© Leonine Distribution

Schon mit seiner Horror-Komödie „Deathgasm“ (2015) hat Regisseur Jason Lei Howden ein Händchen für diesen oftmals nicht allzu gekonnt bedienten Genre-Mix bewiesen. Für seine blutige Endzeit-Farce um eine Death-Metal-Band, die die Noten für eine „schwarze Hymne“ findet, holte der Filmemacher seinerzeit eher unbekannte neuseeländische Schauspieler vor die Kamera. Für sein neuestes Werk konnte er aber die zweifelsohne größeren Namen verpflichten. In „Guns Akimbo“ sind es Daniel Radcliffe und Samara Weaving („Ready Or Not“), die sich in einem nicht minder obskuren Setting einem blutigen Überlebenskampf stellen müssen.

Handlung: Miles (Daniel Radcliffe) ist ein eher mäßig erfolgreicher Videospiele-Entwickler und verbringt seine freie Zeit gerne damit, im Internet Trolle zu trollen. Doch das bequeme und anonyme Leben an der Tastatur findet ein jähes Ende, als Miles gezwungen wird, an den illegalen Real-Life-Kämpfen des Spiels SKIZM teilzunehmen, das im Netz rege verfolgt wird. Und mit Nix (Samara Weaving) sieht sich der unbedarfte Couch-Potato einer Kontrahentin gegenüber, die keine Gefangenen macht.

Daniel Radcliffe im blutigen Katz-und-Maus-Spiel

Dass der britische „Harry Potter“-Darsteller über ein ausgeprägtes komödiantisches Talent verfügt, hat er nicht zuletzt als flatulierende Leiche in der surrealen Survival-Farce „Swiss Army Man“ bewiesen. Und „Guns Akimbo“ hält einige Szenen parat, in denen eben dieses Können gefordert wird. Wenn Miles etwa mit dem „martialischen Handicap“ einfach nur sein Smartphone bedienen oder mal eben einen Toilettengang absolvieren will, dann hat das zweifelsohne komische Züge, die der Brite auf ganz selbstverständliche Art und Weise zu transportieren weiß. Gleiches gilt für Samara Weaving, die schon 2017 in der Kleinstadt-Groteske „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ als einfältiges, blondes Anhängsel fein nuanciert humoristisch auftrat und in Howdens brutalem Baller-Gemetzel optisch kaum wiederzuerkennen ist.

Oberflächliche Sozialkritik oder Metaebene?

Bereits in „Deathgasm“ lässt der neuseeländische Regisseur eine gewisse Sozialkritik durchschimmern, wenn er zu Beginn das Thema Mobbing zumindest anschneidet. Wer den Film kennt, wird allerdings auch wissen, dass eben diese kritischen Töne allzu schnell verpuffen und einer ausufernden Splatter-Orgie weichen müssen. Selbiges gilt für „Guns Akimbo“: Hin und wieder prangert die Action-Komödie die Sensationsgeilheit der (Online)-Medien und der gewissenlosen Zuschauer an, tut das aber so oberflächlich und offenkundig, dass man es letztendlich nicht wirklich ernstnehmen kann. Nun kann man vermutlich darüber spekulieren, ob es Howden einfach nicht gekonnter umzusetzen weiß oder ob er seine Gesellschaftskritik bewusst auf eine subtile Metaebene hievt, indem er sein brutales, auf bunten Videospiele-Look getrimmtes Survival-Game zur Hauptattraktion macht und damit das Ergötzen des Zuschauers an eben diesem Hochglanz-Geballer rügt.

© Leonine Distribution / Samara Weaving als „Nix“

Was nun zutrifft, sei mal dahingestellt. Aber bricht man „Guns Akimbo“ geflissentlich auf seine blutige Action und den Comedy-Aspekt herunter, kann man mit dem Streifen tatsächlich durchaus großen Spaß haben. Visuell erinnert „Akimbo“ ein bisschen an die Graphic-Novel-Adaption „Polar“, in der Mads Mikkelsen in den verdienten Auftragskiller-Ruhestand gehen will, dann aber von seinem Arbeitgeber verfolgt wird. Die mitnichten überzeugende Killer-Komödie von Jonas Åkerlund scheitert allerdings an der Gratwanderung zwischen Action-Thriller und Comedy, indem er auf der einen Seite völlig überzeichnete Charaktere implementiert, sich auf der anderen Seite aber augenscheinlich dann doch zu ernst nimmt. Jason Lei Howden gelingt diese Genre-Mischung erzählerisch und tonal mit „Guns Akimbo“ wesentlich besser. Zumal der Filmemacher inszenatorisch noch eine gehörige Schippe draufgelegt hat, vergleicht man es mit den großzügig gesetzten Splatter-Sequenzen aus „Deathgasm“, die – gemessen an den finanziellen Mitteln – aber auch schon durchaus beachtlich ausgefallen sind.

Popkulturelle Referenzen

Einen ganzen Schritt weiter geht der Regisseur aber auch mit seinen popkulturellen Referenzen. Verstand sich „Deathgasm“ anscheinend als Hommage an den Metal und seine Subgenres, schöpft Howden für „Guns Akimbo“ noch tiefer aus den Vollen der Popkultur. Auf Miles‘ Wohnzimmertisch finden sich beispielsweise die Hüllen zum kultigen Ego-Shooter „Doom“, an der Wand hängen Poster von „Rambo“ und „Phantom Kommando“, und einen prominenten Platz im Soundtrack bekommt Cypress Hills Hip-Hop-Hymne „When The Sh** Goes Down“ zugestanden.

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Fazit

„Guns Akimbo“ ist ein nerdiger Schwenk durch die Videospiel-, Film- und Musikkultur, setzt so spaßig übertriebene wie solide inszenierte Gewaltspitzen und überzeugt mit einem Daniel Radcliffe als „Miles mit den Pistolenhänden“ und einer Samara Weaving irgendwo zwischen Harley Quinn und Tank Girl – und im Gegensatz zur Kinoversion auf Blu-Ray und DVD als FSK18-Uncut-Variante!

Veröffentlichung: ab dem 04. Dezember 2020 als DVD, Blu-Ray und Blu-Ray-Mediabook. Im Test hatte Filmfreax die Blu-Ray.

Bildformat: 2,40:1 (1080p/24) | Sprachen, Tonformat: Deutsch Dolby Digital 5.1, Englisch Dolby Digital 5.1, Lettisch DTS-HD Master Audio 5.1 | Extras: Featurette

Bildquellen

  • Beitragsbild: © Leonine Distribution

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