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Regisseur Ryan Spindell ist beileibe nicht unbedarft, was das Horror-Genre angeht. Mit seinen Kurzfilmen „The Root of the Problem“ und „The Babysitter Murders“ hat der US-Amerikaner bereits sein Faible für Grusel bewiesen. Letzterer spielt auch für seine nun erscheinende Anthologie „The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte“ eine nicht unwesentliche Rolle. Über Kickstarter haben 473 Unterstützer das Projekt mit 60.840 US-Dollar bezuschusst, am 22. September 2019 feierte Spindells Horror-Anthologie schließlich Premiere beim Fantastic Fest in Austin, Texas.

Handlung: Im Städtchen Raven’s End verdingt sich Montgomery Dark (Clancy Brown) als Leichenbestatter – und das tut der alternde Kauz mit Leib und Seele. In seinem furchteinflößenden Anwesen kümmert er sich nicht nur um die Verstorbenen, sondern hält auch Grabreden, veranstaltet Trauerfeiern und verbrennt die Leichname schließlich im hauseigenen Krematorium. Vor allem aber weiß Dark um das Schicksal der leblosen Körper, die auf seinem Tisch landen. Als die junge Sam (Caitlin Fisher) bei ihm auftaucht, ist der Bestatter nicht um ein paar schockierende Gruselgeschichten verlegen.

„The Mortuary“: Ein gekonnter Schwenk über die Subgenres

Irgendwo zwischen klassisch und klischiert beginnt „The Mortuary“ mit einem finsteren Spukhaus, das aus jedem beliebigen Gruselfilm stammen könnte. Nicht minder altbacken fürs Horror-Genre gibt sich der morbide Grantler Montgomery Dark (brillant: Clancy Brown), womit Regisseur Ryan Spindell seinen Film zwar etwas althergebracht einleitet, tatsächlich aber nur einen kleinen Abriss für das liefert, was in den nächsten 110 Minuten folgt. Mit Body-Horror, Creature Feature, Gore, Splatter und Teenie-Slasher macht Spindell einen gekonnten Schwenk über einige der prominentesten Subgenres – was vor allem deshalb funktioniert, weil der Regisseur sein Handwerk nicht nur versteht, sondern es augenscheinlich auch liebt.

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Neben den überzeugenden Darstellern und seinem offensichtlichen Verständnis fürs Genre ist es auch Spindells visueller Stil, der „The Mortuary“ zu einem Kleinod für Horrorfans macht. Wie schon in „The Root of the Problem“, der einen merkwürdigen Zahnarzt bei der Arbeit zeigt, kleidet der Filmemacher seine Geschichten liebevoll in düstere 50er-Jahre-Ästhethik, was einen charmanten, aber irgendwie auch zeitlosen Rahmen um seine Erzählungen zieht. Dazu schafft der Regisseur fast schon spielend die heikle Gratwanderung zwischen CGI-Einsatz und handgemachten Effekten.

Eine liebevolle Hommage an den Horrorfilm

Glücklicherweise gibt sich „The Mortuary“ auch tonal keine Blöße, indem er sich von Beginn an selbst nicht wirklich ernst nimmt. Das zeigt sich nicht nur an der grantigen Figur von Clancy Brown, sondern auch spätestens beim letzten Kapitel, wenn Spindell die Mechanismen des Horrorfilms auf die Schippe nimmt. Selbstredend reicht die Spielzeit nicht dafür aus, um das so prominent wie Wes Craven mit seiner „Scream“-Reihe zu tun oder so ausufernd parodistisch aufzuarbeiten wie „The Cabin in the Woods“. Aber auch in dieser Hinsicht findet der Regisseur die adäquate Schnittmenge und gestaltet seine schaurigen Geschichten so gruselig wie spaßig. Übrigens hat der Horror-Spezialist im letzten Abschnitt seinen Kurzfilm „The Babysitter Murders“ verwurstet, der sich – Genrekennern wird es bereits aufgefallen sein – den Arbeitstitel von John Carpenters „Halloween“ zu Eigen gemacht hat.

Keine Revolution, aber ein meisterhafter Genre-Beitrag

Mit seinen selbstreferenziellen Anspielungen, dem schwarzen Humor und einem feinen Sinn für visuelle Ästhetik mag „The Mortuary“ das Genre zwar nicht neu erfinden, haucht der Subgattung der Horror-Anthologie aber zweifelsohne neues Leben ein. Wie in der Kickstarter-Kampagne angegeben, verortet der Regisseur seinen Langfilm zwischen „Twilight Zone“ und „Tales from the Crypt“, was nicht nur sein ästhetisches Empfinden erklärt, sondern einmal mehr Spindells Passion fürs gesamte Genre verdeutlicht. Der Regisseur umreißt mit einer gehörigen Portion Leidenschaft, Hingabe und im Handumdrehen vier Jahrzehnte des Grusel- und Horrorfilms, was man „The Mortuary“ zweifelsohne anmerkt – und was einfach nur Spaß macht.

3,5 / 5

Kinostart: 22. Oktober 2020

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  • Beitragsbild: © Capelight Pictures

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