© 2019 Twentieth Century Fox

Unter dem englischen Originaltitel „Ford v Ferrari“ rekonstruiert Regisseur James Mangold („Cop Land“, „Walk the Line“) eine wahre Geschichte. Die Biografie „Go Like Hell: Ford, Ferrari, and their Battle for Speed and Glory at Le Mans“ von Wall Street Journal-Autor A.J. Baime diente als Literaturvorlage.

Die Handlung

Ein Team aus Ingenieuren und Fahrern soll dem Rennstall des amerikanischen Autoherstellers Ford zu neuem Glanz verhelfen. Rennfahrer und Sportwagen-Konstrukteur Carroll Shelby (Matt Damon) wird damit beauftragt, ein Auto zu entwerfen, das den führenden Konkurrenten Ferrari beim legendären Rennen von Le Mans 1966 vom Thron stoßen soll. Als Unterstützung steht ihm dabei der routinierte Fahrer Ken Miles (Christian Bale) zur Seite.

Vorrede

Da  ich wahrlich kein Freund von Motorsport bin, war ich zunächst etwas skeptisch. Da aber in allen Kritiken durchweg betont wurde, dass man kein Auto-Fan sein müsse, um den Film genießen zu können, habe ich den Gang ins Kino gewagt. Zumal Matt Damon und Christian Bale zu meinen Lieblingsdarstellern zählen.

Die Inszenierung

Was James Mangold, Kameramann Phedon Papamichael („Sideways“, „The Ides of March“) und die Cutter Andrew Buckland und Michael McCusker hier zaubern, sind Bilder, die zweifelsohne auf die große Leinwand gehören. Und das gilt nicht nur für die Autorennen, sondern auch für die Momente, in denen die Protagonisten in Szene gesetzt werden. Dass Mangold zudem daran gelegen war, ein möglichst realistisches Szenario zu entwerfen, merkt man dem Film in jeder Sekunde an. Mit 330 Statisten auf den Rängen, mehreren nachgebauten Rennwagen, die originalgetreu lackiert wurden und pro Stück satte 100.000 Dollar kosteten, schafft der Regisseur ein derart glaubwürdiges Setting, das den Zuschauer regelrecht in die Story hineinzieht. Darüber hinaus hat die Filmcrew über 300 Archivaufnahmen gewälzt, um die damalige Atmosphäre akkurat und detailliert nachzustellen. Inszenatorisch und bildkompositorisch zeugt diese Arbeit von einer großen Leidenschaft fürs Kino, was es – in Zeiten von überbordenden CGI-Eskapaden – gerne öfter geben dürfte.

Loben muss man in diesem Zuge auch das Sound Design, das vermutlich nur im Lichtspielhaus mit entsprechender Audio-Ausstattung so richtig zur Geltung kommt. Wenn die Flitzer wuchtig über den Asphalt brettern, hat man das Gefühl, direkt neben der Rennstrecke zu stehen. Hier erlebt man im wahrsten Sinne des Wortes „ganz großes Kino“.

© 2019 Twentieth Century Fox

Die Story

Audiovisuell kann man Mangolds Werk durchaus eine perfektionistische Geradlinigkeit attestieren, was sich aber meiner Meinung nach nicht 1:1 auf das Erzählerische anwenden lässt. Dieses „Underdog-Märchen“ wird so „straight forward“ durcherzählt, dass es leider jegliche Ecken und Kanten missen lässt. Und das gilt sowohl für die Story als auch für die Figuren selbst. Christian Bale mimt den Quasi-Antihelden, der zur damaligen Zeit als Role-Model angeblich nicht taugt, über sich hinauswachsen und Bescheidenheit lernen muss, nur um am Ende den „Heldentod“ zu sterben. Das ist im Grunde die typisch amerikanische Außenseiter-Geschichte, die das Mainstream-Publikum gerne sehen möchte – und die in ihrer Schlichtheit und Massentauglichkeit keinem wehtut. Klar, solche Erzählungen darf und soll es auch geben. Vor allem dann, wenn sie so gekonnt inszeniert werden. Aber am Ende ist es lediglich Wohlfühlkino par excellence – und für mich etwas, das zwar für den Moment funktioniert, mir aber nicht lange in Erinnerung bleibt. Zugegeben, vermutlich hat sich Mangold an die biografische Vorlage gehalten und die Geschichte so akribisch rekonstruiert wie die retrospektive Rennsport-Kulisse. Aber dem Ganzen eine gewisse Würze zu geben und damit die eindimensionale Umsetzung ein bisschen aufzubrechen, hätte man sicherlich als künstlerische Freiheit verbuchen können.

Dass man kein Motorsport-Enthusiast sein muss, um dem Streifen etwas abgewinnen zu können, kann ich als Auto-Laie tatsächlich bestätigen. Man braucht weder die Geschichte diverser Automobil-Hersteller kennen noch Formel 1-Fan sein, um die Story mit Spannung zu verfolgen. Sowohl die Rennen als auch das ganze Drumherum sind so massentauglich aufbereitet, dass man beileibe nicht autoaffin sein muss, um sich von den kurzweiligen 153 Minuten gut unterhalten zu lassen.

Die Schauspieler

Es ist natürlich schwer zu sagen, wie nah die Darstellungen der Akteure an den realen Vorbildern dran sind, wenn einem die Personen nicht wirklich ein Begriff sind. Was man unabhängig davon aber bewerten kann, ist das, was die Mimen auf die Leinwand bringen – und das ist besonders im Fall von Matt Damon und Christian Bale so routiniert wie beeindruckend. Während Bale den leicht prolligen und allzu direkten Draufgänger verkörpert, überzeugt Damon als ehrgeiziger Ingenieur und Puffer zwischen der Konzernführung und dem kernigen Rennfahrer. Beide Darsteller schaffen es mit Leichtigkeit, den Zuschauer auf ihre Seite zu ziehen und ihn von Anfang bis Ende mitfiebern zu lassen.

© 2019 Twentieth Century Fox

Auch bis in die kleinste Nebenrolle ist der Film glänzend besetzt: Jon Bernthal („The Walking Dead“) mimt Manager Lee lacocca, der als Vater des Ford Mustangs gilt und den Kauf von Ferrari unter Dach und Fach hätte bringen sollen. Tracy Letts überzeugt als Henry Ford II, der in jeder Szene seinen patriarchalischen Führungsstil pflegt, und Josh Lucas darf als Leo Beebe den hinterlistigen und opportunistischen Intriganten verkörpern.

So simpel die Geschichte erzählt wird, so offensichtlich ist auch, dass das Drehbuch auf die klassischen Rollenverteilungen setzt. Jeder Charakter hat seine bestimmte Funktion, keiner der Figuren werden mehr Nuancen zugestanden. Sicherlich kann man das einerseits als konsequent und der Story angemessen bewerten, man könnte es aber auch als schablonenhaft und einfallslos bezeichnen. Dass der Cast zweifelsohne und erwartungsgemäß liefert, steht außer Frage. Bei der Qualität der verpflichteten Akteure, hätte ich ihnen aber auch tatsächlich mehr Raum für eine facettenreichere Darstellung gewünscht.  

Dieser Film könnte Dir gefallen, wenn…

… Du schon „Rush“ mochtest und einen kurzweiligen und unterhaltsamen Film sehen willst, der definitiv für die große Leinwand gemacht wurde. „Le Mans 66“ ist zwar solides und lupenreines Hollywood-Kino, das man vor allem audiovisuell genießen kann. Es belegt allerdings auch, dass eine meisterliche Inszenierung allein noch kein Meisterwerk ausmacht.

Filmfreax-Wertung
3,5 / 5

Kinostart: 14. November 2019

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2019 Twentieth Century Fox

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