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Christian Petzold hat bereits Erfahrung in der Umsetzung von Märchen bzw. fantastischen Stoffen gesammelt. Sein Film „Gespenster“ aus dem Jahr 2005 basiert lose auf einem von Grimms Märchen – „Das Totenhemdchen“. Mit „Undine“ hat sich der Regisseur und Autor der mythologischen Sage der Undinen angenommen und sie in das heutige Berlin gepackt. „Undine“ ist dabei der erste Teil einer geplanten Trilogie, die sich der deutschen Romantik und den Elementargeistern widmen soll. 

Auch bei der Besetzung greift Petzold auf Altbewährtes zurück. Die Hauptrollen bekleiden Paula Beer („Bad Banks“) und Franz Rogowski („Victoria“), mit denen Christian Petzold bereits bei „Transit“ zusammengearbeitet hat. „Undine“ wurde am 23. Februar 2020 auf der Berlinale uraufgeführt und ist am 02.Juli 2020 regulär in den Kinos erschienen.

Handlung: Undine (Paula Beer) lebt in Berlin. Ein kleines Appartement am Alexanderplatz, ein Honorarvertrag als Stadthistorikerin, ein modernes Großstadtleben wie auf Abruf. Als ihr Freund Johannes (Jacob Matschenz) sie verlässt, bricht eine Welt für sie zusammen. Der Zauber ist zerstört. Wenn ihre Liebe verraten wird, so heißt es in den alten Märchen, muss sie den treulosen Mann töten und ins Wasser zurückkehren, aus dem sie einst gekommen ist. Undine wehrt sich gegen diesen Fluch der zerstörten Liebe. Sie begegnet dem Industrietaucher Christoph (Franz Rogowski) und verliebt sich in ihn. Es ist eine neue, glückliche, ganz andere Liebe, voller Neugier und Vertrauen. Atemlos verfolgt Christoph ihre Vorträge über die auf den Sümpfen gebauten Stadt Berlin, mühelos begleitet Undine ihn bei seinen Tauchgängen in der versunkenen Welt eines Stausees. Doch Christoph spürt, dass sie vor etwas davonläuft. Undine muss sich dem Fluch stellen – diese Liebe will sie nicht verlieren.

Eine Liebe, die nicht sein soll

Christian Petzold möchte mit „Undine“ eine gefühlvolle und zärtliche Liebesgeschichte erzählen. Dies gelingt durchaus – jedoch entfaltet nicht zwingend die eigentliche Story diese Wirkung. Vielmehr tragen Paula Beer und Franz Rogowski den gesamten Plot, die gesamte Prämisse – um Verlust, Trauer, Hoffnung und Liebe.

Der gegebene und storytreibende Mythos der Undinen wird gediegen eingeführt. Ein Prolog oder ein paar erklärende Worte hätten dem Mythos allerdings gutgetan, denn nicht alle Zuschauer sind mit den Wassergeistern vertraut. Während Petzold sich immer mehr in diesem Mythos verliert, vergisst dieser, seine Zuschauer abzuholen – und lässt sie teilweise ratlos zurück. 

© Schramm Film / Christian Schulz

Ein moderner Mythos

Die Entscheidung, die sagenhafte Undine im Berlin der Gegenwart auftauchen zu lassen, kann man durchaus als poetisch und clever bezeichnen. Immerhin hat sich Berlin im Laufe der Zeit wie keine andere Großstadt gewandelt. Auch die Undinen müssen sich an die Gegebenheiten der Gegenwart anpassen. Als Stadthistorikerin hält Paula Beer in ihrer Rolle als Undine Vorträge über eben diesen Wandel. Die auswendig gelernten Texte wirken dabei wie ein nixenhafter Gesang, welchem Franz Rogowski in seiner Rolle als Christoph vollends verfällt. 

Es sind kleine Details, die Petzold in „Undine“ verpackt. Details, die allerdings nicht zünden und nur bedingt zur Geschichte oder dem Porträt der Liebe beitragen. Sie wirken leider eher wie Fremdkörper.

Großartiges Schauspiel

Paula Beer spielt ihre Rolle als Undine hervorragend und hat völlig zu Recht den Silbernen Bären als Beste Darstellerin gewonnen. Auch Franz Rogowski zeigt eine unglaubliche Leistung. Beide beweisen, warum sie inzwischen zu den besten Akteuren der deutschen Filmlandschaft zählen. „Undine“ ist allerdings nur aufgrund eben dieser schauspielerischen Leistungen sehenswert. Vielleicht wollte Christian Petzold mit seiner Liebesgeschichte mehr vermitteln. Bei mir kam es jedoch nicht an. Schade eigentlich – hatte ich doch größere Hoffnungen in den Film.

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Kinostart: 02. Juli 2020

Bildquellen

  • Beitragsbild: © Schramm Film

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