© 2020 Universum Film

Nachdem Regisseur Rian Johnson für seine Arbeit an „Star Wars: Die letzten Jedi“ von der Fanbase übertrieben scharf kritisiert wurde, bringt er nun mit „Knives Out – Mord ist Familiensache“ seinen nächsten Film auf die Leinwand. Nach „Star Wars“ zeichnet er auch hier wieder für Drehbuch und Regie verantwortlich. Dass der US-Amerikaner kein so schlechter Filmemacher sein kann, zeigt sich auch an dem Star-Ensemble, das er für seine Krimikomödie um sich geschart hat.

Die Handlung

Patriarch Harlan Thrombey (Christopher Plummer) wird nach einem Familien-Dinner in seinem Anwesen tot aufgefunden. War es seine Pflegerin Marta Cabrera (Ana de Armas)? Aus dem Kreise seiner „Liebsten“ kommt allerdings jeder als Täter infrage. Neben Lieutenant Elliott (LaKeith Stanfield) nimmt sich auch Privatdetektiv Benoit Blanc (Daniel Craig) des mysteriösen Falls an.

Vorrede

Grundsätzlich habe ich mit „Genre-Mashups“ keine Probleme. Wenn es aber um Komödien geht, die mit anderen Genres gekreuzt werden, bin ich immer ein bisschen skeptisch – weswegen ich nie ein Fan von Horrorkomödien war. Gleiches gilt eben auch für Krimikomödien. Zu groß ist für mich dabei die Gefahr, dass ein Aspekt zu wenig Beachtung findet und sich nicht standesgemäß entfalten darf. „Knives Out – Mord ist Familiensache“ lässt mich meine Meinung aber fast schon grundlegend ändern.

Die Inszenierung

Was Rian Johnson hier inszenatorisch abliefert, kann guten Gewissens als grundsolide bezeichnet werden. Ob es sich um die Kriminalgeschichte oder den komödiantischen Aspekt handelt – der Regisseur findet nicht nur eine perfekte Mischung, sondern auch das passende Tempo und die adäquate Bildsprache. Dass der Regisseur und Drehbuchautor sowohl ein Händchen für intelligente Thriller als auch Komödien hat, hat er beispielsweise mit dem sehenswerten Noir-Krimi „Brick“ und dem unterhaltsamen „Brothers Bloom“ bewiesen. Was er mit „Knives Out“ abliefert, darf aber durchaus als Weiterentwicklung seiner Erzählkunst gewertet werden. Darüber hinaus funktioniert Johnsons Crime-Comedy aber nicht nur als Krimi im Stil einer altehrwürdigen Agatha Christie, sondern auch als ansatzweise bissige Gesellschaftssatire.

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Flankiert wird Johnson auch in seinem neuesten Werk wieder von Cousin Nathan Johnson, der bisher zu allen Regiearbeiten Rians die Filmmusik beigesteuert hat. Einzige Ausnahme ist „Star Wars: Die letzten Jedi“.

Die Story

Auch wenn Rian Johnson nicht allzu viel Zeit verschwendet und mit seinem Kriminalfall fast ohne Umschweife loslegt, nimmt er sich für seine Figuren ausreichend Zeit. Pflegerin Marta Cabrera (Ana de Armas) wird als Hauptcharakter gebührend eingeführt, ebenso Privatermittler Benoit Blanc (Daniel Craig). Allerdings muss man als Zuschauer – fast schon typisch für einen Krimi dieser Coleur – zu Beginn ein bisschen aufpassen. Zwar bekommt jeder Akteur aus dem relativ überschaubaren Kreise der Verdächtigen seine kurze „Vorstellung“, trotzdem ist Aufmerksamkeit geboten, wenn die vielen Namen genannt werden und man sie gedanklich erst mal einordnen muss.

Wer von „Knives Out“ ein astreines Kammerspiel erwartet, muss allerdings ein Stück weit enttäuscht werden. Die Erzählung beschränkt sich nicht einzig und allein auf den Tatort als Schauplatz, sondern nimmt sich die Freiheit, seine Protagonisten noch in andere Kulissen zu stecken. Das erweist sich auf der einen Seite als gute Entscheidung, weil man der Geschichte beispielsweise mit einer rasanten Verfolgungsjagd inszenatorisch mehr Drive verschafft, entpuppt sich andererseits aber auch als Fehler, weil mit dem Verzicht auf eine Single-Location-Darbietung interessanten Nebenfiguren weniger Screentime gegönnt wird. Was sich aus Johnsons Prämisse aber trotzdem entspinnt, ist eine clevere mit Plot-Twists und Humor gespickte Crime-Story, die durchweg unterhält und permanent spannend bleibt. An der einen oder anderen Stelle hatte ich zwar das Gefühl, dass sich der Film für seine Cleverness zu sehr feiert, was aber durch die grundsätzlich starke Inszenierung mit Leichtigkeit wettgemacht wird.

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Die Schauspieler

Neben Ana de Armas, die hier als verunsicherte und arglose junge Pflegerin überzeugen kann, muss vor allem Schauspielkollege und Routinier Daniel Craig genannt werden. Was der Bond-Mime als Privatschnüffler Benoit Blanc nicht nur an Leinwandpräsenz, sondern auch an Selbstironie an den Tag legt, ist einfach nur grandios anzuschauen.

Wen Johnson außerdem in seinen Cast geholt hat, könnte namhafter nicht sein: Christopher Plummer, Don Johnson, Chris Evans, Jamie Lee Curtis, Michael Shannon, Toni Collette. Allerdings empfand ich es im Fall von letzteren beiden als sehr schade, dass ihnen nicht mehr Leinwandzeit zugestanden wurde. Hätte man auf Schauwerte wie beispielsweise die erzählerisch irrelevante Autoverfolgungsjagd verzichtet und stattdessen den Darstellern mehr Raum gegeben, würden diese großen Namen und deren Potenzial nicht derart verpuffen. Aber das ist im Grunde der einzige große Kritikpunkt, den ich im Fall von „Knives Out“ anbringen kann.

Dieser Film könnte Dir gefallen, wenn…

… Du eine clevere Crime-Comedy sehen möchtest, die vor allem eins macht – Spaß. Ausgesprochene Cineasten dürften sich aber nicht nur über eine unterhaltsame Ensemble-Krimikomödie freuen, sondern auch über einige versteckte Easter-Eggs. Rian Johnson hat es sich nämlich nicht nehmen lassen, hin und wieder pop- und selbstreferenzielle Verweise in seinen Film einzustreuen. Für mich ist „Knives Out“ schon jetzt ein Highlight des Kinojahres 2020.

Filmfreax-Wertung
4 / 5

 Kinostart: 02. Januar 2020

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2020 Universum Film

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