© 2019 Splendid Film

„The Gangster, the Cop, the Devil“ ist das neueste Werk des südkoranischen Regisseurs Lee Won-Tae („The Magician“, „Man of Will“) und basiert, so absurd es auch klingt, tatsächlich auf einer wahren Begebenheit. Der Film lief am 15. Mai 2019 in Südkorea an und feierte sein Deutschland-Debüt auf dem Fantasy Filmfest 2019.

Die Handlung

Im Jahr 2005 treibt in der Stadt Cheonan, im Nordosten der Provinz Chungcheongnamdo gelegen, ein Serienkiller (Kim Sung-kyu) sein Unwesen. Kommissar Jung Tae-seok (Kim Mu-yeol) kommt mit seinen Ermittlungen nicht wirklich voran, und erschwerend kommt hinzu, dass der Fall noch höhere Wellen schlägt, als der Täter ausgerechnet Gangsterboss Jang Dong-su (Ma Dong-seok) als nächstes Opfer auserwählt. Um den Killer zu stoppen, bildet sich ein ungewöhnliches Bündnis: Cop und Gangster tun sich zusammen…

Vorrede

Nach dem großartigen „Parasite“ hatte ich eigentlich nicht damit gerechnet, gleich in diesem Jahr noch mal ein so überzeugendes Werk aus Südkorea auf der großen Leinwand zu sehen. Tatsächlich stand Won-Taes Actionthriller nicht unbedingt auf meiner „Must-see-Liste“ für das Fantasy Filmfest, weil er weder dem Horror- noch dem Sci-Fi-Genre zugeordnet werden kann.

Die Inszenierung

Nach dem Teaser hatte ich einen rohen, ungeschliffenen und harten asiatischen Actioner erwartet. Und der Film wartet auch mit ein paar brutalen Szenen auf. Allerdings zeigt der Regisseur nicht alles im Detail. Vielmehr überlässt er das meiste der Vorstellungskraft des Zuschauers – was auch problemlos funktioniert. Wenn Gangsterboss Jang Dong-su…

…dann weiß man als Zuschauer auch ohne explizite Darstellung um die Brutalität der Szenerie.

Was die Bilder betrifft, empfand ich „The Gangster, the Cop, the Devil“ als genauso auf den Punkt gebracht wie Bong Joon-hos „Parasite“: Bildsprache, Schnitt und Pacing sind perfekt komponiert, es gibt weder zu viele noch zu wenige Frames, alles wirkt durch und durch pointiert. Und das gilt sowohl für die temporeichen Action-Sequenzen als auch für die dialoglastigen Szenen. Also alles andere als roh und ungeschliffen, sondern bis ins Detail durchdacht. Und wie es sich für einen runden Actioner gehört, bietet der Streifen nicht nur spannend inszenierte Messerstechereien, sondern auch deftige Prügelszenen und dramatische Verfolgungsjagden.

Schließlich liefert Filmkomponist Jo Yeong-wook, der schon in Park Chan-wooks Vengeance-Trilogie („Sympathy for Mr. Vengeance“, „Old Boy“ und „Sympathy for Lady Vengeance“) für die passende musikalische Untermalung gesorgt hat, einen coolen Score, der die ebenso coolen Protagonisten ein ums andere Mal adäquat in Szene setzt.

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Die Story

Dass hier Serienkiller-Story und Gang-Geschichte kombiniert werden, macht den Plot tatsächlich unvorhersehbar. Was der Erzählung aber noch mehr Unberechenbarkeit beschert, ist zudem die ungewöhnliche Konstellation, die sich aus den realen Hintergründen ergibt. Unberechenbar wird das Ganze vor allem ab dem Punkt…

Andere Filmkritiker haben schon bemängelt, dass die ruhigeren Passagen das Tempo der energiegeladenen Erzählung ausbremsen würden. Dem kann ich allerdings nicht zustimmen, weil in Sachen Action wirklich eine hohe Schlagzahl vorgegeben wird. Meiner Ansicht nach hätte es sogar noch mehr dialoglastige Szenen geben dürfen. Denn besonders in diesen werden nicht nur die Charaktere noch greifbarer, sondern auch die Grauzone aufgezeigt, in der sich alle Parteien in dieser unheilvollen Allianz bewegen. Ist ein Gangsterboss „besser“ als ein Serienkiller? Und was unterscheidet die Mafia eigentlich von der Polizei, wenn die internen Strukturen doch ganz ähnlich sind? So sehr die eigenen moralischen und ethischen Grenzen auch gedehnt und gestreckt werden – am Ende eint alle dasselbe: ein gewisser Ehrenkodex. Diesen interessanten Punkt hätte man gerne noch ausführlicher beleuchten können, aber grundsätzlich kommt die Thematik nicht zu kurz. Zumal wir hier von einem Actionthriller reden, der nicht nur vieles richtig, sondern auch richtig Spaß macht.

Die Schauspieler

Hervorheben muss man zwangsläufig Ma Dong-seok („Train to Busan“), der hier schlichtweg grandios aufspielt und seine enorme Leinwandpräsenz unter Beweis stellt. Wie die Figur des Jang Dong-su zwischen Unbarmherzigkeit und Gutmütigkeit mit Kontrollverlust zu kämpfen hat und um ihre kriminelle Reputation fürchtet, bedingt einen Schauspieler, der über einen gewissen Facettenreichtum verfügt. Und der ist im Können Dong-seoks unverkennbar vorhanden. Kein Wunder also, dass sich nicht nur Sylvester Stallone für das US-Remake des Films die Dienste des amerikanisch-südkoreanischen Darstellers gesichert hat. Der Mime, der sich abseits des asiatischen Marktes den Namen Don Lee gegeben hat, entert 2020 das Marvel Cinematic Universe und wird in „The Eternals“ eine Hauptrolle übernehmen.

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Unter den Tisch fallen lassen darf man aber auch nicht die Leistung von Kim Mu-yeol, der seine Karriere auf Theater- und Musical-Bühnen begonnen hat. Die Rolle des Cops, der sich nach seinem ganz eigenen Wertekanon richtet und nicht sträubt, nach dem Motto „Der Zweck heiligt die Mittel“ zu agieren, scheint dem Südkoreaner wie auf den Leib geschrieben.

Im Grunde ist der Film bis in die kleinste Nebenrolle passend besetzt, aber es lässt sich durchaus sagen, dass insbesondere das Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren das Werk so sehenswert macht. Die Chemie zwischen Don Lee und Mu-yeol stimmt einfach. Dass beide Protagonisten mit einer gewissen Selbstironie ausgestattet sind, macht sie nicht nur sympathischer, sondern sorgt auch für einige Lacher. Dabei schrammt man zwar haarscharf an einem Buddy-Movie vorbei, bricht aber nicht die grundsätzlich harte Tonalität der Erzählung.

Dieser Film könnte Dir gefallen, wenn…

… Du einen stylishen Old-School-Actioner sehen möchtest, der zwar eine ordentliche Portion Härte und Brutalität mitbringt, sich selbst und seine Figuren aber auch nicht zu ernst nimmt. Für einen Streifen dieses Genres spielen die Darsteller überdurchschnittlich gut, was man letztlich als „Hauptverkaufsargument“ anbringen kann. Ich empfehle dringend, das Original zu schauen, bevor Sylvester Stallone mit seinem (vermutlich Hollywood-tauglichen) Remake das Publikum beglückt.

Filmfreax-Wertung: 4,5 / 5

DVD-Start: 22. November 2019

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2019 Splendid Film

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