© 2019 The Walt Disney Company

Für „Star Wars: The Rise of Skywalker“ ist Filmemacher J.J. Abrams auf den Regiestuhl zurückgekehrt. Nachdem Abrams mit „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ eine soliden Grundstein für die letzte Trilogie der Saga gelegt hatte, wurde bei Rian Johnsons „Star Wars: Die letzten Jedi“ nicht mit Schelte seitens der Fans gespart. Umso schwerer das Erbe, das der „Lost“-Macher antreten musste.

Die Handlung

Nachdem sich der Widerstand in „Die letzten Jedi“ zurückziehen musste, hat sich die „Erste Ordnung“ neu formiert. Das allerdings in einem Ausmaß, das alles Dagewesene in den Schatten stellt. Um eine Nachricht in Sith-Sprache zu entschlüsseln, die C-3PO zwar gespeichert hat, sein System aber nicht wiedergeben darf, begeben sich Rey und ihre Freunde zu einem Hacker, der dieses Problem lösen soll. Während Kylo Ren und Rey immer mehr mit sich selbst und ihren Absichten hadern, entfacht die letzte große Schlacht…

Vorrede

Zwar bin ich selbst mit der Urtrilogie aufgewachsen, bin aber nie zu einem ausgesprochenen „Die-Hard-Fan“ geworden. Sicherlich dürfen George Lucas‘ Erstlinge als Benchmark betrachtet werden. Allerdings bin ich nicht der Meinung, dass sich akribisch daran gehalten werden muss. Die eher schlecht gealterten Episoden 1 bis 3 muss ich heute nicht mehr haben, stattdessen oute ich mich mal als Fan der neuen Trilogie, die nicht nur technisch überzeugen kann, sondern auch erzählerisch etwas Neues wagt. Entsprechend gespannt war ich auf den Abschluss der Skywalker-Saga.

Die Inszenierung

Was die Bilder und das Sounddesign betrifft, hat J.J. Abrams für sein Finale aus dem Vollen geschöpft – und liefert damit audiovisuell den wohl stärksten Teil der Trilogie ab. Ich bin sogar geneigt zu sagen, dass der Regisseur hier den inszenatorisch beeindruckendsten Teil der gesamten Saga auf die Leinwand gebracht hat. Wenn Rey etwa…

… dann sind das wahrlich epische Bilder, die so nur im Kino richtig wirken können. So sehr der Hardcore-Fan Abrams und vor allem Johnson verteufeln mag – kinematografisch verstehen beide Regisseure ihr Handwerk.

Gleiches gilt für Komponisten-Legende John Williams, der sich seit jeher für den „Star Wars“-Score verantwortlich zeichnet und auch diesmal mehr als gekonnt die ikonischen Bilder orchestral unterfüttert. Noch mehr als in Episode 7 und 8 gehen Bildsprache und Score in „Der Aufstieg Skywalkers“ eine nahezu organische Fusion ein. Ganz salopp formuliert: Wem hierbei nicht das Herz aufgeht, der hat „Star Wars“ nie geliebt.

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Für den letzten Teil des legendären Epos hat sich Abrams offensichtlich vorgenommen, ruhige Momente geflissentlich auszusparen. Das Tempo wird konstant hochgehalten, Verschnaufpausen gönnt er dem Zuschauer so gut wie keine. Aber das funktioniert überraschend gut, was nicht zuletzt daran liegt, dass es der Regisseur bei allem Sci-Fi-Bombast nicht so übertreibt, dass man sich als Zuschauer komplett erschlagen fühlt. Vielmehr schafft er es, ein so fesselndes Universum zu konstruieren, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Die Story

Wer schon die Drehbücher aus den beiden Vorgängern bemängelt hat, der wird auch im finalen Teil der Saga genügend Kritikpunkte finden. Und wer meint, die „Star-Wars-Gesetze“ seien in Stein gemeißelt, der sollte tunlichst bei der Urtrilogie bleiben. Ja, auch hier weicht man von George Lucas‘ „Vorgaben“ ab – was meiner Meinung nach aber geflissentlich als künstlerische Freiheit gewertet werden darf. Wer sagt denn, dass sich „die Macht“ mit den neuen Protagonisten nicht weiterentwickeln darf? Denn die ist schon seit jeher das Fantasy-Element in dieser Sci-Fi-Mär und sicherlich keinen physikalischen Gesetzen oder vermeintlichen Glaubensgrundsätzen unterworfen, die erzählerisch nicht aufgebrochen werden dürften. Bedenkt man die finale Trilogie und wie bombastisch sich die Skywalker-Saga mit Abrams‘ cineastischem Climax verabschiedet, dann muss man Rian Johnson fast schon dankbar sein, dass er vorab mit seinem Prequel den Jedi-Kult geradezu entmystifiziert oder gar demontiert hat. Denn das gibt nicht nur der Trilogie selbst einen interessanten Twist – weil nicht nur das wiederkäut wird, was die Vorgänger zelebriert haben –, sondern seinem Regiekollegen auch die Möglichkeit, noch mal Schwung zu holen und dem Jedi-Mythos zu neuem Glanz zu verhelfen.

Doch so sehr Abrams es seinem Standeskollegen gleichtut und das Star-Wars-Universum nach eigenem Gutdünken weiterentwickelt, so sehr berücksichtigt er auch die legendäre Vorgeschichte. Indem er beispielsweise vertraute Charaktere zurückbeordert oder altbekannte „Ikonen“ symbolträchtig in Szene setzt, wird er auch dem vielzitierten Fanservice gerecht, den der würdige Abschluss einer solchen Saga mehr als verdient hat.

Die Schauspieler

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Daisy Ridley und insbesondere Adam Driver spielen hier wieder grandios auf und haben sich zu Recht als die Gesichter der letzten Trilogie etabliert. Die Spannung zwischen den beiden ist förmlich greifbar, die Dynamik in der Interaktion deutlich spürbar. Dass sich Driver mittlerweile zur ersten Garde der Hollywood-Darsteller seiner Generation emporgeschwungen hat, beweist nicht zuletzt seine diesjährige Golden-Globe-Nominierung für das Netflix-Drama „Marriage Story“.

Solide agieren ebenso wieder Oscar Isaac und John Boyega, die aber diesmal weit weniger für komödiantische Einlagen sorgen als noch in „Die letzten Jedi“. Zu den anderen Auftritten sei an dieser Stelle aus Spoiler-Gründen erst mal nichts gesagt.

Dieser Film könnte Dir gefallen, wenn…

… Du schon an J.J. Abrams‘ „Das Erwachen der Macht“ Spaß hattest und auch Rian Johnsons Fortsetzung für dich nicht das Sakrileg des Heiligen Grals bedeutet. Wer ein audiovisuell beeindruckendes Sci-Fi-Märchen sehen möchte, das außerdem erzählerisch einen würdigen Schlussakt für die Skywalker-Saga findet, der sollte sich „Star Wars: Die Auferstehung Skywalkers“ auf der großen Leinwand nicht entgehen lassen. Wer sich in seinem Fan-Sein betrogen fühlt, gerne seinen Unmut kundtut und in beständiger Regelmäßigkeit äußern muss, dass ihm die neuen Filme ach so egal seien, dem sei nicht nur von einem Gang ins Kino abgeraten, sondern auch schon mal der kommende Output aus dem „Star Wars“-Universum ans Herz gelegt. Disney hat erneut Rian Johnson beauftragt – mit der Konzeptionierung einer neuen Trilogie…  

Filmfreax-Wertung
5 / 5

Kinostart: 18. Dezember 2019

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2019 The Walt Disney Company

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