© 2020 Leonine Distribution

Nach dem Historien-Actioner „King Arthur: Legend of the Sword“ und seiner Disney-Arbeit „Aladdin“ kehrt Regisseur Guy Ritchie endlich wieder in das Genre zurück, das er am besten beherrscht: die Gangsterposse. Mit „Bube, Dame, König, grAS“, „Snatch“ und „RocknRolla“ hat der Brite in der Vergangenheit schon bewiesen, wozu er erzählerisch imstande ist – und welch geschicktes Händchen er hat, wenn er gestandene Hollywoodstars in absurde Rollen steckt. Die Idee zu „The Gentlemen“ hatte Ritchie schon vor gut zehn Jahren. Zunächst als Serie angedacht, blieb der Regisseur dann aber doch bei seinem ersten Vorhaben, einen abendfüllenden Spielfilm aus der Story zu machen. Und für seine Genre-Rückkehr hat er einen namhaften Cast um sich geschart: Matthew McConaughey, Hugh Grant, Charlie Hunnam, Colin Farrell, Michelle Dockery, Jeremy Strong und Eddie Marsan.

Handlung: Drogenbaron Mickey Pearson (Matthew McConaughey) steht kurz vor dem Verkauf seines Imperiums. Matthew Berger (Jeremy Strong) hat Interesse an Pearsons kriminellem Unternehmen bekundet. Allerdings ist der Milliardär nicht der Einzige, der es auf das gewinnbringende Geschäft abgesehen hat. Auch andere Unterweltler schielen gierig auf das Drogen-Business. Währenddessen hat Medienmogul Big Dave (Eddie Marsan) den dreisten Investigativ-Schnüffler Fletcher (Hugh Grant) auf Pearsons rechte Hand Raymond (Charlie Hunnam) angesetzt. Fletcher soll die Geschehnisse um die lukrativen Machenschaften offenlegen.

Zurück zur Gangsterposse

Was Guy Ritchie mit „The Gentlemen“ auf die Leinwand bringt, knüpft im Grunde nahtlos an die Werke an, die er vor seinen „Blockbuster-Auftragsarbeiten“ produziert hat. Das mag zwar nicht mehr den körnigen und kernigen Low-Budget-Charme ausstrahlen wie sein Debüt „Bube, Dame, König, grAS“ und auch nicht denselben Witz haben wie der Nachfolger „Snatch“, schreitet aber mit selbstbewussten Schritten wieder in diese Richtung. Selbstredend merkt man dem Film den unverwechselbaren Ritchie-Stil an: Gewitzte Dialoge, absurde Figuren, clevere Verwicklungen und Plot-Twists geben sich wie selbstverständlich die Klinke in die Hand.

Dass „The Gentlemen“ wirklich Spaß macht, in der für Ritchie typischen Erzählweise spannend und unterhaltsam ist und nach wie vor funktioniert, liegt wie immer zu einem großen Teil an den Darstellern. Was vor allem Hugh Grant hier darbietet, ist weit von dem Nice-Guy-Image entfernt, das der Schauspieler in etlichen Rom-Coms verkörpern durfte. Denkt man an Grant, kommt einem unweigerlich der unbeholfene, tollpatschige und charmante Kerl in den Sinn, der sich zudem noch als hoffnungsloser Romantiker outet. Dass er für derlei Rollen mittlerweile zu „alt, zu hässlich und zu fett“ geworden ist, wie er am legendären Roundtable des Hollywood Reporters selbst sagt, scheint ihm aber nicht mal unangenehm sein. Im Gegenteil: In der illustren Runde mit Charaktermimen wie Sam Rockwell und „Game of Thrones“-Star Richard Madden rechnet der Brite gar mit der Verlogenheit und dem Schubladendenken der Traumfabrik ab. Ein Ansatz, bei dem sich Grant und Ritchie offenbar einig sind.

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Ein Seitenhieb auf Hollywood

Der Regisseur leitet seine neueste Gaunerkomödie mit dem Szenario ein, dass Privatschnüffler Fletcher seine Ermittlungen dem überraschten Raymond in Drehbuchform unter die Nase reibt. Mit dreistem Überschwang wirft er sich in seinen Vortrag und es entsteht zunächst ein humorvolles Zwei-Mann-Kammerspiel, das vor allem von seinen grandiosen Darstellern lebt. Nicht nur diese Idee zeigt, wie sehr der Regisseur in seinem Metier verwurzelt ist. Seine gewohnt wendungsreiche Erzählweise macht schließlich auch nicht vor einer Hollywood-Schelte Halt, wenn er seinen Protagonisten gegen Ende bei einem Produzenten vorstellig werden lässt. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten sein, gehört dieser offensichtliche Seitenhieb doch zu einem der Highlights von „The Gentlemen“. Dass sich Guy Ritchie eine solch bissige Anspielung nicht verkneifen kann, darf wohl geflissentlich als Zeichen dafür gewertet werden, wie sehr der Regisseur seinen Job immer noch liebt. Nach wie vor lebt Ritchie das Filmemachen mit jeder Faser seines Körpers und will sich die Freude daran anscheinend nicht durch die gnadenlosen Mechanismen einer Branche nehmen lassen, die ebenso dafür gesorgt hat, dass ein Hugh Grant lange unter seinen Möglichkeiten blieb. Für beide scheint Ritchies neuer Wurf gefühlt ein Befreiungsschlag zu sein.

Der neue und alte Guy Ritchie

„The Gentlemen“ mag nicht mehr die jugendliche Verve früherer Werke haben, punktet aber immer noch – teilweise noch mehr als damals – mit Darstellern, die sich nicht nur mit Freude auf Ritchies charakteristischen Stil einlassen, sondern sich mit ebenso viel Begeisterung in für sie eher untypische Rollen wagen. Und sich ganz nebenbei selbst nicht so ernst nehmen. Streckenweise fällt Ritchies neueste Gangsterposse zwar nicht mehr so drastisch, brutal und smart aus wie seine Frühwerke, kann in ihrer markanten Inszenierung aber trotzdem überzeugen.

Letztlich kann man sich eigentlich nur darüber freuen, dass der Regisseur nach einer Reihe durchwachsener Blockbuster wieder zu seinen Wurzeln und in Ansätzen zu alter Stärke zurückfindet. Ritchies „The Gentlemen“ macht definitiv Spaß, auch wenn er sich – ob seiner wiedergefundenen inszenatorischen Dynamik – für seine Cleverness gefühlt ein bisschen zu sehr feiert. Aber das soll dem Engländer verziehen sein, wenn er endlich eingesehen hat, in welchem Genre er seine cineastische Kompetenz am besten ausspielen kann.

3,5 / 5

Kinostart: 27. Februar 2020

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2020 Leonine Distribution

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