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Südkoreanische Filme erfreuen sich nicht zuletzt durch den Oscar-Preisträger „Parasite“ immer größerer Beliebtheit. Gerade im Horrorgenre konnten Werke wie „A Tale of Two Sisters“, „Train to Busan“ oder auch „The Wailing“ international größere Erfolge einfahren und haben ihren Teil zum öffnenden asiatischen Markt beigetragen. Mit „The Closet“ erscheint hierzulande nun der nächste Horrorstreifen aus Südkorea und möchte an diese Erfolge anknüpfen. Das Regiedebüt von Kim Kwang-bin feierte seinen Heimkinostart auf Blu-Ray und DVD am 14. August 2020.

Handlung: Nach dem Tod seiner Ehefrau zieht Architekt Sang-won (Ha Jung-woo) mit seiner Tochter Yi Na (Heo Yool) in ein Anwesen auf dem Land. Yi Na ist seit dem Tod distanziert und ruhig. Die neue Umgebung soll ihr bei der Trauerbewältigung helfen. Sang-won hingegeben verarbeitet den Verlust anderweitig: in Arbeit. Er vernachlässigt seine Tochter, die sich zusehends immer weiter von ihm entfernt. Doch kurz nach dem Einzug verschwindet Yi Na spurlos. Die Suchaktion bleibt erfolglos, Sang-wons Tochter ist unauffindbar. Neue Erkenntnisse soll der Exorzist Keyong Hoon (Kim Nam-gil) bringen, der eines Tages bei Sang-won vor der Tür steht.

Horror gepaart mit Gesellschaftskritik

Die Grundprämisse von „The Closet“ ist bekannt und alles andere als neu. Viele Horrorfilme der letzten Jahre bedienen sich der Entfremdung des Kindes oder nutzen den arglosen Nachwuchs, um ein mystisches Wesen einzuführen. „The Closet“ verwendet diesen Tropus hingegen nicht nur als Mittel zum Zweck, sondern möchte sich oder vielmehr der koreanischen Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Sowohl in Korea als auch in Japan und noch einigen weiteren asiatischen Ländern ist die Distanzierung der Kinder allgegenwärtig. Der Leistungsdruck der Erwerbsfähigen ist enorm – das Familienleben spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Dieser Druck, dieser gesellschaftliche Wandel hat tiefe Narben in Korea hinterlassen. Narben, die inzwischen in vielen koreanischen Filmen aufgearbeitet werden. So auch in „The Closet“, welcher diese Thematik gekonnt verpackt und die Problematik subtil aufzeigt.

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Klassische Horror-Elemente eingebettet ins Thriller-Drama

Dennoch ist „The Closet“ ambivalent zu betrachten. Während die Sozialkritik gut herausgearbeitet wird, kommt der Grusel nur bedingt zum Vorschein. Selbiger bedient sich der klassischen Elemente und wirkt eher wie ein japanischer Horrorfilm der alten Schule – wie etwa „Ju-on: The Grudge“ oder „The Ring“. Etwas Neues kann Kim Kwang-bins Mix aus Thriller-Drama und Grusel dem Genre allerdings nicht hinzufügen. Alteingesessene Horrorfans könnten sich dennoch an dem tollen Setting, der Maske und der stimmigen Atmosphäre erfreuen. Auch die Darsteller liefern eine überzeugende Performance ab.

3

Fazit

Kim Kwang-bin ist mit „The Closet“ ein wirklich solider Horrorfilm gelungen, der effektiv – wenn auch nicht innovativ – gängige Genre-Mechanismen bedient und dank des Settings gut funktioniert. Die hochwertige Produktion, die stimmige Atmosphäre und die Gesellschaftskritik tragen die Geschichte und verleihen dieser eine besondere Note.

Veröffentlichung: seit dem 14. August 2020 als Blu-Ray und DVD, seit dem 07. August 2020 digital.

Bildformat: 1920x1080p (2.39:1) | Tonformat: DTS-HD MA 5.1 | Sprachen: Deutsch, Koreanisch | Untertitel: Deutsch

Bildquellen

  • Beitragsbild: © Capelight Pictures

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