambitionierter Genre-Vertreter wie „Falling Skies“ in seiner so klassischen wie klischierten Gut-gegen-Böse-Erzählung über ganze fünf Seasons geschafft hat. Fans können die abgesetzte Serie mit viel gutem Willen als für sich stehenden Kriegs-Epos-Prolog werten, der für seine Protagonisten mit der bitteren Erkenntnis endet, dass die kräftezehrende Odyssee lediglich ein Auftakt war.

Veröffentlichung: seit dem 20. November 2020 als DVD & Blu-ray. Im Test hatte Filmfreax die Blu-ray.

Bildformat: 1,78:1 / 1080p24 / AVC | Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1 | Sprachen: Deutsch, Englisch | Laufzeit: 13 Folgen à 42 Min. / Gesamt: 550 Min.

Bildquellen

  • Beitragsbild: 2017 USA Network Media, LLC / (Photo by: Daniel Power/USA Network)

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