© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

17 Jahre ist es her, dass Will Smith und Martin Lawrence als die ungleichen Cops Mike Lowry und Marcus Burnett die Unterwelt von Miami aufgeräumt haben. In den ersten beiden Teilen noch unter der Fuchtel von Action-Connaisseur Michael Bay, avancierte der bis dato wenig beachtete und vor allem durch die Sitcom „Der Prinz von Bel Air“ bekannte Will Smith zum internationalen Kinostar. Es folgten Blockbuster wie „Independence Day“, „Men in Black“ und „Der Staatsfeind Nr. 1“. Martin Lawrence hingegen konnte zu diesem Zeitpunkt schon auf Arbeiten mit Spike Lee und Eddie Murphy zurückblicken.

Der erste Teil der Buddy-Movie-Action „Bad Boys“ konnte bei einem geschätzten Budget von 10 Millionen US-Dollar allein in Europa das Achtfache einspielen. Das Sequel, das 2003 seine Premiere feierte, kam bei Produktionskosten von schätzungsweise 130 Millionen Dollar auf ein weltweites Einspielergebnis von 262 Millionen. Bereits im Jahre 2006 kündigte Produzent Jerry Bruckheimer den dritten Teil der Reihe für 2008 an. Doch zum einen scheiterte das Projekt an der Finanzierung, und zum anderen waren Smith und Lawrence nie mit dem Drehbuch zufrieden. Tatsächlich umgesetzt wurde das Vorhaben erst jetzt, ganze 17 Jahre später. Auf dem Regiestuhl nahm diesmal jedoch nicht Michael Bay Platz, sondern die beiden belgischen Schauspieler Bilall Fallah und Adil El Arbi. Krimi- und Regie-Erfahrung haben die Filmemacher bereits mit „Gangstas 4 Life“ und „Black“ sammeln können.

Handlung: Als Marcus Burnett (Martin Lawrence) kurz vor seiner Pensionierung steht, bekommt es Mike Lowry (Will Smith) mit einer alten Bekannten zu tun. Die frisch aus dem Knast entflohene mexikanische Kartellchefin Isabel Aretas (Kate del Castillo) trachtet dem verwegenen und knallharten Cop nach dem Leben. Während die eiskalte Gangsterbraut ihren Sohn auf Mike ansetzt, erhält der Drogenfahnder nicht nur Hilfe von Partner Marcus, sondern auch von einer neuen Spezialeinheit.

„Bad Boys for Life“: Ohne Michael Bay ein Glücksgriff

Man kann es nur begrüßen, dass Jerry Bruckheimer den Regieposten diesmal nicht Michael Bay überlassen hat. Während dieser mit seiner durch und durch übertriebenen Action-Bolzerei „6 Underground“ vor allem negative Stimmen erntet und damit Zweifel an seiner fachlichen Expertise schürt, zeigen die belgischen Newcomer, dass man in diesem Genre nicht zwingend ein Schnittmassaker anrichten muss, um temporeiche Spannung auf die Leinwand zu bringen. Stand Bay in den 90er Jahren noch für solides, handgemachtes Action-Kino, scheint ihm diese cineastische Qualität wohl spätestens dann abhandengekommen sein, als der übermäßige Einsatz von CGI salonfähig wurde. Dass Fallah und El Arbi selbstredend nicht gänzlich auf diese Technologie verzichten, zeigt sich vor allem im explosiven Finale, das ein bisschen mehr althergebrachtes Handwerk vertragen hätte. Aber besonders in den Verfolgungsjagden beweisen die talentierten Belgier, dass sie um das Action-Genre wissen. Die rasanten Sequenzen sind so geschnitten und inszeniert, dass man als Zuschauer stets alles problemlos mitverfolgen kann – was leider keine Selbstverständlichkeit mehr in dieser filmischen Sparte ist.

Sinn für die Gratwanderung zwischen Nostalgie und Moderne

Dass die jungen Filmemacher aber auch ein Händchen fürs Storytelling haben, belegen sie vor allem anhand ihrer Figuren. Die Hauptprotagonisten wurden konsequent weiterentwickelt, ohne die Originalidee über Bord zu werfen oder ihnen unglaubwürdige Charaktereigenschaften anzudichten. Zweifelsohne merkt man den Belgiern an, dass sie das Franchise nicht nur verstanden haben, sondern es auch lieben. Selbst Nebenfiguren wie Captain Howard (Joe Pantoliano) verkommen in diesem Sequel nicht zur nostalgischen Staffage. Ganz im Gegenteil: Sie werden sogar so in den Plot eingebunden, dass sie für die erzählerische Dramaturgie relevant sind. Aber auch die Antagonisten stehen für die gekonnte Figurenentwicklung der beiden Filmschaffenden. Kate del Castillo wirkt als Kartellchefin finster und bedrohlich, Jacob Scipio mimt den kaltblütig mordenden Sohn an ihrer Seite mehr als überzeugend. Zwei Gegenspieler, deren Bösartigkeit nicht nur bloße Behauptung bleibt, sondern wahrhaftig und greifbar wird. Ob del Castillos vermeintliche Nähe zu Drogenbaron El Chapo maßgeblich hilfreich für die Darstellung ihrer Figur war, kann man nur mutmaßen. In der Telenovela „La Reina del Sur“ verkörperte sie bereits die Chefin des Sinaloa-Kartells – Chapo Guzmáns Verbrecherorganisation.  

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Was Fallah und El Arbi geschafft haben, ist in Zeiten unsteter Arbeitsbedingungen und in einer Branche finanzieller Unsicherheiten geradezu ein Kunststück. Die belgischen Regietalente meistern gefühlt spielerisch die sensible Gratwanderung zwischen Nostalgie und Moderne, indem sie das 90er-Franchise nicht unbeholfen mit einem unsicheren Upgrade in die digitale Neuzeit hieven, sondern ihm lediglich ein behutsames Facelifting bescheren. Mit einer FSK-Freigabe ab 16 Jahren, einem für Action-Blockbuster gesunden Maß an Brutalität und dem ganz speziellen Buddy-Movie-Charme der Protagonisten, gelingt den Regisseuren ein Sequel, das die Qualitäten der beiden Vorgänger in sich vereint – und dabei die eigene Handschrift nicht vernachlässigt. Unterschlagen werden soll an dieser Stelle aber auch nicht das Drehbuch, für das namhafte Autoren wie Joe Carnahan, Chris Bremner, Anthony Tambakis, Peter Craig und David Guggenheim verantwortlich zeichnen.

Fallah und El Arbi: Lost in Tinseltown?

„Bad Boys for Life“ darf nicht nur als Hommage an eine beliebte Filmreihe, sondern auch als Verneigung vor einem ganzen Genre verstanden werden. Derart solides und liebevoll inszeniertes Action-Kino findet man unter den hiesigen Blockbustern mittlerweile nur noch selten. Bedenkt man das mehr oder weniger offene Ende, das wie von der Chefetage auferlegt wirkt, und den Cameo von Michael Bay, dann kann man nur hoffen, dass dies kein schlechtes Omen bedeutet. Es wäre schade, wenn sich Bilall Fallah und Adil El Arbi in einem toxischen Umfeld aufreiben und ihr Talent von den gnadenlosen Mühlen der Traumfabrik verschlissen wird. Die Regisseure wurden nämlich schon für „Beverly Hills Cop 4“ verpflichtet.

Filmfreax-Wertung
4 / 5

Kinostart: 16. Januar 2016

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

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