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Am 14. Januar 2016 feierte „Colony“ auf dem TV-Sender USA Network Premiere, im Oktober folgte die Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen per TNT Serie. Bereits nach drei Episoden verlängerte man die von Universal Cable Productions und Legendary Television produzierte Sci-Fi-Serie um eine weitere Staffel, die dritte debütierte in den USA ab dem 2. Mai 2018. Verantwortlich für die dystopische Alien-Invasion zeichnen Carlton Cuse („Lost“) und Ryan J. Conal („Rampage – Big meets bigger“) verantwortlich. Nun erscheint „Colony“ auf Blu-Ray und DVD – für Filmfreax ein Grund, sich die Sci-Fi-Serie mal genauer anzuschauen.

Handlung: Die Welt wurde von außerirdischen Invasoren besetzt, Amerika durch hohe Mauern in Blöcke aufgeteilt. In diesem dystopischen Nachkriegsszenario kämpfen Will Bowman (Josh Holloway) und Ehefrau Katie (Sarah Wayne Callies) mit ihren Kindern Bram (Alex Neustaedter) und Gracie (Isabella Crovetti-Cramp) ums Überleben. Als Wills Vergangenheit als FBI-Agent bekannt wird, rekrutiert ihn die „Übergangsregierung“, um den Anführer des Widerstands ausfindig zu machen und die revolutionistische Bewegung zu zerschlagen. Im Gegenzug will die Regierung ihm helfen, den nach der Besatzung verschollenen Sohn wiederzufinden.

Realistisches Kriegsszenario – auch ohne Außerirdische

Extraterrestrische Invasionen hat es im Film bekanntlich schon zu Genüge gegeben. Auch in Serienform wurde dieses dystopische Szenario bereits mehrfach thematisiert. Doch anders als beispielsweise in „Falling Skies“ (2011) gibt sich „Colony“ weniger martialisch-militaristisch, sondern versucht vielmehr, ein realistisches Nachkriegsgeschehen zu skizzieren. Und das gelingt den „Lost“-Autoren auf beeindruckende Art und Weise. Bewaffnetes Militär, Überwachungsdrohnen, Sperrstunden und meterhohe Grenzmauern werden ganz selbstverständlich in ein sonniges Los Angeles unter blauem Himmel eingebettet. Eine alles andere als übertriebene Kriegskulisse, in der die Menschen trotz aller diktatorischer Unterdrückung um Normalität bemüht sind. Laut der Autoren hat hier das Paris der Nachkriegszeit Pate gestanden, wie im halbstündigen Making-Of zu erfahren ist.

© 2014 USA Network Media, LLC (Photo by: Danny Feld/USA Network)

Mit seinem thematischen Schwerpunkt erinnert „Colony“ erzählerisch wesentlich mehr an die Neuauflage von „V – Die Besucher“ (2011), in der sich „Lost“-Star Elizabeth Mitchell als Polizistin dem menschlichen Widerstand anschließt. Wie auch beim Genrekollegen funktioniert der Einsatz von CGI mal besser und mal schlechter, was die Macher aber nicht davon abhält, eine glaubwürdige und stets bedrohliche Atmosphäre zu erschaffen, in der die Präsenz der Invasoren immer spürbar ist. Das ist insofern beeindruckend, als dass die außerirdischen Besatzer zunächst gar nicht physisch in Erscheinung treten, sondern lediglich durch Lichtphänomene und Drohnen visualisiert werden – und ein gesichtsloses Mysterium bleiben, eine grausamer Mythos, eine unsichtbare Allmacht. Die akute Bedrohung für die Bevölkerung und vor allem für die Aufständischen geht vielmehr durch die Kollaborateure aus, die wenig Skrupel haben, ihre eigene Spezies zu unterdrücken.

Kampf an zwei Fronten

Offensichtlich versteht sich „Colony“ aber nicht nur als dystopische Kriegserzählung im Sci-Fi-Gewand, sondern auch als Familiendrama. Dass die Geschichte genreübergreifend so gut funktioniert, ist nicht nur den authentischen Charakterzeichnungen und dem komplexen Familiengefüge zu verdanken, in dem jedes einzelne Mitglied seinen eigenen, individuellen Moralkompass neu kalibrieren muss, sondern auch den Darstellern, die diese Zerrissenheit glaubhaft und emotional transportieren. Josh Holloway mimt den verwegenen Agenten und Familienvater, der wie der erwachsen gewordene und ethisch-moralisch herangereifte Haudegen „Sawyer“ aus „Lost“ anmutet, während Sarah Wayne Callies ihrer postapokalyptisch erfahrenen Mutterfigur aus „The Walking Dead“ gefühlt einen vielschichtigeren Charakter angedeihen lässt. Flankiert von einem so barbarischen wie opportunistischen Antagonisten (Peter Jacobsen) und einem harschen Freiheitskämpfer (Tory Kittles), der unterschwellig mehr damit ringt, seine Menschlichkeit einem höheren Ziel zu opfern, als es seine erbarmungslose Art nach außen vermuten lässt. „Colony“ bebildert nicht nur den Krieg zwischen den Spezies, sondern auch den Kampf mit den eigenen Moralvorstellungen. Als Wills Cop-Partner fungiert übrigens kein Geringerer als „Rocky“-Ikone Carl Weathers – und der ehemalige Apollo-Creed-Darsteller funktioniert als sympathischer und alternder Sidekick bestens.

Die typischen Zutaten, aber gekonnt angerührt

„Colony“ mag auf den ersten Blick die bekannten Zutaten anrühren, die ein Sci-Fi-Kriegs-Epos gemeinhin benötigt: zerstörte Städte, Invasoren, entmenschlichte Antagonisten, Indoktrination. Cuse und Conal gelingt dieser Genremix aus Sci-Fi, Spionage-Thriller und Familiendrama aber so gekonnt, dass man letztlich ein Serienformat mit viel „Binge-Potenzial“ serviert bekommt, das von der ersten bis zur letzten Episode fesselt.

Veröffentlichung: ab dem 03. April 2020 als Blu-Ray und DVD. Im Test hatte Filmfreax die Blu-Ray.

Bildformat: 1,78:1 / 1080p24 / AVC | Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1 | Sprachen: Deutsch, Englisch | Extras: Episodenguide, Deleted Scenes, Featurette „Colony: Behind The Wall“ | Laufzeit: 10 Folgen à 42 Min. / Gesamt: 428 Min.

Filmfreax-Heimkino-Wertung
4,5 / 5

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2014 USA Network Media, LLC

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