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Handlung: Im China der 80er-Jahre bestreiten Liu Yaojun (Wang Jingchun) und Wang Liyun (Yong Mei) ihr Leben als Arbeiter in einer Metallfabrik. Im angrenzenden Arbeiterwohnheim wächst Sohn Xing behütet auf, in direkter Nachbarschaft zu seinem besten Freund Haohao und dessen Eltern, Wangs Schwester Li Haiyan (Ai Liya) und Ehemann Zhang Xinjian (Zhao Yanguozhang). Doch als Xing bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt, wird auch die Verbundenheit der beiden Familien auf die Probe gestellt. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion flüchten Liu und Wang in die südliche Provinz Fujian, um in ihrem Leben ein neues Kapitel aufzuschlagen. Doch auch über Zeit und Distanz bleiben die beiden Familien unmittelbar miteinander verbunden.

Kritik: Mit „Bis dann mein Sohn“ legt Regisseur Wang Xiaoshuai den ersten Teil seiner geplanten Heimat-Trilogie vor. Und was der chinesische Filmemacher vorlegt, ist ein wahres Familienepos geworden.

Über mehrere Jahrzehnte begleitet der Regisseur die beiden Familien und beleuchtet gleichermaßen schonungslos wie einfühlsam, was das Schicksal aus seinen Protagonisten macht. Und er stellt dabei immer wieder die Frage in den Raum: Wie viel Wahrheit verträgt Familie? Gekonnt verknüpft Xiaoshuai die Bestimmung seiner Figuren mit den sozialistischen Auswüchsen ihrer Heimat, thematisiert dabei beispielsweise die Ein-Kind-Politik und das drastische Vorgehen der Kommunistischen Partei, ohne sich in einem politischen Pamphlet zu ergehen. Das mag auf den ersten Blick und in dieser epischen Breite zwar zuweilen ein bisschen zu viel Drama und Tragödie für ein Leben sein, verliert dadurch aber weder an Glaubwürdigkeit noch an erzählerischer Wucht. Dass das in aller Konsequenz so gut funktioniert und bei satten 178 Minuten Laufzeit kaum Längen aufweist, liegt nicht nur an der anachronistischen Erzählweise, die sich so behutsam wie spannend der Frage nach der Wahrheit nähert und diese allmählich entblättert, sondern auch an den grandiosen Hauptdarstellern. Geradezu schmerzlich glaubhaft verkörpern Jingchun und Mei das vom Schicksal gebeutelte Elternpaar, das sich mit seiner Flucht in die Provinz und einem neuen Leben Luft verschaffen will, sich aber stattdessen kollektiv und individuell in ein emotionales Vakuum manövriert und ein ums andere Mal verzweifelt daran scheitert, für seine überbordende Liebe das passende Ventil zu finden – und den richtigen Adressaten. Wie sich die Eheleute auf dieser schier unmöglichen Mission aufreiben, tut bisweilen weh, erschüttert, schockiert – und findet letztlich doch ein versöhnliches Ende.

Wang Xiaoshuai ist mit „Bis dann mein Sohn“ ein mitreißendes und herzliches Familienporträt gelungen, das berührt, zutiefst menschlich und psychologisch nachvollziehbar die Folgen eines schweren Verlustes aufarbeitet und geschickt anachronistisch den steinigen Weg von Trauer, über Wut und Verzweiflung, bis hin zu Vergebung zeichnet. Großes Kino, das sich nicht vor Hollywood zu verstecken braucht!

Veröffentlichung: seit dem 07. April 2020 als DVD und Stream. Im Test hatte Filmfreax die DVD.

Bildformat: 16:9 (1:1.78) | Tonformat: DD 5.1 / 2.0 | Sprachen: Deutsch, Chinesisch (Mandarin) | Untertitel: Deutsch | Extras: Booklet

Filmfreax-Heimkino-Tipp
4,5 / 5

Bildquellen

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