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Gregor Erler bringt mit „Der letzte Mieter“ einen Genrefilm in die deutschen Kinos. Der packende Thriller lief auf zahlreichen Festivals und konnte einige renommierte Preise gewinnen. Gregor Erler setzt mit seinem Debüt-Spielfilm die erfolgreiche Arbeit als Regisseur und Autor fort – seine Kurzgeschichten und -filme konnten bereits über 50 nationale und internationale Preise gewinnen.

Handlung: Das letzte unsanierte Haus in einer besseren Berliner Gegend soll geräumt werden, für die modernisierten Appartements wünscht man sich reiche Käufer. Während die alten Mieter das Feld räumen, weigert sich Dietmar (Wolfgang Packhäuser) vehement, seine Heimat zu verlassen. Sohn Tobias (Matthias Ziesing) versucht noch, ihm den Umzug in eine Sozialwohnung schmeckhaft zu machen, doch der Vater schlägt das Angebot geflissentlich aus. Die Situation zwischen dem Vater-Sohn-Gespann und dem Makler des Hauses (Moritz Heidelbach) eskaliert vollends, als schließlich noch die junge Polizistin Shirin (Pegah Ferydoni) auf der Bildfläche erscheint.

Aktuelle Gesellschaftskritik

Bereits seit einigen Jahren wird der sozioökonomische Strukturwandel in den Großstädten in der öffentlichen Wahrnehmung und der Politik behandelt – meist jedoch nicht zu Gunsten der Arbeiterklasse. Dieser Thematik nimmt sich Gregor Erler in „Der letzte Mieter“ an. Kritisch, allerdings nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, setzt sich Erler mit der Gentrifizierung auseinander. Die Gesellschaftskritik ist sichtbar und wird durch seine beteiligten Personen gut transportiert: Wut, Verzweiflung bis hin zum Kontrollverlust. Auf der anderen Seite der personifizierte Kapitalismus, welcher seine Maske nie fallen lässt, sich trotz der Geiselnahme nie wirklich aus der Ruhe bringen lässt. Er ist fokussiert auf das Wesentliche in diesem Diskurs – dem Kapital. „Der letzte Mieter“ ist aufgrund seiner Thematik sehr aktuell und gleichzeitig zeitlos. Es sind eben diese Klassenkämpfe, die uns, die unser Sein seit Jahrhunderten (mit)bestimmen.

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Erler hat sich beim Look am skandinavischen Film orientiert – und das passt perfekt. Die unterkühlte Stimmung in der baufälligen und sanierungsbedürftigen Wohnung, der kalte und ungerechte Kampf der Klassen, und die oft raue und direkte Herangehensweise der beteiligten Personen kommt so hervorragend zu Geltung.

Ein etwas anderer deutscher Kinofilm

Der Cast spielt die Situationen glaubhaft und authentisch aus. Generell wurden die Rollen sehr intelligent und divers – wenngleich auch leicht klischeehaft besetzt. Die im Iran geborene Pegah Ferydoni wurde als Polizistin besetzt – anders als in vielen anderen deutschen Produktionen spielen ihr Geschlecht und ihre Herkunft keine Rolle. Matthias Ziesing als Sohn des „letzten Mieters“ kommt mit seinem Blaumann daher, während Moritz Heidelbach als Makler einen arroganten Schmierlappen spielt. Die Rollen sind lediglich Mittel zum Zweck – sie tragen die Story, sie tragen die Kritik, gestehen den Figuren aber nicht wirklich mehr Tiefe zu.

Erler hat mit „Der letzte Mieter“ einen großartigen Beitrag zum deutschen Genrekino geleistet. Die Gesellschaftskritik zieht sich durch den kompletten Film – und ist dabei gekonnt aufgearbeitet und verständlich. Das Werk hat tolle Momente und Szenen, einen sehr talentierten und authentischen Cast. Und mit dem Ende des Films hat der Regisseur und Autor einen ungewöhnlichen und mutigen Weg gewählt, der durchaus zu gefallen weiß.

4 / 5

Kinostart: 13. August 2020

Bildquellen

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