© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Erfolge feierte Regisseur und Drehbuchautor Bora Dagtekin vor allem mit Streifen wie „Fack ju Göhte“, „Wo ist Fred?“ und „Türkisch für Anfänger“. Der Filmemacher, der mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet wurde, greift mit „Das perfekte Geheimnis“ einen Stoff auf, der weltweit bereits von vielen anderen Regisseuren interpretiert wurde.

Die Handlung

Sieben Freunde – drei Pärchen und ein Single – treffen sich zum Abendessen. Das oberflächlich heitere Wiedersehen entwickelt sich mit fortschreitendem Abend und zunehmendem Alkoholpegel allerdings in eine chaotische und bedenkliche Richtung. Denn die Gruppe entschließt sich zu einem kleinen Spiel: Jeder muss sein Smartphone auf den Tisch legen, jede Nachricht vorlesen und jedes Telefonat auf Lautsprecher stellen…

Vorrede

Im Grunde bin ich deutschen Filmen nicht abgeneigt, vorwiegend aber den kleineren Produktionen zugetan. Deutschem Blockbuster-Kino stehe ich eher skeptisch gegenüber, weil dort meist dieselben Komödien zu finden sind. Der beachtliche Cast hat mich allerdings neugierig gemacht, allen voran Jessica Schwarz und Frederick Lau. Zudem habe ich in der Prämisse der Story ein gewisses Unterhaltungspotenzial gesehen.

Die Inszenierung

Auffällig ist zunächst die sehr hochwertig wirkende Produktion. Es wird nicht nur mit ausgiebigen Totalen und ausschweifenden Kamerafahrten gearbeitet, sondern auch mit Bildern, die gut und gerne aus der Traumfabrik stammen könnten. Das Setting ist von Beginn an so bunt und gesättigt, dass es wie aus einem Hochglanzmagazin entsprungen zu sein scheint. Das ist natürlich erst mal schön anzuschauen, zeigt aber auch ab der ersten Minute, dass der Film Blockbuster-Kino sein will – und nichts anderes. Sicherlich ist das legitim, deutet allerdings umgehend an, dass hier alles so durchchoreografiert und komponiert ist, dass wenig Raum für Improvisation bleibt.

Trotzdem unterstelle ich dem Regisseur einfach mal, dass diese Bildkomposition erzählerisch so gewollt ist. Denn die wie aus einem IKEA-Katalog entnommene, auf „glossy finish“ polierte Optik soll vermutlich den direkten und schonungslosen Kontrast zu den Problematiken visualisieren, die im Verlauf der Story auf den Tisch gebracht werden. Die nach außen hin heile Welt wird von Beziehungsproblemen gnadenlos konterkariert. Ich konnte es jedenfalls so für mich einordnen und mich daher mit der Bildsprache ad hoc anfreunden – zumal ich in der Regel eher den körnigen Look aus Independent-Produktionen gewohnt bin.

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Die Story

Von der Tatsache mal abgesehen, dass Dagtekin keinen Hehl daraus macht, hier ganz offensichtlich einen Blockbuster zu entwerfen, versucht er anscheinend doch, ein bisschen aus dem Einheitsbrei der gefälligen deutschen Komödien herauszustechen. Komödien, die er selbst schon zu Genüge produziert hat. Augenscheinlich versucht der Filmemacher, sich zwischen „Gott des Gemetzels“ und „Silberhochzeit“ zu platzieren – was auch problemlos funktioniert. Denn für einen Roman Polanski fehlt ihm definitiv die Bissigkeit, für einen Matti Geschonneck die erzählerische Tiefe. Und von einem Dogma-Kammerspiel ist er gar meilenweit entfernt. Was auch immer sein Anspruch gewesen sein mag – das kann der Regisseur nur selbst beantworten –, „Das perfekte Geheimnis“ ist und bleibt Mainstream-Kino, das die breite Masse und den Gelegenheitskinogänger ansprechen soll. Ob man diese Positionierung nun als Stärke oder Schwäche auslegt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich für meinen Teil habe mich, trotz des offensichtlich starren Drehbuchs, recht gut unterhalten gefühlt. Muss aber auch dazusagen, dass ich grundsätzlich ein Fan von Ensemblefilmen und Kammerspielen bin.

Was man vorab unbedingt erwähnen muss, ist, dass man sich vom Trailer nicht täuschen lassen sollte. Denn der verwurstet schon die besten Gags und suggeriert, dass der Film eine reine Komödie ist. Dem ist allerdings nicht so und vermutlich der Absicht geschuldet, das Publikum anzusprechen, das an seichten und gefälligen deutschen Komödien Spaß hat. Tatsächlich schlägt der Film aber auch ernstere Töne an, setzt einige dramatische Spitzen und entwirft ein streckenweise intensives „intimate play“. In hoher Taktzahl werden hier Freundschaften seziert, lang verborgene Ansichten offenbart und ethisch-moralische Fragen platziert, die sich vermutlich jeder schon gestellt hat. Sicherlich mag das an manchen Stellen ein wenig konstruiert wirken, weiß meiner Ansicht nach aber trotzdem zu unterhalten.

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Stoßen kann man sich womöglich an diversen gesellschaftskritischen Ansätzen, respektive an deren Umsetzung. Wenn etwa Homosexualität thematisiert wird, fühlt sich das eher nach Brechstange an und nicht nach gekonnter Sozialkritik. Hier schießt man für meinen Geschmack arg über das Ziel hinaus und ergeht sich vielmehr in plattem Wortwitz, der so nicht nötig gewesen wäre – und vermutlich leider die falschen Reaktionen triggert. Die Franzosen beweisen in ihrer Interpretation ein geschickteres Händchen für Tonalität und halten sich an der richtigen Stelle vornehm zurück.

Die Schauspieler

Hier einen bestimmten Darsteller aus diesem renommierten Cast herauszustellen, ergibt im Grunde keinen Sinn. Alle Akteure spielen überzeugend und scheinen ihren Rollen mehr als gewachsen. Wer das deutsche Kino verfolgt, wird wissen, wie prominent der Film mit Jessica Schwarz, Frederick Lau, Jella Hase, Karoline Herfurth, Wotan Wilke Möhring, Florian David Fitz und Elyas M’Barek besetzt ist. Was ich an dieser Stelle allerdings bemängeln muss, sind die Charakterzeichnungen, insbesondere die zweier Figuren. Jessica Schwarz spielt eine Psychotherapeutin, ihr Filmgatte Wotan Wilke Möhring soll Schönheitschirurg sein. Für mich waren diese Darstellungen allerdings nicht wirklich glaubhaft. Wenn man seinen Protagonisten schon solche speziellen Berufe angedeihen lässt, sollte man diese auch authentisch auf die Leinwand bringen. Sei es, dass man sie bei der Arbeit zeigt oder wenigstens mit ein bisschen Fachterminologie glänzen lässt. Sonst besteht die Gefahr, dass ihre beruflichen Werdegänge unglaubhaft erscheinen – und nur bloße Behauptung bleiben. Aber auch das ist ein Beweis dafür, dass das Skript an den falschen Stellen gespart hat. Man hätte dafür besser ein paar arg konstruierte Handlungsbögen weglassen sollen. Loben muss ich hingegen, dass das Drehbuch die knapp zwei Stunden Spieldauer nutzt, um sich Zeit für seine Figuren zu nehmen. Für mich ein Aspekt, der in der französischen Version leider zu kurz kam.

Dieser Film könnte Dir gefallen, wenn…

… Du eine deutsche Tragikomödie sehen möchtest, die zwar nicht so bissig ist wie andere Kammerspiele, dafür aber Themen auf dem Abendbrottisch serviert, die aktueller nicht sein könnten. „Das perfekte Geheimnis“ eignet sich als abendfüllender Spielfilm, über den man – vor allem als Pärchen – sicherlich hervorragend diskutieren kann. Ein übermäßig großer Wurf ist der Streifen zwar nicht geworden, Unterhaltungswert beweist er bei allen Schwächen aber trotzdem.

Filmfreax-Wertung: 3 / 5

Kinostart: 31. Oktober 2019

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2019 Constantin Film Verleih GmbH

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