Anfangs noch mit reichlich Schelte bedacht, eilten sich die Macher, das Aussehen des flotten Igels zu überarbeiten. Zu merkwürdig sähe der blaue Raser aus, urteilten die Fans, zu menschlich sein Mund und sein Gesicht. Schon mit dem nächsten offiziellen Trailer beruhigten sich die Gemüter aber wieder, die Vorfreude auf die Videospieladaption stieg. Es wäre allerdings auch bedenklich, hätte ein erfahrener Mann wie Jeff Fowler („Wo die wilden Kerle wohnen“) in seinem Metier nicht die Kurve gekriegt. Der aus Illinois stammende Regisseur ist seines Zeichens gelernter Animator, der sein Studium an der Ringling School of Art and Design in Florida absolviert hat. Mit seinem Kurzfilm „Gopher Broke“ um ein hungriges Eichhörnchen wurde der Computeranimations-Spezialist 2005 sogar für einen Oscar nominiert. Mit drei Monaten Verspätung aufgrund der gestalterischen Änderungen kommt seine erste Langfilm-Regiearbeit nun endlich ins Kino.

Handlung: Der superschnelle Igel Sonic flieht vor außerirdischen Verfolgern von seinem Heimatplaneten. Der gewitzte Raser nistet sich unbemerkt im Kleinstädtchen Green Hills in Montana ein, immer in der Nähe von Sheriff Tom Wachowski (James Marsden). Als die Regierung auf den blauen Besucher aufmerksam wird und den skrupellosen Dr. Robotnik (Jim Carrey) auf ihn ansetzt, kreuzen sich die Wege des Polizisten und des Igels.

Solides Animationsabenteuer mit Zielgruppenproblem

Das größte Problem von „Sonic the Hedgehog“ sind beileibe nicht die Effekte. Die Animationen sind fast durchweg überzeugend in Szene gesetzt, vor allem dann, wenn Dr. Robotnik mit allerlei Drohnen, Waffen und Fahrzeugen aufzutrumpfen versucht. Dass sich bei so viel Effektgewitter ein paar animierte Schwächen auftun, versteht sich fast schon von selbst. Wenn Sonic etwa aus einer Reisetasche gepellt wird und sich eine Boxershorts vom Kopf zieht, sieht das bisweilen zu sehr nach offensichtlichem CGI aus. Aber das soll bei einem kindgerechten Animationsabenteuer verziehen sein.

Die Videospieladaption scheitert bereits an der Zielgruppenausrichtung, was aber nicht verwunderlich ist, da man hier Kids, deren Eltern und vor allem Fans des Game-Franchises gleichermaßen zufriedenstellen muss. Die Jüngeren dürften ihre Freude an dem bunten Spektakel haben, wie es die Pressevorführungen schon bewiesen haben. Und Fans sollte an der einen oder anderen Stelle ebenso das Herz aufgehen. Vor allem zum Schluss, der – so viel darf verraten sein – mit einem Cliffhanger endet und einen altbekannten Charakter auf den Plan ruft. Allerdings gelingt es den Autoren Pat Casey und Josh Miller nicht wirklich, die älteren Zuschauer abzuholen. Die Gags, die offensichtlich an die erwachsene Zielgruppe gerichtet sind, verpuffen entweder in dem temporeichen Animations-Theater oder wollen von vornherein einfach nicht zünden. Das wirkt zwar alles irgendwie gut gemeint, funktioniert nur leider nicht ebenso gut.

Photo Credit: Courtesy Paramount Pictures and Sega of America.

Antagonist vs. Protagonist – 1:0

Das größte Highlight für die älteren Semester dürfte sicherlich Jim Carrey in der Rolle des durchgeknallten Dr. Robotnik sein. Der Komiker tut mal wieder das, was er am besten kann, tanzt, walzt und ballert sich seinen Weg durch die gesamte Story und füllt seine Rolle mit physischer und mentaler Präsenz komplett aus. Das erinnert in seiner Intensität fast schon an Carreys legendären Auftritt als der Grinch. Man könnte sogar sagen, dass er nicht nur James Marsden und Kollegen an die Wand spielt, sondern auch den flitzenden blauen Helden. Carrey mag zwar erwartungsgemäß den so erbarmungslosen wie skurril-lachhaften Blaupausen-Antagonisten verkörpern, wie er in solch einem Film Usus ist. Aber diese Aufgabe erfüllt er mit dermaßen viel Verve und Inbrunst, dass der computergenerierte Held daneben einfach nur erschreckend blass aussieht. Tatsächlich wirkt der Protagonist über weite Strecken merkwürdig seelen- und charakterlos. Ob dieses Defizit allein Sprecher Julien Bam zuzuschreiben ist, sei mal dahingestellt. Aber der Figur fehlt das gewisse Etwas, der Pep, der Drive, die Seele. Schauspieler Ben Schwartz („House of Lies“), der dem Igel im englischen Original seine Stimme leiht, agiert hier ungleich dynamischer, wie es alleine schon die Trailer beweisen.

Was am Ende bleibt, ist ein generisches Animationsabenteuer für die kleineren Zuschauer, das die üblichen Werte wie Freundschaft, Mut, Zusammenhalt und – wie es in diesem Fall offensichtlich das Leitmotiv ist – Heimatverbundenheit propagiert.

2,5 / 5

Kinostart: 13. Februar 2020

Bildquellen

  • Beitragsbild: Photo Credit: Courtesy Paramount Pictures and Sega of America.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.