© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Nach ganzen zehn Jahren hat sich Regisseur Ruben Fleischer wieder seiner postapokalyptischen Geschichte angenommen und legt mit „Zombieland: Doppelt hält besser“ das Sequel zur spaßigen Horrorkomödie auf. Aber kann die Fortsetzung überzeugen?

Die Handlung

Columbus (Jesse Eisenberg), Tallahassee (Woody Harrelson), Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin) ziehen nach wie vor gemeinsam durchs Land, finden im Weißen Haus aber endlich ein Zuhause. Doch auf der Suche nach Unabhängigkeit treibt es das Familienküken aus der Patchwork-Gemeinschaft – Little Rock nabelt sich ab und verschwindet. Für den Rest der Crew Grund genug, sich auf den Weg zu machen und den jugendlichen Ausbüchser wieder einzufangen.

Vorrede

Auch wenn ich kein sonderlich großer Fan von Horrorkomödien bin, weil ich finde, dass diese beiden Genres nur sehr schwer zu vereinen sind, hatte ich am ersten Teil meinen Spaß. Entsprechend gefreut habe ich mich auf das Sequel, zumal nach zehn Jahren genug Zeit vergangen ist, um eine derartige Story noch mal sinnvoll aufzugreifen.

Die Inszenierung

Wenn im Intro…

…kann man schon erahnen, dass es actionreich zur Sache gehen wird. Daran knüpft auch direkt der Opener an, der – so viel darf „gespoilert“ sein – wieder mit einem Metallica-Song aufwartet und seine Protagonisten im Slo-Mo-Gemetzel blutig in Szene setzt. Was gleich zu Beginn auf massig viel Horrorspaß hindeutet, ist dann aber leider auch eine große Schwäche des Films.

Vor allem zum Finale begeht „Zombieland: Doppelt hält besser“ denselben Fehler, den sich nicht nur der aktuelle Terminator, sondern in der heutigen Zeit auch viele andere Action-Filme ankreiden lassen müssen: zu viel CGI. Das wäre halb so schlimm, hätte man sich beim Sequel der alten Stärken besonnen. Zugegeben, die Splatter-Sequenzen sind auch hier wieder visuell solide gemacht. Aber leider will Fleischer bei der restlichen Inszenierung anscheinend in jeder Hinsicht zu viel.

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Die Story

Dieses Zuviel macht sich vor allem beim Skript bemerkbar. Während im ersten Teil der größte Reiz darin bestand, Columbus‘ Coming-of-Age-Odyssee zu verfolgen, die gleichermaßen absurd wie unterhaltsam ins Zombie-Endzeit-Setting gepflanzt wurde, verliert sich das Drehbuch diesmal in mehreren Erzählsträngen, von denen keiner so richtig befriedigend be- und abgehandelt wird. Das Skript beginnt etwa mit Little Rocks Wunsch nach Eigenständigkeit, beschäftigt sich dann mit Tallahassees Vatergefühlen, um sich anschließend noch an der Beziehung zwischen Columbus und Wichita abzuarbeiten. Das ist schlicht und ergreifend zu viel und wird zudem keinem der Charaktere gerecht.

Aber auch hier hört die Geschichte nicht damit auf, zu viel zu wollen. Mit Albuquerque (Luke Wilson), Flagstaff (Thomas Middleditch), Berkeley (Avan Jogia), Madison (Zoey Deutch) und Nevada (Rosario Dawson) werden zwar Figuren aufgefahren, die durchaus für Lacher sorgen, von denen aber nur einer eine tragende Rolle zugestanden wird. Alle anderen Auftritte verpuffen mehr oder weniger in dem Wust aus zu vielen Ideen und einem Übermaß an popkulturellen Referenzen. Die Drehbuchautoren Callaham, Reese und Wernick schaffen es einfach nicht, ihre Geschichte so fein auszutarieren wie im Vorgänger.

Leider verschenkt das Skript auch dermaßen viel Potenzial, weil es die vielversprechendsten Ansätze nicht mehr aufgreift. Wenn beispielsweise…

…dann ist das nicht nur einen deftigen Lacher wert, sondern schürt auch die Erwartungshaltung, dass dieser Faden noch mal ordentlich aufgegriffen wird – was aber nicht geschieht. Gleiches gilt für die Story um Berkeley, die vor der finalen Schlachtplatte mal schnell im Vorbeigehen abgefrühstückt wird. Es bleibt letztlich das dumpfe Gefühl, dass die Drehbuchautoren zu viel in ihr Skript packen und sich von keiner ihrer kreativen Ideen trennen wollten. Das Ergebnis ist zwar ein riesiger Pott spaßiger Einfälle, der etliche interessante Zutaten enthält, von dem man sich aber auch schnell erschlagen fühlen kann.

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Die Schauspieler

Woody Harrelson ist in seiner Rolle als schießwütiger Redneck, der doch irgendwo einen weichen Kern hat, sicherlich wieder das Highlight des Casts. Seine Stammkollegen spielen aber ebenso solide auf wie im ersten Teil, und mit den weiteren Gastauftritten – auch wenn es im Grunde zu viele sind – setzt man der hochkarätigen Besetzung noch einen drauf. Übrigens hätten neben Joe Pesci auch mit Dan Aykroyd, Ernie Hudson und Harold Ramis die legendären „Ghostbusters“ ihren Auftritt haben sollen, was sich aber zerschlug, nachdem Hudson 2014 verstarb. Womöglich hätte die Verpflichtung dieser Truppe alle anderen Gastspiele obsolet gemacht, die Story entschlackt und ihr zu mehr Stringenz verholfen.

Dieser Film könnte Dir gefallen, wenn…

… Du schon den ersten Teil mochtest und mit Freunden bei ein paar Flaschen Bier noch mal ein bisschen Zombie-Spaß mit den bekannten Gesichtern haben willst. Leider enttäuscht das Drehbuch mit einer übermäßigen Fülle an Ideen, die dafür sorgt, dass keine so richtig stringente Story erzählt wird. Stattdessen verheddert sich das Filmmanuskript in einem Knäuel an Einfällen, das es bis zum Finale nicht entwirrt bekommt. Für den kurzweiligen Spaß am Abend  ist „Zombieland: Doppelt hält besser“ vermutlich geeignet, von den alten Stärken des Vorgängers ist das Sequel aber meilenweit entfernt.

Filmfreax-Wertung: 2,5 / 5

 Kinostart: 07. November 2019        

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

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