© 2019 Twentieth Century Fox

Mit Genre-Beiträgen wie „Devil’s Due“, dem Found-Footage-Schocker „V/H/S – Eine mörderische Sammlung“ und der Anthologie „Southbound“ haben die Regisseure Tyler Gillett und Matt Bettinelli-Olpin bereits Erfahrungen im Horror-Fach gesammelt. Die beiden Filmemacher gehören zum Kreativkollektiv Radio Silence Productions, das 2011 durch das Regie-Duo und die beiden Standeskollegen Justin Martinez und Chad Villella gegründet wurde. Schon mit den drei erwähnten Filmen zeigte das Kollektiv sein einzigartiges Verständnis fürs Horror-Genre, indem ganz selbstverständlich Versatzstücke aus Komödie, Sci-Fi, Abenteuer und Horror verwurstet wurden. Mit „Ready or Not“ liegt nun das vierte Werk des auf drei Mann geschrumpften Filmemacher-Zirkels vor, das neben Stars wie Andi MacDowell, Henry Czerny und Adam Brody vor allem das Talent seiner Hauptdarstellerin Samara Weaving herausstellt.

Handlung: Grace (Samara Weaving) ehelicht mit Alex Le Domas (Mark O’Brien) nicht nur einen jungen Mann aus gutem Hause, sondern gleich noch eine ganze Familie. Eine traditionsreiche und vermögende Sippschaft mit ganz speziellen Eigenheiten, deren sozialer Status maßbeglich der Spiele-Dynastie des Urgroßvaters zu verdanken ist. Und die Tradition besagt, dass sich jedes neue Familienmitglied einem Gesellschaftsspiel stellen muss – und im Falle von Grace einem, das über Leben und Tod entscheidet.

„Ready or Not“: Auf die Plätze… nicht im Lot!

Die Mischung aus Komödie, Drama und Horror mag dem Filmschaffenden-Kollektiv zwar den Drang nach tonaler Vielfalt attestieren, doch leider wirkt „Ready or Not“ insgesamt nicht wirklich konsistent. Über weite Strecken wird das Drama um die Hauptfigur deutlich hervorgehoben, womit sich die Erzählung ziemlich ernst gibt, dann wird die Story immer wieder mit schwarzhumorigen Sprengseln bedeckt, um schließlich in einem absurden Splatter-Finale zu enden. Das wirkt alles gut gemeint – nur nicht allzu gut gemacht. Was Gillett und Bettinelli-Olpin hier abliefern, funktioniert zwar ansatzweise in seinen einzelnen Bestandteilen, überzeugt aber nicht als großes Ganzes. Die offensichtliche Satire auf die reiche Elite ist unverkennbar, bleibt aber letztlich eher oberflächlich, die irrwitzigen Gewaltspitzen sind nicht mehr als ein kurzzeitiger Hingucker, die man in der Quantität geflissentlich noch hätte hochschrauben können, und den Splatter-Climax kann man durchaus als Fremdkörper empfinden.

© 2019 Twentieth Century Fox Home Entertainment

In Gänze scheint „Ready or Not“ nicht allzu genau zu wissen, was es sein möchte. Und bedenkt man, wie überzeugend das Geschehen in seinen ernsten Momenten inszeniert wird – vor allem getragen durch eine stark aufspielende Samara Weaving –, dann könnte man sich fast schon wünschen, die Regisseure hätten aus der inkohärenten Horrorsatire besser einen „seriösen“ Menschenjagd-Actioner gemacht.

Wenn die Hauptdarstellerin einen Film rettet

Dafür bedanken, dass ihr inhomogener Genre-Beitrag letztlich doch irgendwie unterhält, müssen sich die Regisseure in erster Linie bei Aktrice Samara Weaving. Ihre Wandlung von der kecken Verlobten, über die verzweifelte Scream-Queen bis hin zur taffen Splatter-Braut, ist einfach nur spannend anzuschauen. Während die Australierin in der Provinz-Groteske „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ lediglich das junge, naive und arg einfältige Anhängsel verkörpern durfte, schöpft die Mimin diesmal aus ihrem offensichtlich reichhaltigeren Repertoire – und empfiehlt sich damit hoffentlich für noch facettenreichere Rollen. Demnächst wird Weaving übrigens an der Seite von Daniel Radcliffe im Action-Kracher „Guns Akimbo“ zu sehen sein.

Kurzweiliger Horrorspaß

Schaut man über die genannten Schwächen hinweg und hat man ohnehin ein Faible für krude Horrorkomödien, kann man mit „Ready or Not“ durchaus kurzweiligen Spaß haben. Zumindest szenenweise lassen die Radio Silence Productions ihr Können aufblitzen. Der mit einigen derben Gewaltspitzen gewürzte Genre-Beitrag kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in dieser Sparte wesentlich stärkere Werke gibt, die viel eher eine Sichtung wert sind.

Veröffentlichung: seit dem dem 06. Februar 2020 als DVD, Blu-Ray und digital. Im Test hatte Filmfreax den Amazon-Prime-Stream.

Filmfreax-Heimkino-Wertung
2,5 / 5

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2019 Twentieth Century Fox Home Entertainment

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