© 2019 Universum Film

Mit dem Heist-Thriller „Hustlers“ legt Drehbuchautorin Lorene Scafaria („Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“, „Nick und Norah“) ihr neuestes Werk vor. Die Geschichte basiert auf einem wahren Fall, der 2015 im New York Magazine unter dem Titel „The Hustlers at Scores“ behandelt wurde. Als Produzenten des Films haben unter anderem Will Ferrell und Jennifer Lopez fungiert.

Die Handlung

Die Stripperinnen Destiny (Constance Wu), Ramona Vega (Jennifer Lopez) und Annabelle (Lili Reinhart) reiben sich Abend für Abend in ihrem harten Job auf und sehen sich in aller Regelmäßigkeit mit dem erniedrigenden Verhalten ihrer schmierigen Kundschaft konfrontiert. Doch dass der Job zumindest Geld einbringt, entschädigt die Frauen für die täglichen Quälereien. Das ändert sich jedoch, als sich die Finanzkrise auch in ihrer Branche bemerkbar macht. Um nicht unter die Räder zu kommen und weiterhin ihre Familien versorgen zu können, begeben sich die Damen auf eine gefährliche und kriminelle Gratwanderung…

Vorrede

An dieser Stelle oute ich mich einfach mal als J.Lo-Fan. Ich mochte sie vor allem in ernsteren Filmen wie „The Cell“, „Angel Eyes“ oder „Genug – Jeder hat eine Grenze“. Und nicht zu vergessen ihr Auftritt in Steven Soderberghs „Out of Sight“. Und da mich die vielen Vorschusslorbeeren anderer Kritiker entsprechend eingestimmt hatten, habe ich mich auf eine intelligente „Heist-Movie-Charakterstudie“ gefreut.

Die Inszenierung

Wenn man Kameraschwenks, Schnitte und Bildkomposition berücksichtigt, darf dem Film vermutlich eine gewisse 90er-Ästhetik unterstellt werden. Man kann sich dabei auch durchaus an einen „Casino“ erinnert fühlen, hat diese Machart doch Anleihen eines Martin Scorsese. Allerdings habe ich hier eine eindeutige Handschrift der Regisseurin vermisst, weil die Inszenierung wie etwas wirkt, das schon viel zu oft dagewesen ist. Zu Beginn konnte ich über diesen Makel noch hinwegsehen, weil die Präsentation zur Tonalität der Story gepasst hat. Aber je mehr davon über die Leinwand geflimmert ist, desto mehr hatte ich das Gefühl, in einem nervigen Hip-Hop-Video zu sitzen.

Ein weitererAspekt, der den Filmspaß im Laufe der Spielzeit ebenso getrübt hat, war das untrügliche Zeichen, dass der Streifen nicht wirklich weiß, was er denn sein will. Zwischen Thriller, Drama und Tragikomödie trifft der Film irgendwann nicht mehr den richtigen Ton. Zum einen will er cool sein, zum anderen will er emotionalisieren. Aber das fällt nun mal schwer, wenn jedes Genre, das man hier zu implementieren versucht, bestenfalls oberflächlich gestreift wird.

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Die Story

Bedenkt man die Tatsache, dass das Drehbuch auf einer wahren Geschichte basiert und demnach reale Personen Pate gestanden haben, ist es umso trauriger, was das Skript daraus gemacht hat. Nicht nur, dass die Damen, die hier vorsätzlich Straftaten begehen, eine derartige kriminelle Energie aufweisen und billigend Menschenleben aufs Spiel setzen, als vermeintlich starke Frauen glorifiziert werden – ihre Taten werden ständig auf dürftige Art und Weise entschuldigt und fast schon als legitim dargestellt.

Wenn Destiny etwa…

… dann muss man kein Genie sein, um zu erkennen, was die Drehbuchautorin bezweckt: Man soll mit den Täterinnen mitfühlen, sie verstehen – und sie zu jeder Zeit zwingend als Opfer der von unsympathischen, arroganten und schmierigen Männern dominierten Welt sehen. Aus jeder Pore der nackten Haut trieft nur so die Opferrolle, die dem Zuschauer vermitteln soll: „Wir konnten nicht anders, wir hatten doch keine andere Wahl!“ Dieses Runterspielen und Legitimieren äußert sich in seiner episch-unbeholfenen und anmaßend offensichtlichen Art und Weise auch in der erwähnten Szene. Dass der Kerl bewusstlos im Hospital abgelegt wird, liegt natürlich nicht an dem Drogen-Cocktail, den die „starken Frauen“ ihm verabreicht haben. Nein, die Schuldfrage wird mit einer „lustigen“ Slapstick-Einlage im Auto komödiantisch beschwichtigt – und die vorangegangene Straftat damit relativiert. Das permanente und unsägliche Bestehen auf die Opferrolle gipfelt schließlich im Telefonat, dass Destiny mit Journalistin Jennifer (Julia Stiles) führt. Da gibt sie die Erkenntnis zum Besten, dass…
Ernsthaft? So oder so: Es ist mir wirklich ein Rätsel, wie man dieses einseitige Frauenbild derart abfeiern und die allzu prätentiöse Darstellung nicht durchschauen kann.

Spricht man von klischierten Geschlechterrollen, die auch schon Sylvester Stallone im aktuellsten Output seiner Action-Klopper-Reihe „Rambo“ so ungeniert bemüht hat, muss man auch das eindimensionale Männerbild bemängeln, das „Hustlers“ transportiert. Da sind selbstverständlich die arroganten und schmierigen Banker, es gibt den unzuverlässigen Partner, der Frau und Kind im Stich lässt, und dann sind da noch die naiven Nerds, die sowieso den Schuss nicht gehört haben. Habe ich jemanden vergessen? Ach ja, stimmt: Natürlich existieren in diesem Universum auch noch die Pizza fressenden Polizisten, die so einem armen und ausgenommenen Würstchen erst mal weder glauben noch es ernst nehmen. Konsequenterweise hätte man den leicht übergewichtigen Cops noch Donuts in die Hand drücken müssen…

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Das gesamte Skript ergeht sich in einer unsäglichen Schwarz-Weiß-Malerei, lässt keinerlei Grautöne zu und feiert sich dafür auch noch selbst. Was soll das sein? Sozialkritik? Würde es sich hier um eine kleine und spaßige Komödie handeln, könnte ich diese unausgegorenen Ansätze noch verstehen. Da das Drehbuch aber offenbar mehr will und im Vor- und Abspann die realen Ereignisse referenziert, wiegt es für mich umso schwerer, dass man diese Vorlage nicht genutzt hat, um einen differenzierteren, intelligenteren und ernsthaft sozialkritischen „True-Story-Thriller“ zu schaffen. Hier wären mehr Tiefe und Nuancen nicht nur möglich, sondern fast schon geboten gewesen. Stattdessen entlarvt sich das Drehbuch zum Schluss sogar selbst, indem es mehr oder weniger „eingesteht“, dann doch lieber eine enttäuschende „Best Female Friendship“ thematisiert zu haben. Dass bei all den plumpen Klischees noch Diversität geheuchelt wird, weil man eine ethnisch-bunte Frauentruppe zusammengestellt und Transgenderstar Trace Lysette („Transparent“) eine Nebenrolle zugestanden hat, kann man unter den gegebenen Umständen geflissentlich als Augenwischerei werten.

Die Schauspieler

Dass Jennifer Lopez hier eine ihrer überzeugendsten Leistungen abliefert, muss man ihr definitiv attestieren. Wobei das nach der Fülle an durchwachsenen Rom-Coms vermutlich nicht sonderlich schwer ist. Trotzdem: Die manipulative und skrupellose Anführerin mimt sie großartig, wenn auch bei Weitem nicht oscar-würdig – nur für den Fall, dass jemand nach dem Goldjungen schreien sollte.

Constance Wu verkörpert Lopez‘ Gegenüber ebenso glaubhaft, auch wenn sie neben deren Präsenz ein bisschen zurückstecken muss. Rapperin Cardi B. spielt sich im Grunde selbst, und Riverdale-Star Lili Reinhart wird als (hihi) panisch-kotzender Sidekick meiner Ansicht nach eher verheizt.

Dieser Film könnte Dir gefallen, wenn…

… Du mit deiner Mädelsrunde der verlassenen und verbitterten Mittdreißigerinnen eine nette Pyjamaparty bei leckeren Cocktails feiern möchtest oder alleine zu Hause sitzt, deine Katze auf dem Schoß und eine Tonne Eiscreme in der Hand hast und nichts Besseres mit Dir anzufangen weißt. Klingt nach Klischee – ist aber so.

Filmfreax-Wertung
1 / 5

Kinostart: 28. November 2019

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2019 Universum Film

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