© STUDIOCANAL

Nach seinem Drama „Der Wein und der Wind“ um eine zerrüttete Winzerfamilie, präsentiert der französische Regisseur Cédric Klapisch sein neuestes Werk. Für „Einsam zweisam“ hat der Filmemacher zwei Darsteller erneut vor die Kamera geholt und sie diesmal nicht im Burgund, sondern in Frankreichs Hauptstadt platziert.

Die Handlung

Rémy (François Civil) und Mélanie (Ana Girardot) – zwei alleinstehende Thirty-Somethings, die im Grunde Tür an Tür wohnen, sich aber nicht kennen –, leben ihr tristes Single-Dasein, mühen sich in der Partnersuche und ihren Berufen ab und versuchen eher schlecht als recht, ihren Platz im Pariser Großstadtleben zu finden. Ihre Sinnsuche führt sie schließlich in psychologische Behandlung.

Vorrede

Als Fan des französischen Kinos bevorzuge ich eher Dramen wie „Mademoiselle Chambon“ oder „Bevor der Winter kommt“. Vincent Lindon und Daniel Auteuil zählen seit jeher zu meinen Lieblingsdarstellern und haben mein Faible für schwermütige und melancholische Dramen entscheidend mitgeprägt. Cédric Klapischs „Der Wein und der Wind“ hat für mich aber einen adäquaten Ton zwischen Komödie und Drama getroffen, weshalb ich „Einsam zweisam“ freudig erwartet habe.

Die Inszenierung

War es in „Der Wein und der Wind“ noch die burgundische Idylle, die Cédric Klapisch in so beeindruckenden Totalen eingefangen hat, ist es in seinem neuen Film das Pariser Großstadtflair, das der Regisseur kinematografisch abzubilden versucht – und das gelingt ihm auf ebenso passende Art und Weise. Doch während beispielsweise ein Richard Linklater mit „Before Sunset“ eher touristische Oberflächlichkeit einfängt, glückt Klapisch ein authentischeres Porträt von Paris. Die graue Großstadt-Tristesse – die Protagonisten wohnen direkt an den Bahngleisen – findet hier ebenso ihren Platz wie der Blick auf die charmante Schrulligkeit Pariser Ladenviertel, die das Bild der französischen Hauptstadt entscheidend mitprägen. 

Die Story

Was Klapischs Geschichte so authentisch und greifbar macht, ist, dass er seine Protagonisten nicht in eine schablonenhafte Rom-Com steckt, sondern sie erst mal mit sich selbst konfrontiert. Selbstreflexion zu betreiben, bevor man sich auf eine Beziehung einlässt, scheint auf den ersten Blick die unromantischste Prämisse für einen Film zu sein, in dem es um zwei verlorene Großstadt-Herzen geht. Aber es ist vor allem eins: wahrhaftig und nah dran am Leben. Und das abzubilden, gelingt dem Regisseur und Drehbuchautor mit feiner Beobachtungsgabe und Fingerspitzengefühl.

Wenn Klapisch seine Figuren etwa „auf die Couch“ schickt, was einen essenziellen Teil seiner Erzählung ausmacht, dann stellt er sie zu keinem Zeitpunkt bloß, sondern begleitet sie auf ihrer Sinnsuche stets mit vornehmer Zurückhaltung und respektvollem Abstand. Damit beweist der Filmemacher nicht nur große Empathie für seine Protagonisten, sondern porträtiert auch authentische Menschen – und keine von Neurosen gebeutelten Figuren, wie sie Hollywood gerne auf die Leinwand bringt.

Rémy (Françoise Civil) beim Einkaufen im Laden um die Ecke (© STUDIOCANAL / Emmanuelle Jacobson-Roques)

Entsprechend charmant-realistisch fällt die Story dann auch aus. Wo sich Traumfabrik-Romanzen gerne am Kennenlernen der Protagonisten abarbeiten und zwingend auf ein herzerwärmendes Finale hinsteuern, umschifft der französische Regisseur gekonnt diese Klischees, lässt seine Charaktere zunächst mit ihren eigenen Sorgen kämpfen und führt sie schließlich behutsam zusammen. Klapisch trifft nicht nur den richtigen Ton, sondern lässt auch seine Coda behutsam ausklingen.

Das feine Gespür, das der Regisseur für seine Figuren beweist, zeigt sich aber auch in seinem Humor. Wenn er seine Protagonisten auf Sinn- und Partnersuche schickt oder fast schon beiläufig die multikulturellen Gepflogenheiten in der französischen Metropole persifliert, tut er das immer mit dem nötigen Respekt und einem charmanten Augenzwinkern. Klapisch meistert fast schon spielerisch die sensible Gratwanderung zwischen Humor und Anspruch.

Die Schauspieler

Mélanie (Ana Girardot) mit ihren Freundinnen (© STUDIOCANAL / Emmanuelle Jacobson-Roques)

François Civil („Der Wein und der Wind“, „So wie du mich willst“) liefert hier eine mehr als solide Leistung ab. Wenn er sich unsicher und mit leichtem Unbehagen und Ungewissheit auf seine erste Therapiesitzung einlässt, dann vermittelt er das so routiniert und glaubhaft, dass man ihm seine schauspielerische Erfahrung zweifelsohne ansehen kann. Nicht umsonst durfte der 30-jährige schon mehrfach mit Stars wie Juliette Binoche oder Michael Fassbender arbeiten.

Ebenso überzeugend spielt die ein Jahr ältere Ana Girardot („Les Revenants“) als weiblicher Gegenpart auf. Man möchte sie am liebsten in den Arm nehmen und herzen, wenn sie zwischen mangelndem Selbstvertrauen und verzweifelter Partnersuche ihren Weg zu finden versucht. Die beiden französischen Talente durften bereits in „Der Wein und der Wind“ zusammenarbeiten und zeigen hier erneut, weshalb Klapisch so große Stücke auf sie hält.

Dieser Film könnte Dir gefallen, wenn…

… Du eine französische Dramedy sehen möchtest, die mit feinem Humor aufwartet, dabei aber nicht in Hollywood-Kitsch verfällt, sondern auf leichtfüßige und doch tiefgründige Art und Weise auch ernstere Töne anschlägt. Man sollte sich nicht vom Trailer in die Irre führen lassen, da dieser vor allem die lustigen Momente herausstellt. Tatsächlich beweist „Einsam zweisam“ wesentlich mehr Tiefgang, als es der Trailer vermuten lässt.

Filmfreax-Wertung
4 / 5

Kinostart: 19. Dezember 2019

Bildquellen

  • Beitragsbild: © STUDIOCANAL / Emmanuelle Jacobson-Roques

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