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Als ausgesprochene Heimat des Horror-Genres kann man Skandinavien vermutlich nicht unbedingt bezeichnen, sieht man mal von Slasher-Filmen wie der norwegischen „Cold Prey“-Trilogie, der Romanadaption „So finster die Nacht“ um ein Vampirkind oder der schwedischen Serie „Black Lake“ ab. Für Letztere, in der die Gäste eines Ski-Resorts von übernatürlichen Phänomenen überfallen werden, durfte Regisseur David Berron vier Episoden beisteuern. Für „Cryptid“ hat der Filmemacher nun für alle Folgen der 1. Staffel auf dem Regiestuhl Platz genommen. Die zehnteilige Serie, die auf einer Idee des Autoren Sylvain Runberg basiert, der schon für die Graphic-Novel-Adaption von Stieg Larssons „Millennium“-Trilogie verantwortlich zeichnet, schickt sich nun als weiterer Vertreter an, dem skandinavischen Horror-Genre einen neuen Beitrag zu leisten.

Handlung: Mehrere mysteriöse Todesfälle erschüttern eine schwedische Kleinstadt. Hauptschauplatz ist neben der örtlichen High School auch ein nahe gelegener See, der von den Jugendlichen regelmäßig aufgesucht wird. Mitten im Geschehen: die mehr oder weniger eingeschworene Clique um Niklas (Julius Fleischanderl), Ester (Maja Johanna Englander), Tuva (Beata Borelius) und Niklas‘ ältere Schwester Lisa (Astrid Morberg). Kommen die Schüler den absonderlichen Ereignissen auf die Spur?   

Auf der Suche nach einer Nische zwischen den Subgenres

Schon in der ersten Episode wird deutlich, dass sich „Cryptid“ nicht in eine Schublade stecken lassen möchte – und das gelingt der Serie fast schon mit spielerischer Leichtigkeit. Bekommt man zu Beginn zunächst einen furiosen Gore-Einstieg serviert, hangelt sich die Geschichte in unzweifelhafter Lovecraft-Ästhetik über Psycho-Horror zu Okkultismus bis hin zum Creature Feature. Das Drehbuch bettet seine Sprünge durch die Horror-Subgenres in eine High-School-Teenie-Story, die am ehesten an „Riverdale“ erinnert – allerdings ohne den comic-artigen Charakter –, bedient sich der Düsternis von Genre-Kollegen wie „Dark“ oder „Stranger Things“ und setzt streckenweise mit einem Score Akzente, der aus David Lynchs legendärem „Twin Peaks“ stammen könnte. Wobei „Cryptid“ nicht ganz so inflationär mit solch einer beispiellosen Fülle an offensichtlichen popkulturellen Referenzen um sich wirft wie die Archie-Comics-Adaption. Wenn Ester etwa mit einem Hoodie der legendären Revelation Records durchs Bild turnt, dann geht es tatsächlich noch eine Spur „geekiger“ zu, da nur diejenigen das Label erkennen werden, die sich schon seit Jahrzehnten im Punk- und Hardcore-Bereich auskennen. „Cryptid“ gibt sich in dieser Hinsicht angenehm zurückhaltend und authentisch und bemüht nicht so offenkundig und überbordend die 80er-Ästhetik wie beispielsweise „Stranger Things“.

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Was auf den ersten Blick womöglich wie ein aus etlichen Versatzstücken zusammengeklaubtes Etwas anmutet, das verzweifelt nach einer Nische zwischen den Horror-Subgenres sucht, entpuppt sich letztlich als ein homogenes Ganzes, das erzählerisch und inszenatorisch schon nach kurzer Spielzeit seinen ganz eigenen Charme entwickelt.

Überzeugende Darsteller im düsteren nordischen Setting

Dass „Cryptid“ eine derartig adäquate Atmosphäre verbreitet, ist allerdings nicht nur der kühlen und düsteren nordischen Kulisse zu verdanken, die man normalerweise aus unzähligen Krimi-Formaten kennt, sondern auch den talentierten Darstellern. Die zwischenmenschlichen Zerwürfnisse unter den jugendlichen Protagonisten mögen zwar streckenweise ein bisschen anstrengend sein, werden aber durch den Cast überzeugend transportiert. Vor allem Julius Fleischanderl liefert hier eine glaubhafte Darstellung. In seiner Rolle als Niklas wirkt der Schwede in Aussehen, Mimik und Gestik fast schon wie die Quasi-Reinkarnation von Nick aus „Fear The Walking Dead“, der gerädert durch Drogen- und Tablettenmissbrauch ebenso mit sich selbst hadert und obendrein noch mit einem zurückliegenden Trauma zu kämpfen hat. Dasselbe schauspielerische Geschick lässt sich zweifelsohne auch der restlichen Besetzung attestieren.

Horror-Spaß in kompakter Spielzeit

Trotz einiger Effekte, die über die gesamte Staffel hin und wieder ein bisschen überstrapaziert werden, gelingt „Cryptid“ geradezu unverkrampft nicht nur ein kurzweiliger Horror-Spaß, sondern auch eine lässige und zeitgemäße Hommage auf einige der beliebtesten Subgenres. Und bei einer kompakten Spielzeit von 20 Minuten pro Episode schaffen es die Macher sogar, ihren Figuren genügend Tiefe zu verleihen und ihre Charaktere ordentlich zu entwickeln.

4

Fazit

Mit „Cryptid“ liefert David Berron einen erfrischenden Genre-Beitrag im Serienformat, der sich mit Leichtigkeit durch Grusel- und Horror-Gefilde wühlt und mit seiner kompakten Episoden-Länge viel Binge-Potenzial garantiert.

Veröffentlichung: ab dem 13. November 2020 als Blu-Ray und DVD. Im Test hatte Filmfreax die Blu-Ray.

Bildformat: 2,35:1 / 1080p25 / AVC | Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1 | Sprachen: Deutsch

Bildquellen

  • Beitragsbild: © Pandastorm Pictures

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