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Ob mit „The Hunt“, „Pusher“ oder auch Lars von Trier und Nicolas Winding Refn – Filme und Filmschaffende aus Dänemark finden nicht nur seit den letzten Jahren internationale Anerkennung und dürfen sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Nun wagt sich Regisseur und Autor Kim Hagen Jensen mit seinem Langfilmdebüt „Mina und die Traumzauberer“ (OV: „Drømmebyggerne“) an einen Animationsfilm und möchte beweisen, dass auch „Zeichentrick“ aus Dänemark ernstzunehmende Konkurrenz zu Pixar, DreamWorks & Co. sein kann. Die Voraussetzungen sind gut, denn Kim Hagen Jensen hat bereits einige Erfahrung im Animationsbereich sammeln können.

„Mina und die Traumzauberer“ sollte eigentlich im April 2020 regulär in den Kinos starten. Die Corona-Pandemie hat der Premiere jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht, sodass der Start verschoben werden musste. Nun startet „Mina und die Traumzauberer“ am 04. Juni 2020 in den wiedereröffneten Kinos.

Handlung: Minas Leben wird komplett auf den Kopf gestellt als Helena, die neue Verlobte ihres Vaters, und deren Tochter Jenny bei ihnen einziehen. Ihre neue Stiefschwester entpuppt sich als unausstehlich und bald ist Mina mit ihrer Geduld am Ende: Jenny muss verschwinden! Eines Nachts entdeckt Mina im Schlaf die Kulissen hinter ihren Träumen, in der Zauberer die nächtlichen Erlebnisse der Menschen auf Theaterbühnen zum Leben erwecken. Schnell findet sie heraus, wie sie Jennys Träume manipulieren kann. Was sie aber nicht weiß: Das Eingreifen in die Träume der Menschen hat schreckliche Folgen. Als Mina eines Nachts zu weit geht, bleibt Jenny in ihrem Traum gefangen und kann nicht mehr aufwachen. Mina muss ein letztes Mal in die Traumwelt zurück, um Jenny zu retten.

Dänemark zeigt Diversität

Die grundlegende Prämisse scheint bekannt, wurde mit „Alles steht Kopf“ doch bereits eine ähnliche Thematik behandelt und vermutlich in Perfektion erzählt – und doch geht „Mina und die Traumzauberer“ einen anderen Weg. Bereits zu Beginn werden heutige Familienverhältnisse wiedergegeben und durchaus divers erzählt. So hat Minas Mutter die Familie scheinbar verlassen und tourt als Musikerin durch die Welt, während sich der alleinerziehende Vater um alles kümmert und mit einer Selbstverständlichkeit den Haushalt schmeißt. Solche Rollenbilder und getrennte Eltern sind für viele Kinder nicht nur Fiktion, denn oftmals spiegeln diese ihre eigene Realität wider. Kim Hagen Jensens Werk schafft es, die Gefühle aus Verlust, Angst und Selbstvorwürfen gekonnt zu verpacken und in eine interessante und charmante Geschichte einzubeziehen.

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Aber auch das Glück spielt eine gewichtige Rolle in „Mina und die Traumzauberer“. Eher untypisch für einen Kinderfilm, wird das Glück sogar explizit vom Vater eingefordert. Dieser möchte mit der Gründung der Patchwork-Familie und dem Einzug seiner Verlobten Helena und ihrer Tochter zu seinem persönlichen Seelenfrieden beitragen. Die Forderung ist mutig – gerade für einen Kinderfilm. Auch, weil dieser Wunsch im Verlauf des Filmes wiederkehrt. Leider versäumt es der Streifen dann aber doch, die Forderung gekonnt einzusetzen, da sie oft frei von Logik ist und an unpassenden Momenten platziert wird. Denn grundsätzlich sollte das Wohl des Kindes an erster Stelle stehen. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass Streitigkeiten zwischen Mina und Jenny vorprogrammiert sind.

Auf dem Weg zum It-Girl

Die Charakterentwicklung von Mina und Jenny ist durchaus interessant zu beobachten. Einige Züge sind nachvollziehbar, während andere dies eher nicht sind – aber so sind nun mal Kinder. Diese kindliche Neugier und Naivität führen Mina letztlich hinter die Kulissen ihres eigenen Traumes, wo die nächtlichen Visionen der Menschen zum Leben erweckt werden. Die Traumwelt ist entsättigt – ja, fast schon kühl. Auf den Bühnen der REM-Phase hingegen herrscht buntes Treiben. Nachdem Jenny die fast schon klischeehaft gemeine Stiefschwester raushängen lässt, bittet Mina den Traumzauberer Gaff um Hilfe. Ähnlich wie bei Christopher Nolans „Inception“ möchte Mina eine Idee in den Traum von Jenny einpflanzen, um die eigentliche Realität zu ihrer Zufriedenheit anzupassen. Anders als Nolan erzählt „Mina und die Traumzauberer“ die Prämisse aber kindgerecht und für jedermann verständlich.

Was leider zu kurz kommt, ist die Thematik des Cybermobbings. Nachdem Jenny die neue Stiefschwester öffentlich auf ihrem Instagram-Account bloßgestellt hat, sehen wir keine Konsequenz aus diesem Handeln. In den heutigen Zeiten hätte dieses Thema deutlicher in den Fokus gerückt werden können.

Bitte nicht verstecken!

Für die Animation des Films zeichnet das Animationsstudio Hydralab (u.a. „Thelma“) aus Kopenhagen verantwortlich. Mit einem durchaus überschaubaren Budget haben die Dänen einen Film animiert, der als echte Alternative zu den etablierten Studios daherkommt.

„Mina und die Traumzauberer“ hat einen knuffigen Stil und gute Animationen. Die Traumsequenzen waren fantasievoll umgesetzt, wenngleich der Mut zu mehr ein wenig gefehlt hat. „Mina und die Traumzauberer“ ist ein toller Abenteuerfilm für die ganze Familie. Mit viel Herz und pointiertem Humor kann er durchaus mit den Werken von Pixar, DreamWorks & Co. mithalten. Auch wenn einige Thematiken (z.B. Cybermobbing) mehr Platz bekommen und bewusster hätten eingesetzt werden können, schafft es der Film, einige wichtige Dinge anzusprechen und kindgerecht aufzuarbeiten. Und spätestens beim Hamster Viggo Mortensen – ein großartig gewählter Name – sollte auch das erwachsene Publikum seinen Spaß haben.

3,5 / 5

Kinostart: 04. Juni 2020

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