© 2019 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

Nach der Arbeit am Storyboard für die Pixar-Hits „Cars“ und „Toy Story 3“ sowie seinem Animations-Langfilmdebüt „Die Monster Uni“, präsentiert Regisseur Dan Scanlon nun sein nächstes großes Werk. Inspiriert ist „Onward: Keine halben Sachen“ von Scanlons eigenem Leben. Seinen Vater hat der Filmemacher im Alter von einem Jahr verloren, er und sein Bruder hätten keine Erinnerung mehr an ihn, verriet der Storyboard-Künstler bei der Vorstellung seines Films im Rahmen der Berlinale. Gemeinsam mit Produzentin Korie Rae wollte der US-Amerikaner einen persönlicheren Film machen und die Fragen verarbeiten, die er und sein Bruder nach dem Tod des Vaters hatten: Wie war er? Und welche Ähnlichkeiten haben die hinterbliebenen Söhne wohl mit ihm?

Handlung: In einer Welt, in der die Faszination für Magie durch den technologischen Fortschritt abgelöst wurde, versuchen Ian und Barley Lightfoot nach dem Tod des Vaters ihren Weg zu finden. Doch das funktioniert eher schlecht als recht, zu viele Fragen beschäftigen die beiden. Nachdem ihr Zauber fehlgeschlagen ist, den verstorbenen Vater für einen Tag zurückzuholen, begeben sich die zwei Elfenbrüder auf eine abenteuerliche Reise. Der nur zur Hälfte herbeibeschworene Vater soll mit Hilfe eines magischen Artefakts komplett hergestellt werden. Allerdings bleibt dem ungleichen Geschwisterpaar dafür nicht mehr viel Zeit.

Ein Pixar-Film für das erwachsenere Publikum

Bedenkt man die wahren Hintergründe zur Idee der Geschichte, ergibt es sich fast schon selbst, dass „Onward“ noch wesentlich mehr auf eine ältere Zielgruppe zugeschnitten wirkt als die gefühlt zehnte Wiederholung von „Toy Story“ oder dem kindgerechten „Cars“. Während in diesen meist Freundschaft als Leitmotiv herhalten muss, thematisiert der Elfenfilm vielmehr Verlust, Abschiednehmen und eine geschwisterliche Beziehung – und eröffnet damit eine emotional breitere Ebene. Selbstredend und für Disney obligatorisch, kommt diese herzliche Geschichte als buntes und treibendes Animationsabenteuer daher. Berücksichtigt man aber die emotionale Tiefe, wie diese „erwachsenen“ Themen verarbeitet werden und die ruhigen Momente, die sich der Film dafür gönnt, wird schnell klar, dass sich auch die älteren Generationen angesprochen fühlen dürften. Vergleiche mit dem berührenden „Oben“ oder dem cleveren „Alles steht Kopf“ hält „Onward“ durchaus stand.

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Parallel zur stellenweise nachdenklichen Tonalität gönnt Scanlon seiner autobiografisch angelehnten Erzählung aber auch eine visuell reifere Inszenierung. Vor allem die nächtlichen Fahrten auf der Autobahn – ein Großteil der Geschichte spielt sich bei Nacht ab – wirken vergleichsweise weniger cartoonesk, als es bei vielen anderen Pixar-Werken der Fall ist. Es sind teilweise sogar fast schon opulente Bilder, mit denen der Regisseur sein charmantes und rühriges Animationsabenteuer inszeniert.

Herzergreifendes Abenteuer geglückt, interessanteste Prämisse verfehlt

Leider macht der Regisseur und Storyboard-Artist aus der interessantesten Prämisse nicht allzu viel. Eine Welt, der ihr grundlegender Sinn für Magie und Fantasie abhandengekommen ist, hätte vermutlich die passende Szenerie geboten, um einen Appell für die Abkehr vom Virtuellen hin zu mehr realem Erleben an das geneigte Publikum zu richten. Doch leider äußert sich der Drang nach kindlicher Begeisterungsfähigkeit und Abenteuerlust letztlich nur in einzelnen Figuren – und nicht im Kontext des gesamten fantastischen Universums, das Scanlon mit „Onward“ erschaffen hat. Die moderne Welt in all ihren abstrusen und technologischen Absurditäten auf den Prüfstand zu stellen, hätte dem Film sicherlich eine reizvolle sozialkritische Komponente hinzugefügt. Zumal die Eingangssequenz auf diesen Aspekt eingeht und im Grunde suggeriert, dass diesbezüglich noch mehr zu erwarten ist.

Sieht man über diesen Makel aber geflissentlich hinweg und konzentriert sich auf die emotionale Ebene, funktioniert „Onward: Keine halben Sachen“ als rühriges Familienabenteuer auf ganzer Linie. Die streckenweise pompösen Animationen schreien geradezu nach der großen Leinwand, aber vor allem versteht es Scanlon, an den richtigen Stellen gefühlvoll auf die Tränendrüse zu drücken. Bei Erwachsenen, die womöglich ähnliches erlebt haben wie Regisseur Dan Scanlon, sollte das so flotte wie herzerweichende Animations-Spektakel im wahrsten Sinne des Wortes kein Auge trocken lassen.

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Kinostart: 05. März 2020

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