© Leonine Distribution

Der Horror-Thriller „Antebellum“ war ursprünglich fürs Kino vorgesehen und sollte ähnlich einschlagen wie die zwei großen Vertreter des „neuen, intellektuellen“ Horrors, mit denen auf dem Cover geworben wird – „Get Out“ und „Wir“. Mit der immer noch andauernden COVID-19-Pandemie entschied man sich schlussendlich, den Film von Gerard Bush und Christopher Renz für das heimische Kino zu veröffentlichen. Bush und Renz haben für „Antebellum“ sowohl das Drehbuch geschrieben als auch die Regie übernommen und konnten mit Sean McKittrick, Raymond Mansfield und Edward H. Hamm Jr. drei namhafte Produzenten gewinnen, die bereits erfolgreich an den oben genannten Genre-Beiträgen von Jordan Peele mitgewirkt haben.

Handlung: Die Bestseller-Autorin Veronica Henley (Janelle Monáe) erlebt einen wahr gewordenen Albtraum. Nach ihrer Buch-Tournee findet sich Veronica in einer Parallelwelt wieder, in der sie als Sklavin auf einer Baumwollplantage schuften muss. Nach diesem unerwarteten und verstörenden Schicksalsschlag sucht Veronica einen Ausweg.

„The Past is never dead. It’s not even the Past.“

Mit diesem Zitat des US-amerikanischen Schriftstellers und Literatur-Nobelpreisträgers William Faulkner macht „Antebellum“ bereits zu Beginn deutlich, dass ein ernstes Thema behandelt wird. Und auch die darauffolgende Plansequenz führt den Zuschauer visuell hervorragend in das beklemmende Setting ein.

Die riesige Baumwollplantage wird von Sklaven betrieben, die Konförderierten wachen darüber. Eine Flucht misslingt und wird brutal vereitelt. Diese unbequeme und unangenehme Prämisse zieht sich weiter und wird schließlich gebrochen – die Protagonistin wacht aus ihrem Albtraum auf. In der vermeintlichen Gegenwart hat Veronica einen Mann und eine kleine Tochter, ist Bestseller-Autorin und die Stimme einer Minderheit. Wie die beiden Parallelwelten miteinander verwoben sind, erläutert die Erzählung im weiteren Verlauf.

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„Antebellum“ vertritt eine sichtbar gesellschaftskritische Haltung und bedient sich vieler Themen: Rassismus, People of Color und vor allem Frauenrechte. Es sind zweifelsohne wichtige Anliege und oft finden die beiden Autoren auch die richtigen Worte. Dennoch wurde die Unterdrückung der Frau nunmehr von Männern thematisch behandelt. Ein Konflikt, der sich auch in der Ästhetik und der grundlegenden Prämisse wiederfindet und wie ein roter Faden durch den gesamten Film zieht. Denn am Ende weiß „Antebellum“ nicht so richtig, was er will. Und man kann nur mutmaßen, dass die mitunter mangelnde Weitsicht für die Abhandlung dieses sensiblen Themas schlicht und ergreifend am Geschlecht der Filmemacher liegt.

Nur ein Horrorfilm?

Bereits die Einordnung des Genres fällt extrem schwer, bedient sich „Antebellum“ doch letztlich bei etlichen Filmgattungen, ohne konsequent im Bereich des Horror-Thrillers zu bleiben. Ein genreübergreifendes Werk ist sicherlich nicht neu und soll in der Regel eine weitere Ebene der Spannung eröffnen. Jedoch stört dieses Ausbrechen aus dem Genre hier ungemein, denn auch beim Storytelling fehlt eine gewisse Konstanz.

Gerade das letzte Drittel offenbart enorme erzählerische Schwächen und hanebüchene Plotpoints. Der steinige Pfad zur Emanzipation und letztlich auch Veronicas Weg zur Befreiung wurden enorm heroisiert. Eine Heroisierung, die diese vielschichtige Figur nicht nötig gehabt hätte, weil sie auch ohne Pathos bestens funktioniert. Janelle Monáes Protagonistin hätte man durchaus ein würdevolleres Ende zugestehen können.  

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Fazit

„Antebellum“ ist zweifellos großartig inszeniert und verfolgt seinen eigenen Stil. Monáe überzeugt mit ihrem Spiel auf ganzer Linie und trägt mit ihrer kontrastreichen Darstellung der gebrochenen und gleichzeitig modernen und selbstbewussten Frau den gesamten Film. Die Konflikte im Storytelling, in der Ästhetik und der grundlegenden Prämisse lassen einen am Ende aber leider doch sehr unbefriedigt zurück.

Veröffentlichung: seit dem 18. Dezember 2020 als DVD, Blu-ray und 4K Ultra HD Blu-ray. Im Test hatte Filmfreax die DVD.

Bildformat: 2,40:1 (16:9 anamorph) | Sprachen, Tonformat: Deutsch Dolby Digital 5.1, Englisch Dolby Digital 5.1 | Untertitel: Deutsch | Extras: Featurette: The History in Front of Us, Featurette: A Hint of Horror, Opening Antebellum, Deleted Scenes, Interviews mit Cast & Crew

Bildquellen

  • Beitragsbild: © Leonine Distribution

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