© Telepool

Schon mit „Straw Dogs“ (2011), dem Remake zu Sam Peckinpahs Home-Invasion-Thriller „Wer Gewalt sät“, in dem 1971 Dustin Hoffman und Susan George in ihrem neuen Zuhause ums Überleben kämpfen, hat Regisseur Rod Lurie bewiesen, dass er Bedrohung von außen mit bedrückender Enge geschickt zu vermengen weiß. Und mit „Nichts als die Wahrheit“ (2008) hat sich der ehemalige Filmkritiker im Polit-Thriller versucht, indem er mit der Plame-Affäre eine wahre Begebenheit filmisch aufbereitet hat.

„The Outpost – Überleben ist alles“ wirkt wie die konsequente Weiterentwicklung. Für seinen Kriegsfilm greift Lurie die Geschichte einer in Afghanistan stationierten US-Truppe auf, die sich – eingekesselt in ihrem Lager – gegen die fortwährenden Angriffe hunderter von Taliban-Kriegern zur Wehr setzen muss. Das neueste Werk des Regisseurs basiert auf dem Buch „The Outpost: An Untold Story of American Valor“ von Journalist Jake Tapper, der auch als Produzent fungiert.

Handlung: Nahe Kamdesh im Norden Afghanistans haben US-Truppen ihr Lager aufgeschlagen. Das Perfide dabei: Der Stützpunkt liegt nicht nur strategisch ungünstig in einem Talkessel, der die Amerikaner zu einem leichten Ziel für die Taliban macht – den Soldaten geht auch langsam die Munition aus. Die schier aussichtlose Schlacht entwickelt sich zu einem der blutigsten Konflikte des Afghanistan-Krieges.   

Ein immersives, bedrückendes Filmerlebnis

Schon zu Beginn macht Rod Lurie deutlich, was den Zuschauer in den folgenden zwei Stunden erwartet. In einem beeindruckenden 360-Grad-Schwenk durch das Tal wird nicht nur klar, dass die stationierten Soldaten ein weiches Ziel abgeben, auch die Aussichtlosigkeit der gesamten Mission wird mit diesem visuellen Kniff von vornherein klar benannt. Im weiteren Verlauf überzeugt „The Outpost“ mit einer so immersiven wie schonungslosen Darstellung. In einem 45-minütigen Feuergefecht ist die Kamera immer nah dran an den Protagonisten und fängt das Kriegsgeschehen in seiner ganzen Drastik authentisch ein. Selbst ein paar CGI-generierte Explosionen tun der ungeschönten Darstellung keinen Abbruch.

© Telepool

Genre-Vertreter wie „Lone Survivor“ und „Operation: 12 Strong“ haben bereits den Afghanistankrieg zum Thema gemacht, doch insbesondere Lurie gelingt mit seiner filmischen Aufarbeitung die schwierige Gratwanderung zwischen actionreicher Unterhaltung und dokumentarischer Draufsicht. Vor allem ist aber erfrischend, dass der Regisseur ohne überbordenden Pathos und plakativen Patriotismus auskommt. Stattdessen fokussiert sich der Filmemacher geflissentlich auf das kriegerische Ereignis, auch wenn er den Überlebenden huldigt, indem er sie im Abspann zu Wort kommen lässt. Allerdings ist Luries fast schon neutrale Haltung sowohl Segen als auch Fluch zugleich. Denn so vornehm, wie er sich patriotisch zurückhält, so verhalten fällt auch sein kritischer Blick auf die friedensbringenden Landsleute aus. Reparationszahlungen an die Einheimischen werden zwar thematisiert, allerdings eher oberflächlich abgehandelt und in ihrer inhumanen Gleichgültigkeit nicht wirklich hinterfragt. Ein kritischer Kommentar mehr hätte der Erzählung sicherlich eine angenehme Portion politischer Brisanz hinzugefügt.

Star-Power, die nicht nötig gewesen wäre

Mit Orlando Bloom, Scott Eastwood und dem Kriegsfilm erfahrenen Milo Gibson („Hacksaw Ridge“, „Hurricane – Die Luftschlacht um England“) glänzt Lurie zwar mit gestandenen Hollywood-Mimen, doch kommt man nicht umhin, diese als nicht unbedingt notwendig zu erachten. Wenn Ersterer in seiner Rolle schon früh aus der Geschichte ausscheidet, wird schnell klar, dass es in „The Outpost“ nicht um große Namen geht. Tatsächlich hat der Regisseur drei der beteiligten Soldaten, die ihre Mission überlebt haben, als Schauspieler ans Set geholt. Zwar nicht so prominent, wie es Clint Eastwood mit „15:17 to Paris“ getan hat, indem er mit Spencer Stone, Alek Skarlatos und Anthony Sadler die realen Akteure und Helden des Terroranschlags nahe Paris gecastet und kurzerhand zu Hauptdarstellern ernannt hat. Aber es spielt vermutlich auch in „The Outpost“ unterbewusst eine Rolle, dass nicht ausnahmslos Hollywood-Größen einen Film tragen, sondern auch unverbrauchte Gesichter auftreten, die zudem nicht nur um die wahren Ereignisse wissen, sondern unmittelbar ein Teil davon waren. Selbst wenn es nur kleinere Cameos sind, können Betroffene mit ihren Erfahrungen aus erster Hand dazu beitragen, eine Erzählung authentischer zu gestalten und das Erlebte realitätsnaher zu rekonstruieren.

„The Outpost“: Solider Kriegsfilm

Rod Lurie bedient sich zwar der beim Kriegsfilm mittlerweile zum Usus gewordenen inszenatorischen Mittel, wenn er seinen Protagonisten beispielsweise mit Wackelkamera mitten ins Geschehen folgt. Aber dieser gekonnte Einsatz bewährter Techniken, gepaart mit dem ausgeprägten Sinn für eine rohe und schonungslose Darbietung, machen „The Outpost“ zu einem immersiven Erlebnis, das konsequent und direkt den Grauen des Krieges veranschaulicht – darüber hinaus aber auch nicht den nötigen cineastischen Unterhaltungswert vernachlässigt.

3,5 / 5

Kinostart: 17. September 2020

Bildquellen

  • Beitragsbild: © Telepool

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.