© koch films

Mit „The Beach House“ legt Regisseur und Drehbuchautor Jeffrey A. Brown sein Spielfilm-Debüt vor. Erfahrung im Genre hat Brown bereits mit seinen Horror-Shorts „Sulfuric“ und „The Wooden Box“ gesammelt, den Großteil seiner Karriere war der Filmemacher aber als Location-Manager für eine Reihe von Hollywood-Produktionen tätig. Für Werke wie „Non-Stop“, „Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3“ und „Fringe: Grenzfälle des FBI“ war der Regie-Debütant also maßgeblich für die Wahl der Drehorte verantwortlich.

Handlung: Emily (Liana Liberato) besucht mit Randall (Noah Le Gros) das fast schon paradiesisch gelegene Strandhaus seiner Eltern. Was zunächst nach einer angenehmen Auszeit anmutet, verkehrt sich allmählich ins Gegenteil, als das ältere befreundete Ehepaar auftaucht, das Randall noch als Kind kennt. Doch die teilweise dubiosen Mitbewohner sind nicht das größte Problem, dem sich das junge Paar stellen muss – denn vom Meer kommt anscheinend eine schwerwiegendere Bedrohung.

Horror im Urlaubs-Setting  

Für „The Beach House“ wählt Jeffrey A. Brown dann auch einen Schauplatz, der zum Horror-Genre zunächst nicht so ganz passen will: ein idyllisch gelegenes Strandhaus. Zwar fällt diese absurde Diskrepanz aus Wohlfühl-Atmosphäre und Gruselgeschichte nicht ganz so prägnant ins Gewicht wie in „Midsommar“ von Standeskollege Ari Aster, der seine Horror-Story hauptsächlich bei strahlendem Sonnenschein und unter blauem Himmel spielen lässt. Aber ein beunruhigendes Missverhältnis tut sich schon auf, wenn sich der vermeintlich erholsame Kurzurlaub am Strand mit zunehmender Spielzeit als Höllentrip entpuppt.

Solider Genre-Beitrag trotz verschenktem Potenzial

Seine stärksten Momente hat „The Beach House“ allerdings schon zu Beginn, wenn sich mit dem Auftauchen des befreundeten Ehepaars fast schon kammerspielartiger Psycho-Horror entwickelt. Denn bei Mitch (Jake Weber, „Midway“, „Tote Mädchen lügen nicht“) und Jane (Maryanne Nagel) scheint irgendwas im Argen zu liegen, ebenso bei Emily und Randall, die anscheinend nicht in komplett inniger Zweisamkeit und Harmonie angereist sind. Doch aus dieser Prämisse macht der Film leider nicht mehr, obwohl das schauspielerische Potenzial zweifelsohne vorhanden gewesen wäre. Stattdessen entspinnt sich daraus ein klassischer Bio- und Body-Horror-Streifen, der nach den üblichen Genrekonventionen funktioniert.

© koch films

Dass das nicht zwangsläufig schlecht sein muss, beweist Brown mit „The Beach House“ zwar nicht in ganzer Breite, leistet mit seinem kleinen Independent-Film aber gewiss einen ordentlichen Beitrag. Gemessen am offensichtlich nicht allzu üppigen Budget, schafft es der Filmemacher dennoch, ein paar beeindruckende Bilder auf die Leinwand zu bannen. Wenn sich Jane etwa nach draußen begibt, um die Bäume zu bewundern, die von einem eigenartigen Nebel eingestaubt wurden, dann wirkt das besonders vor dem Hintergrund der bescheidenen Mittel sehr gekonnt. Zwar finden sich auch immer wieder Effekte, die augenscheinlich auf das beschränkte Budget zurückzuführen sind, aber ausufernde visuelle Orgien braucht Browns sympathischer Genre-Beitrag auch nicht, um Atmosphäre und Stimmung zu erzeugen. Und ausgesprochene Fans von Body-Horror dürften sich sicherlich über ein paar eklige Szenen freuen.

Bio-Horror in Corona-Zeiten?

Es  mag auf den ersten Blick ein wenig brisant anmuten, in den aktuellen Pandemie-Zeiten einen Horror-Streifen ins Kino zu bringen, der im Grunde nichts anderes erzählt. Doch auch wenn Emily als angehende Astrobiologie-Studentin zu Beginn den wissenschaftlichen Aspekt erläutert und für die bedrohlichen biologischen Phänomene eine These aufstellt, geht „The Beach House“ wohl geflissentlich nicht weiter in die Tiefe und besinnt sich stattdessen auf die gängigen Genre-Mechanismen – und kann wohl daher als „unbedenklich“ eingeordnet werden.

3

Fazit

Jeffrey A. Browns Feature-Film-Einstand macht aus seinem finanziellen Hintergrund keinen Hehl, holt aus seinen Möglichkeiten aber das Maximum heraus und liefert einen soliden Genre-Beitrag.

Kinostart: 22. Oktober 2020

Bildquellen

  • Beitragsbild: © koch films

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.