© 2019 Twentieth Century Fox

Schon in seiner letzten Regiearbeit („Thor: Tag der Entscheidung“) ließ Filmemacher Taika Waititi seinen ganz besonderen Humor durchschimmern. Gleiches gilt für sein komödiantisches Talent, das er als Darsteller vor allem in seiner Vampir-Komödie „5 Zimmer, Küche, Sarg“ unter Beweis stellen konnte. Für sein neuestes Werk hat sich der so ambitionierte wie extrovertierte Regisseur nicht nur der NS-Zeit angenommen, sondern eifert als Hitler-Parodist auch ein Stück weit Charlie Chaplin nach. Große Fußstapfen, in die Waititi da tritt – und die er nur bedingt ausfüllen kann. „Jojo Rabbit“ basiert auf dem Roman „Caging Skies“ der belgisch-neuseeländischen Autorin Christine Leunens.

Handlung: Der 10-jährige Jojo Betzler (Roman Griffin Davis) ist in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges überzeugtes Mitglied der Hitlerjugend. Jojo wird von seiner Mutter Rosie (Scarlett Johansson) großgezogen, sein Vater dient an der italienischen Front, seine Schwester ist bereits verstorben. Die Überzeugung des kleinen Jungen wird allerdings auf die Probe gestellt, als er herausfindet, dass seine Mutter das heranwachsende jüdische Mädchen Elsa in einem Verschlag im Haus versteckt. Im Zwiegespräch mit seinem imaginären Freund Adolf Hitler zweifelt Jojo nun immer mehr an seinen Ansichten.

„Jojo Rabbit“: Benigni light

Denkt man an Hitlerparodien oder NS-Zeit-Satiren, drängen sich hier zwangsläufig Vergleiche mit allgemein bekannten Referenzwerken auf. Vergleiche, denen Waititis „Jojo Rabbit“ nur bedingt standhält. Hatten beispielsweise Roberto Benignis Slapstick-Einlagen im oscarprämierten „Das Leben ist schön“ immer Methode, weil sie stets im Kontext zur Prämisse standen, verkommt Waititis Auffassung von Satire stellenweise zum reinen humoristischen Schauwert. Zwar hat es fast schon britische Züge, wenn etwa…

Aber konterkariert werden diese satirisch wertvollen Momente leider dann, wenn sich die Hitlerjugend Messer in die Beine wirft oder versehentlich Raketenwerfer abfeuert. Nun kann man sicherlich damit argumentieren, dass es von vornherein die Absicht des Regisseurs war, Nazis und deren Überzeugung derart zu veralbern, wie er es in einer Pressemitteilung zum Drehstart bereits angekündigt hatte. Verglichen mit Genrekollegen darf man bei „Jojo Rabbit“ aber keine allzu clevere oder subtile Satire erwarten.

Waititi rettet seine Erzählung zumindest ansatzweise dann, wenn ihm die Wendung zum Drama gelingt, ohne die humorvolle Tonalität gänzlich zu negieren. Allerdings währt auch das nicht allzu lange und wird spätestens zum Finale mit einem Kriegsszenario wieder gebrochen, das eher wie der spaßige Level aus einem Videospiel wirkt. Was der Regisseur auf der einen Seite erzählerisch an Tragik aufbaut, reißt er auf der anderen Seite geradezu tölpelhaft wieder ein.

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Mit Stars wie Sam Rockwell, Rebel Wilson und Scarlett Johansson hat der Filmemacher ein paar große Namen aufgefahren, die die humorvolle Erzählung nicht nur bereichern, sondern fast schon tragen. Johansson trägt zu diesem Gelingen in hohem Maße bei, aber auch der 12-jährige Roman Griffin Davis liefert hier eine grandiose Leistung ab, wenn seine aufdiktierten Überzeugungen allmählich ins Wanken geraten. Waititis Hitler-Interpretation darf zwar geflissentlich als nicht wirklich herausragend bezeichnet werden und sollte auch nicht in einem Atemzug mit Charlie Chaplins grandioser Darstellung genannt werden. Aber berücksichtigt man, dass die Figur als Mischung aus Hitler und Vaterersatz angelegt ist, kann man es als adäquat erachten, dass dieser Charakter im Grunde nur als Stichwortgeber der Hauptfigur fungiert.

Spott geglückt, clevere Satire nicht

Zeiten, in denen freie Meinungsäußerung gerne mal mit ungefilterter Emotionalität gleichgesetzt wird, haben Filme wie „Jojo Rabbit“ eigentlich bitter nötig. Dass man unter diesen Umständen bestimmte Ideologien und deren Vertreter spöttisch der Lächerlichkeit preisgibt, sollte gar nicht zur Debatte stehen. Ja, das darf man! Und zweifelsohne gelingt das Waititi mit geradezu spielerischer Leichtigkeit. Nur macht Spott alleine noch keine geistvolle Satire aus. Dem Gräuel des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte lässt sich nun mal nicht mit platt überhöhtem Slapstick beikommen. Dafür braucht es einen ganz feinen Sinn für Humor, wie ihn einst Roberto Benigni leichtfüßig an den Tag gelegt hat.

Filmfreax-Wertung
2,5 / 5

Kinostart: 23. Januar 2020

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2019 Twentieth Century Fox

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