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Mit „Official Secrets“ hat sich Regisseur Gavin Hood („Machtlos“, „X-Men Origins: Wolverine“) eines wahren Falls angenommen. Keira Knightley („Colette“, „The Imitation Game“) verkörpert Katharine Gun, eine englische Whistleblowerin, die 2003 mit einem Leak für Aussehen sorgte. Premiere feierte der Polit-Thriller im Januar 2019 beim Sundance Film Festival.

Die Handlung

Katharine Gun arbeitet als Übersetzerin bei den GCHQ (Government Communications Headquarters), dem britischen Nachrichten- und Sicherheitsdienst, als die Behörde 2003 von der NSA einen Auftrag erhält, der das Zustandekommen eines Kriegs gegen den Irak maßgeblich beeinflussen könnte. Begleitet von Zweifeln und einem schlechten Gewissen, entscheidet sie sich, das Memo an die Öffentlichkeit zu bringen.

Vorrede

Zugegebenermaßen bin ich nie ein großer Fan von Keira Knightley gewesen, zumal sie in einigen Historienfilmen mitgespielt hat, die einfach nicht „mein“ Genre sind. Die Whistleblower-Geschichte um Katharine Gun war mir tatsächlich kein Begriff, weswegen ich mich erst kurz vor der Pressevorführung mit dem Fall beschäftigt habe.

Die Inszenierung

Kameramann Florian Hoffmeister („Mortdecai – Der Teilzeitgauner“, „Die Habenichtse“) arbeitet streckenweise mit vielen dunklen Bildern, die den passenden Rahmen um die Erzählung ziehen und eindrucksvoll die Gefühlswelt der angehenden Whistleblowerin widerspiegeln. Ob sich die Protagonistin in ihrem schummrigen Büro befindet oder zu Hause vor dem Fernseher die Nachrichten verfolgt – Hoffmeister taucht die Hauptfigur auffällig oft in ein dämmeriges Setting und trifft damit atmosphärisch immer den richtigen Ton.

Auf ausgiebige Kamerafahrten wird ebenso verzichtet wie auf andere visuelle Spielereien, stattdessen ist die Kamera immer nah dran an der Protagonistin. Hood und Hoffmeister schaffen es, diese drückende Stimmung adäquat zu verbildlichen. Wenn Katharine Gun etwa flüsternd in ihrem halbdunklen Büro sitzt – die Kollegen um sich herum und die Vorgesetzten im Rücken –, dann erschafft das merklich ein derart beklemmendes und bedrohliches Szenario, das den Zuschauer mit Leichtigkeit ins Geschehen hineinzieht. Inszenatorisch wird hier meiner Meinung nach alles richtig gemacht, indem man nicht auf durchgestylten Hochglanz, sondern vielmehr auf eine raue und möglichst realistische Bildkomposition setzt.

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Die Story

Diese Klarheit und Geradlinigkeit findet sich auch im Drehbuch wieder. Statt sich in komplexen und kleinteiligen politischen Verwicklungen zu verlieren, wird die Geschichte schnörkellos und „straight forward“ durcherzählt. Das mag für einen Polit-Thriller ungewöhnlich sein und Fans dieses Genres womöglich abschrecken, war für mich aber die große Stärke des Films. Ich muss nicht zwingend atomistische und hochkomplexe Verstrickungen serviert bekommen, um einem derartigen Krimi Glaubwürdigkeit zu attestieren. Auch wenn es in diesem Fall sicherlich vielschichtige Verstrickungen auf politischer Ebene gegeben hat. Aber da sich der Fokus vornehmlich auf die Person Katharine Gun konzentriert, brauche ich ebenso wenig eine Fülle von Figuren, die das Szenario nur unübersichtlicher und undurchschaubarer machen.

Im ersten Teil des Films nimmt sich das Skript ausreichend Zeit dafür, Guns Tätigkeit beim Geheimdienst und ihren Weg bis zum besagten Leak zu rekonstruieren. Dieser Handlungsstrang ist durchweg spannend inszeniert und wird spätestens dann richtig fesselnd, wenn Gun tatsächlich gegen den „Official Secrets Act“ – dem Gesetz zum Schutz von Staatsgeheimnissen – verstößt, indem sie sich an die Presse wendet. Nicht minder drückend gibt sich das Szenario, wenn das Drehbuch das persönliche Schicksal der Protagonisten beleuchtet. Das mag im zweiten Akt der Darbietung zwar ein bisschen zu Lasten der Spannung gehen, erzählt die wahre Geschichte aber konsequent weiter und dreht die Story damit eher in Richtung Drama – was mich aber überhaupt nicht gestört hat. Denn die Erzählung überzeugt als Thriller-Drama auf ganzer Linie.

Die Darsteller

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Schaut man sich die Biopics prominenter Persönlichkeiten an, fällt schnell auf, dass den Darstellern oftmals eine Vielzahl an Eigenheiten geboten wird, die sie mit Leichtigkeit aufgreifen können. Man denke nur mal an Freddie Mercury, Elton John oder Steve Jobs. Nun ist Katherine Gun aber weder Rockstar mit Allüren noch personifizierter Technik-Visionär, sondern eher ein „Normalo“, der so gut wie keine herausragenden Merkmale an den Tag legt. Was die Arbeit des Schauspielers ungleich schwerer macht. Doch genau hier beweist Keira Knightley eindeutig Qualitäten. Wenn die Whistleblowerin beispielsweise energisch wird und dabei leicht die Zähne zusammenbeißt oder ihren unbedingten Willen zeigt, für Gerechtigkeit zu sorgen, dann adaptiert die britische Aktrice das so gekonnt und fein nuanciert, dass man sie als Charakterdarstellerin tatsächlich ernst nehmen muss.    

Und mit Matt Smith, Matthew Goode und Rhys Ifans als engagierten Pressevertretern und Ralph Fiennes als idealistischem Anwalt, stellt man Knightley ebenso routinierte Mimen zur Seite, mit denen sie bestens harmoniert und die den Film noch gehörig aufwerten.

Dieser Film könnte Dir gefallen, wenn…

… Du ein mitreißendes Polit-Thriller-Drama sehen möchtest, das sich irgendwo zwischen „Snowden“ und „The Insider“ einordnet. Der Spannung wegen solltest Du dir aber vorab idealerweise keine Infos zu den realen Geschehnissen einholen, sofern dir der Fall um die Whistleblowerin Katherine Gun nicht geläufig ist. Aber selbst wenn – dem Film gelingt mit Leichtigkeit das Kunststück, diese wahre Geschichte trotzdem spannend zu erzählen.

Filmfreax-Wertung 4,5 / 5

Kinostart: 21. November 2019

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2019 eOne Germany

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