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Seit einigen Jahren bietet das Science-Fiction-Genre Filme, die abseits des Mainstreams für Furore und durchaus bewegende Momente sorgen. Filme, wie „Moon“ von Duncan Jones oder Alex Garlands „Ex-Machina“ haben dem Genre neuen Aufschwung gegeben und werden nicht umsonst oft in den Toplisten genannt. Besonders Regisseur Duncan Jones dürfte auf seinen Standeskollegen Gavin Rothery einen wesentlichen Einfluss gehabt haben, kennen sich die Filmemacher doch seit den Dreharbeiten zu „Moon“ und sind seitdem befreundet. Rothery, der ursprünglich aus der Games-Branche kommt und über die Werbung zum Film gelangt ist, war bei „Moon“ für die visuelle Gestaltung verantwortlich. „Archive“ ist Rotherys Spielfilmdebüt, für das er auch das Drehbuch verfasst hat.

Handlung: 2049. Der junge Ingenieur George Almore (Theo James) arbeitet auf einer abgelegenen Forschungsbasis in Japan an einer neuen Form der künstlichen Intelligenz: einer Androidin mit menschlichem Bewusstsein. Sein neuestes Modell J3 (Stacy Martin) steht kurz vor der Fertigstellung. Doch seine Vorgesetzten verlieren allmählich das Vertrauen in seine Arbeit und fordern Ergebnisse. Sie drohen damit, das Projekt vorzeitig zu beenden. George rennt die Zeit davon – zumal er noch ein weiteres Ziel verfolgt.

Gottkomplex

In der Filmhistorie haben sich schon einige Werke mit der Erschaffung künstlicher Intelligenz befasst. Angefangen bei „Metropolis“ von Fritz Lang über Ridley Scotts „Bladerunner“ und James Camerons „Terminator“ bis hin zu Alex Garland, der mit „Ex-Machina“ für Furore gesorgt hat. Viele dieser Science-Fiction-Regisseure waren und sind mit ihren cineastischen Visionen oftmals der Zeit voraus.

Gleiches gilt für Rotherys „Archive“. Der ambitionierte Sci-Fi-Thriller spielt in der Zukunft, im Jahr 2049, Roboter und KIs gelten schon seit Längerem nicht mehr als Neuerfindung. Vielmehr sollen sie weiterentwickelt werden und die Evolution auf die nächste Ebene führen. George hat bereits erfolgreich zwei Prototypen entworfen. In ihrem Wesen durchaus sehr menschlich, vielleicht sogar zu menschlich und fast schon gefährlich nah an Gottes Geschöpf. Dennoch ist George versessen darauf, den perfekten Prototypen zu entwickeln und in Betrieb zu nehmen. Die KI soll ein eigenes Bewusstsein haben oder vielmehr aus eingespeisten Erinnerungen ein eigenes entwickeln. In seiner Funktion als getriebener Schöpfer fokussiert sich George aber lediglich auf seine neueste Errungenschaft und vernachlässigt dabei die Prototypen J1 und J2 – was immer mehr deren menschlichen Züge zu Tage fördert. Wut, Hass und Eifersucht sind nur ein Bruchteil der emotionalen Palette, die die Prototypen sensationell widerspiegeln. Was mit einem Gesicht ohne Mimik beileibe nicht selbstverständlich ist. Regisseur Rothery und Kameramann Laurie Rose fangen mit ihren Bildern genau diese Emotionen der Roboter ein und machen sie für den Zuschauer greifbar. Mit diesen Gefühlen spielen die beiden großartig und konsequent bis zum Ende. Trotz fehlender Mimik gelingt es den kühlen Blechbüchsen, dass man mit ihnen fühlt und mitfiebert.

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Zwischen High-Tech und Natur

Hervorzuheben ist zweifelsohne die außergewöhnliche Kameraarbeit von Laurie Rose, der bereits in der Klassenkampf-Dystopie „High-Rise“ oder beim Weltkriegs-Creature-Feature „Operation: Overlord“ sein Gespür für das Fiktionale schärfen konnte. In „Archive“ hat er seine bislang beste Leistung abgerufen. Zusammen mit dem Score von Steven Price entfaltet sich eine Sogwirkung, wie sie zuletzt nur ein Alex Garland mit „Ex-Machina“ oder der Serie „Devs“ erschaffen hat. Die gezeigten Bilder, die zwischen der rauen Natur und der Forschungsbasis hin und her wechseln, spiegeln den Kontrast zwischen Mensch und Maschine eindrucksvoll wider.

Das darstellerische Können von Theo James – bekannt aus der Roman-Adaption-Reihe „Die Bestimmung“ – ist dabei definitiv hervorzuheben. Sein Spiel ist authentisch und überzeugend. Man durchlebt mit ihm eine ebenso gewaltige emotionale Talfahrt, wie der Protagonist mit seinen Prototypen. Und James kann diese wunderbar tragen. Der Schauspieler deutet hier zweifelsohne an, dass er durchaus das Potenzial für herausforderndere Rollen hat.

3.5

Fazit

„Archive“ kann zwar nicht mit einem „Ex-Machina“ oder „Moon“ mithalten, ist dank seiner großartigen Kameraarbeit, der emotional eingefangenen Momenten und der tollen Atmosphäre aber ein wunderbarer Beitrag fürs Science-Fiction-Genre.

Veröffentlichung: Seit dem 05. November 2020 als DVD, Blu-Ray und 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook (Blu-Ray+DVD) und seit dem 22. Oktober 2020 digital.

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  • Beitragsbild: © Capelight Pictures

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