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„Halloween Haunt“ ist der neueste Wurf der Drehbuchautoren Scott Beck und Bryan Woods, die bereits mit „A Quiet Place“ bewiesen haben, dass sie ein Händchen fürs Horrorgenre haben. Allerdings hat das kreative Duo sein aktuelles Werk diesmal nicht John Krasinski überlassen, sondern höchstpersönlich auf dem Regiestuhl Platz genommen. Produziert wurde der Slasher-Nervenkitzel von Eli Roth („Hostel“, „Knock Knock“).

Die Handlung

Studentin Harper (Katie Stevens), die sich gerade frisch von ihrem tyrannischen Freund getrennt hat, ist an Halloween nicht wirklich nach Feiern zumute. Doch ihre Clique schleift sie zuerst auf eine Party, um danach eine folgenschwere Entscheidung zu treffen: Auf der Suche nach dem Gruselkick besuchen die jungen Leute ein Horrorhaus. Was zunächst nach arg inszenierter „Geisterbahn“ anmutet, entpuppt sich bald als tödlicher Ernst…

Vorrede

Beim Titel war ich erst mal von einer Verbindung zum „Halloween“-Franchise ausgegangen, habe mich davon aber tatsächlich in die Irre führen lassen. Der Film hat gar nichts mit Kultkiller Michael Myers zu tun und trägt im englischen Original lediglich den Titel „Haunt“. Warum man sich dazu entschieden hat, für den deutschen Markt den Zusatz „Halloween“ zu wählen, kann eigentlich nur zwei Gründe haben. Entweder wollte der Verleih sich im Windschatten der beiden kommenden „Halloween“-Teile ein bisschen Aufmerksamkeit von Genrefans sichern, oder – was wahrscheinlicher ist – man wollte dem Zuschauer hierzulande ganz „subtil“ suggerieren, dass es sich um einen Horrorfilm handelt. Was auch immer der Grund gewesen sein mag – es war unnötig.

Die Inszenierung

Zunächst muss ich Eli Roth & Co. attestieren, hier saubere Arbeit abgeliefert zu haben, was die Effekte angeht. Die Splatter-Momente sind solide inszeniert, und glücklicherweise verzichten Beck und Woods darauf, sich zu sehr selbst dafür zu feiern. Das heißt, sie platzieren weder zu viele noch zu wenige Schockmomente, sondern finden in ihrer Erzählung ein sinnvolles Maß. Das Duo versteht sich augenscheinlich auf Spannungsaufbau und Pacing.

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Weniger gekonnt wirkt die bis dahin qualitativ hochwertige Inszenierung spätestens dann, wenn die Protagonistin…

Dass sie diesen grandios intelligenten Einfall hat, ist das eine. Das andere, noch hanebüchenere, ist, dass sie das mehrfach tut und die Nachrichten sogar laut vorliest. Aber okay, man will dem proletarischen Publikum ob des permanenten Thrills wohl nicht zu viel zumuten. Diese Szene ist zwar unfreiwillig komisch, tut dem Ganzen aber womöglich sogar gut, nimmt sich der Film doch insgesamt ohnehin zu ernst. Wenn man dem Zuschauer allerdings so wenig zutraut, hätte man sich für die deutsche Vermarktung auch gleich noch einen unmissverständlichen Untertitel überlegen sollen. Ist hierzulande ja leider gängige Praxis. So was wie „Halloween Haunt – Das ist ein Horrorfilm!“ vielleicht.

Die Story

So fundiert die kinematografische Arbeit von Beck und Woods auch ausfällt, so sehr muss ich leider bemängeln, dass man hier (mal wieder) einen „Teenie-Slasher-Film“ präsentiert bekommt. Das heißt: Jugendliche suchen den Kick, Jugendliche verhalten sich dämlich, Jugendliche werden getötet. Und Letzteres natürlich von irgendwelchen degenerierten Typen, die genau das machen, weil… Na ja, weil sie es können. Auf eine Hintergrundgeschichte wird geflissentlich komplett verzichtet. So weit, so üblich für dieses Horror-Subgenre. Reißbrett-Arbeit.

Dass man die Geschichte als Single-Location-Story aufzieht, kann man zumindest als kleinen Clou bezeichnen. Das ist zugegebenermaßen auch nichts Revolutionäres, verleiht der Erzählung aber eine beklemmende Atmosphäre und spendiert den Antagonisten außerdem viel Raum für allerlei Gemeinheiten und kreative „MacGyver-Folter-Ideen“, bei denen man sich fast an „Saw“ erinnert fühlen kann. Aber das war es dann auch schon. Letztlich serviert die Geschichte herkömmliche Horrorkost, die sich zu offensichtlich an Genrekonventionen hält und nichts Neues wagt.

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Die Schauspieler

Mit Katie Stevens hat man eine junge Aktrice verpflichtet, die schon in der Amazon-Serie „The Bold Type“ – der jugendlichen Version von „Sex and the City“ – bewiesen hat, dass sie heulen kann. Ob sie das auch automatisch zur Scream-Queen qualifiziert, sei mal dahingestellt. Ich denke aber, dass sie ihre Sache recht ordentlich macht, und letztlich ist es vielmehr das Drehbuch, das ihrem Charakter nicht mehr Tiefe zugesteht. Auch hier greifen die Autoren auf Altbewährtes zurück: das traumatisierte junge Mädchen, das über sich selbst hinauswachsen muss.

Gleiches gilt für die Nebendarsteller: Die Charaktere von Will Brittain („Everybody wants some“, „Kong: Skull Island“), Andrew Caldwell („iZombie“), Lauryn McClain („BearCity 3“) und Shazi Raja („Im Zweifel glücklich“) dienen lediglich als Standard-Sidekicks und bleiben im Grunde genauso farblos und unbedeutend wie die Hauptfigur. Auch wenn man ihnen darstellerisch nichts vorwerfen kann.

Dieser Film könnte Dir gefallen, wenn…

… Du an einem visuell ordentlich aufgezogenen Teenie-Slasher-Film Spaß haben kannst, der nicht mehr tut, als das Genre zu bedienen. Oder wenn du jünger und womöglich Fan von Katie Stevens bist und sie mal in einem anderen Setting sehen möchtest. Ob man sich den Streifen zwingend im Kino anschauen muss, wage ich zu bezweifeln. Meiner Ansicht nach hätte eine Direct-to-DVD-Veröffentlichung vollkommen ausgereicht.

Filmfreax-Wertung: 2 / 5

Kinostart: 31. Oktober 2019

Bildquellen

  • Beitragsbild: © Splendid Film GmbH

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