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Für Regisseur Ric Roman Waugh und Hauptdarsteller Gerard Butler ist „Greenland“ bereits die zweite Zusammenarbeit. Schon für „Angel Has Fallen“ aus dem Jahr 2019 hatten die beiden dieselben Positionen besetzt. Sowohl Butler als auch Waugh betreten somit ein Terrain, das ihnen durchaus bekannt ist. Mit der ursprünglichen Besetzung – Chris Evans in der Hauptrolle und Neill Blomkamp als Regisseur – hätte aus „Greenland“ ein durchaus anderer Film werden können, denn dieser versteht sich nicht nur als ein klassisches Katastrophenspektakel.

Handlung: Ein riesiger Komet nähert sich der Erde. Doch die Berechnungen und Prognosen stimmen nicht – Fragmente des Kometen werden auf der Erde einschlagen. Ein erstes Teilstück des Kometen zerstört ganz Florida, weitere Fragmente werden folgen. Ingenieur John Garrity (Gerard Butler), seine Frau Allison (Morena Baccarin) und ihr Sohn Nathan (Roger Dale Floyd) werden von der US-Regierung ausgewählt und dazu aufgefordert sich zu einer Militärbasis zu begeben. Von dort aus sollen sie an einen geheimen Ort ausgeflogen werden, an dem das Überleben der Menschheit gesichert werden soll. Doch die Evakuierung scheitert – und die auseinandergerissene Familie begibt sich in einen dramatischen Überlebenskampf.

Die Ambivalenz der Endzeit

Regisseur Ric Roman Waugh und Drehbuchautor Chris Sparlig („Buried – Lebend begraben?“) haben mit „Greenland“ nicht nur einen Katastrophenfilm, sondern auch oder vor allem ein Familiendrama geschrieben und inszeniert, das sich mit den Einzelschicksalen einer gewöhnlichen Familie befasst. Eine Familie, die mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen hat und sich nunmehr in einem harten und teilweise abscheulichen Überlebenskampf wiederfindet. In dieser Endzeitstimmung sieht sich Familie Garrity ein ums andere Mal Menschen gegenübergestellt, die ihre Missgunst den „Ausgewählten“ gegenüber schamlos zeigen. Es entfacht ein Klassenkampf ums Überleben. Für Menschlichkeit scheint wenig Platz zu sein und doch finden Waugh und Sparlig immer wieder geeignete Wege in einem apokalyptischen Setting ein zwischenmenschliches Miteinander zu zeigen. Diese kleinen Nuancen und Hoffnungsschimmer auf mehr Humanität lassen den Zuschauern mitfiebern und Familie Garritys Glauben an das Gute wieder aufkeimen.

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Weltuntergang zwischen Emmerich und Johnson

Mit seiner bewegenden und spannenden Story ist „Greenland“ ein beklemmendes und auch emotionales Katastrophendrama, in dem Butler und Baccarin ihr Talent zeigen können. Gerard Butler ist zwar durchaus limitiert in seinem Schauspiel, allerdings scheint er hier sehr engagiert und gewillt, eine gute Performance abzuliefern. Morena Baccarin zeigt einmal mehr, dass sie das Format hat, um größere Projekte vollends tragen zu können – soweit es ein Drehbuch zulässt. Denn die Rollen der beiden sind dann leider doch zu klischiert und so ist es wenig verwunderlich, dass Butler zum Helden avanciert, während Baccarin leider nur das klassische Rollenbild der Frau transportieren darf.

Die Bilder, die Waugh einfängt, sind offensichtlich für die große Leinwand gemacht, auch wenn sie nicht dem typischen Krawallkino eines Roland Emmerichs entsprechen. Die Kamera bleibt ruhig und dicht dran an den Protagonisten. Eher untypisch für ein hektisches Endzeit-Szenario. Die Spezialeffekte hingegen sind bewusst und effektiv eingesetzt, was einmal mehr dafür spricht, dass Waugh nicht nur an einem standardisierten CGI-Gewitter gelegen war, sondern auch an einem gewissen Drama-Anteil.

4

Fazit

„Greenland“ ist – zwischen den Zerstörungsorgien Emmerichs und den ausschweifenden Action-Gelagen eines Dwayne Johnson – einer dieser Katastrophenfilme, die es nur alle paar Jahre zu sehen gibt.

Kinostart: 22. Oktober 2020

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