© 2019 Universum Film

„Rambo: Last Blood“ ist der 5. Teil der Action-Reihe um den traumatisierten Vietnamveteran John Rambo. Regie führte Adrian Grunberg („Get the Gringo“), das Drehbuch schrieben Sylvester Stallone und Matt Cirulnick, der für Serien wie „Absentia“ und „South Beach“ verantwortlich ist. „Last Blood“ soll der Abschluss der Veteranen-Saga sein.

Die Handlung

John Rambo (Sylvester Stallone) lebt zurückgezogen auf einer Ranch in Arizona. Doch auch hier kommt der Veteran nicht zur Ruhe. Als die Enkelin seiner Haushälterin Maria (Adriana Barraza) entführt wird, begibt sich der Elitekämpfer nach Mexiko, um das junge Mädchen zu suchen, das auch seine Ziehtochter ist. Er findet Gabrielle (Yvette Monreal) schließlich in den Fängen eines Mädchenhändlerrings…

Vorrede

Meine Altersgenossen und ich haben John Rambo damals als den Action-Helden verehrt. Wie der Soldat aus dem Krieg in seine Heimat zurückkehrt und als Obdachloser stigmatisiert und gedemütigt wird, hat wohl den Gerechtigkeitssinn junger Männer und Außenseiter getriggert. Dass sich der Outlaw irgendwann zur Wehr setzt, bis die Gewalt schließlich eskaliert, war nur die logische Konsequenz. Wie sehr sich die Kultfigur ins Gedächtnis mehrerer Generationen eingebrannt hat, zeigt sich schon allein dadurch, dass der Name Rambo in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen wurde. Nicht umsonst hat er es in den Duden als „brutaler männlicher Typ; Kraftprotz“ geschafft.

Die Inszenierung

Zu Beginn hatte ich den Eindruck, ein bildgewaltiges Action-Epos erwarten zu können. Die Ranch mitten im Nirgendwo schien der richtige Schauplatz für solch ein Spektakel zu sein. Allerdings hatte ich spätestens dann, als sich der Protagonist nach Mexiko begibt, das merkwürdige Gefühl, eher in einem Low-Budget-Actioner zu sitzen, den man irgendwo in Europa gedreht hat, um Produktionskosten zu sparen. Zumindest kam bei mir ein bisschen „Direct-to-DVD-Flair“ rüber.

© 2019 Universum Film

Natürlich – und darauf arbeitet der Film ja hin – sind die brutalen Gewaltdarstellungen das, was man in einem brachialen Film dieses Genres sehen will. Allerdings muss man sich ein wenig in Geduld üben, bis diese über die Leinwand flimmern. Was zum Finale aufgefahren wird, ist natürlich die überbordende Gewalteskalation, die man spätestens seit „John Rambo“ erwartet – und auch hier in epischer Breite bekommt. Bis dahin quält man sich allerdings mit einem mehr als unbeholfenen Drehbuch. Ein bisschen enttäuscht, wenn auch nicht überrascht, war ich außerdem vom offensichtlichen Einsatz von CGI, der sich vor allem dann bemerkbar macht…

Bei solch einem Old-School-Actioner – und nichts anderes strahlt der fünfte Teil der „Rambo“-Reihe erzählerisch und inszenatorisch aus – hätte ich mir noch wesentlich mehr Handgemachtes gewünscht.

Die Story

Hier kommen wir zum größten Schwachpunkt des Films: dem Drehbuch. Was Cirulnick und Stallone dem Zuschauer gleich eingangs zumuten, hat nicht nur durch seine malerischen Bilder mehr von mexikanischer Telenovela als von Hollywood-Skript. Da eröffnet die hübsche Ziehtochter tränenreich, dass sie…

© 2019 Universum Film

Überhaupt krankt das Drehbuch daran, dass es sich ganz ungeniert in Schwarz-Weiß-Malerei ergeht und die üblichen Stereotypen serviert: Da gibt es die Guten, die ganz Bösen und zwischendrin die Naiven und Hinterhältigen. Grautöne sucht man vergebens. Womit wir bei der politischen Agenda wären, die viele Kritiker in diesem Werk transportiert sehen – und die ich nach Sichtung des Films auch nicht unerwähnt lassen kann. Man mag jetzt sicherlich einwenden, dass es in Actionfilmen schon immer schablonenhafte Antagonisten gab. In den 80ern waren es die Russen, worüber sich auch niemand beschwert hat, außer den Russen selbst. Nun sind es halt mal die Mexikaner, so what? Das wäre vermutlich halb so schlimm, wenn einem das Drehbuch nicht so unverblümt mitteilen würde: „Wenn du nach Mexiko gehst, wird dir auf jeden Fall Schreckliches widerfahren!“ Man muss nicht mal zwingend die allgegenwärtig grassierende kollektive Empörungsmentalität adaptieren, um zu erkennen, dass das hier kolportierte Weltbild ganz offensichtlich einem bestimmten politischen Lager zuzuordnen ist. Wer das ausblenden kann, sei gesegnet. Mir wollte das über die gesamte Laufzeit nicht gelingen. Gleiches gilt für das einseitige Frauenbild, das man auch noch unbedingt verwursten musste. Kein Wunder, dass „Rambo“-Erfinder David Morrell nichts Gutes über „Last Blood“ sagt und sich sogar dafür schämt, mit dem Film in Verbindung gebracht zu werden.

Die Schauspieler

Dass Sylvester Stallone noch nie Charaktermime war und auch keiner mehr wird, sollte eigentlich klar sein. Und bedenkt man das unbeholfene Drehbuch, dann kann man (leider) keine Charakterstudie eines traumatisierten Veteranen erwarten. Was „Sly“ aus der Kultfigur letztlich macht, sollte aber jedem „Rambo“-Fan zu denken geben. Dass er die Hauptfigur in Pathos ertränkt – geschenkt. Und mit markigen One-Linern, bevor der nächste Bösewicht in die ewigen Jagdgründe geschickt wird, hätte ich auch noch leben können. Aber dass sich der alternde Action-Held an vermeintlich tiefgründigen Philosophien versucht, wirkt einfach nur unfreiwillig komisch und erinnert eher an einen Steven Seagal, der irgendwelche indianischen Weisheiten bemüht.

Alle anderen Darsteller spielen – ebenso dem hanebüchenen Drehbuch geschuldet – allzu eindimensionale Figuren, die es gar nicht zulassen, handwerklich weiter in die Tiefe zu gehen. Von Paz Vega („Spanglish“, „The OA“) hätte ich gerne noch mehr gesehen. Aber ihre Rolle, eine Journalistin, fungiert hier lediglich als Stichwortgeber und Informant, um Rambos Weg zu den Kartellbossen mal eben abzukürzen.

Dieser Film könnte Dir gefallen, wenn…

… Du aus nostalgischen Gründen die „Rambo“-Reihe vervollständigen möchtest und dich nicht an einer misogynen und rassistischen Tonalität störst. Was Grunberg, Cirulnick und Stallone hier bieten, ist ein ungeschickt erzählter Revenge-Thriller, der einzig und allein mit einer gewissen Gewaltästhetik zu punkten weiß, darüber hinaus aber nichts zu bieten hat. Für mich vergießt John Rambo hier nicht nur das letzte Blut, sondern pfeift auch aus dem letzten Loch. Ein durch und durch unwürdiger Abschluss.

Filmfreax-Wertung: 1 / 5

Kinostart: 19. September 2019

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2019 Universum Film

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.