© 2019 Concorde Filmverleih GmbH

Lange angekündigt und zunächst verschoben, schafft es der Actioner „21 Bridges“ nun endlich ins deutsche Kino. Unter der Regie von Brian Kirk („Penny Dreadful“, „Game of Thrones“), der vorwiegend in Serien sein Zuhause hat, wird Chadwick Boseman („Black Panther“) auf Copkiller-Jagd nach Manhattan geschickt. Für das Drehbuch zeichnet das Autorenduo Adam Mervis und Matthew Michael Carnahan verantwortlich. Neben den Russo-Brüdern, die schon für MCU-Werke wie „Avengers: Infinity War“ und „Avengers: Endgame“ die Regiearbeit übernommen haben, fungiert Darsteller Boseman ebenfalls als Produzent.

Handlung: Detective Andre Davis (Chadwick Boseman) wird vom NYPD kritisch beobachtet und muss sich für seine Arbeitsweise verantworten. Als er für seinen nächsten Fall Jagd auf einen Copkiller macht, wird seine Einstellung auf die Probe gestellt. Unterstützung erhält der durchsetzungsfähige Polizist von Drogenfahnderin Frankie Burns (Sienna Miller). Was sich anfangs als kleines Drogengeschäft darstellt, entpuppt sich jedoch schnell als kriminelle Verschwörung. Um die Flucht des gefährlichen Copkiller-Duos zu verhindern, sieht Davis keine andere Möglichkeit, als alle 21 Brücken von und nach Manhattan zu sperren.

Prämisse verfehlt

Die größte Krux von „21 Bridges“ zeigt sich darin, dass die finale Umsetzung nicht der Prämisse gerecht wird, die schon der Trailer mit breiter Brust ankündigt. Erzählerisch spielt es nämlich allzu schnell keine Rolle mehr, dass alle 21 Brücken gesperrt werden. Das Drehbuch gibt den Copkillern gar nicht erst die Möglichkeit, alle potenziellen Fluchtwege auszuprobieren. Gleiches gilt für die großspurige Ankündigung, die Stadt mit Cops zu „fluten“. Wie beeindruckend wäre es wohl gewesen, so viele Statisten aufzufahren, dass die übermäßige Polizeipräsenz in ihrer ganzen Breite visualisiert wird? Derartige Bilder präsentiert Regisseur Brian Kirk gar nicht und begnügt sich stattdessen mit ein paar Drohnenaufnahmen von Manhattan bei Nacht und der bloßen Behauptung, dass die Insel zur Festung des New Yorker Exekutivorgans erklärt wird. Tatsächlich wurde der Großteil des Films nicht mal in New York, sondern in Philadelphia gedreht – was dem innerstädtischen, spannenden Katz-und-Maus-Spiel zwar keinen Abbruch tut, womöglich aber der Grund dafür ist, dass man die Story nicht noch auf weitere New Yorker Schauplätze ausgeweitet hat. Im Grunde hätte man für die Geschichte auch jede andere amerikanische Großstadt wählen können.

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Lässt man mal außen vor, dass der Trailer eine so interessante Grundidee verspricht, die leider alles andere als zufriedenstellend umgesetzt wird, bekommt man zumindest einen soliden Cop-Thriller serviert. Schon der dominante und ungeniert pathetische Score von Alex Belcher und Henry Jackman macht deutlich, in welche Richtung es in den knapp 140 Minuten gehen wird: Die 90er lassen grüßen! Man mag diese typischen Verschwörungsthriller in der Vergangenheit schon zu Genüge gesehen haben, zumal auch Brian Kirk keinerlei Anstalten macht, eine komplexe Story zu erzählen, die mit einer Fülle von Plot Twist zu begeistern weiß. Selbst ein durchwachsener „Criminal Squad“ (2018), der hier durchaus genannt werden kann, hat diesbezüglich mehr Überraschendes zu bieten. Dieselbe Blaupause lässt sich ebenso auf die Figuren anwenden, die in ihrer ganzen Trivialität allesamt die altbekannten Funktionen zu erfüllen haben – weswegen Stars wie J.K. Simmons und Sienna Miller in diesem allzu simplen Konstrukt offensichtlich unterfordert wirken. Einzig Bosemans Rolle wird ein bisschen mehr Tiefe und Substanz zugestanden.

Triviales, aber handgemachtes Old-School-Action-Kino

Was bei all den Schwächen aber bleibt, ist im besten Sinne geradliniges 90er-Action-Kino, das seine Geschichte temporeich und ohne jegliche Längen konsequent durcherzählt. Krachende Shootouts, die fast schon von einem Michael Mann stammen könnten, rasante Verfolgungsjagden, die man ebenso spannend inszeniert bereits in Thrillern wie „The Corruptor“ (1999) erleben durfte, und ein Setting ausschließlich bei Nacht, das die düstere Atmosphäre adäquat unterstreicht. Nicht mehr und nicht weniger bringt Brian Kirk mit seinem talentierten Hauptdarsteller im Jahre 2020 auf die große Leinwand. Zugegebenermaßen mag das alles nicht neu und für viele Zuschauer zu schlicht sein, um sich dafür ins Lichtspielhaus zu begeben. Sollten Filme wie „21 Bridges“ aber eine Renaissance erleben und das treibende, handgemachte Old-School-Action-Kino der 80er und 90er aufleben lassen, wie es beim Fantasy Filmfest 2019 schon der koreanische „The Gangster, the Cop, the Devil“ angedeutet hat, muss man für derartige Genrevertreter eigentlich dankbar sein. Denn moderne Actioner, die den offensichtlichen Gebrauch von CGI schamlos zelebrieren, sind in Hollywood mittlerweile leider Usus geworden ist.

Filmfreax-Wertung
3,5 / 5

Kinostart: 06. Februar 2020

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2019 Concorde Filmverleih GmbH

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