© 2019 Twentieth Century Fox

„Ad Astra – Zu den Sternen“ ist das neueste Werk von Regisseur James Gray („Helden der Nacht“, „The Yards“). Eigentlich hätte der Film bereits im Januar 2019 in die Kinos kommen sollen, dann wurde der Mai avisiert – und plötzlich verschwand der Streifen auch für diesen Monat von der Startliste. Es wird gemunkelt, dass die Übernahme 20th Century Fox‘ durch den Disney-Konzern Schuld daran sei. Angeblich soll die Marketing-Abteilung nicht so recht gewusst haben, wie man das Weltraum-Epos am besten vermarktet. Bis der Trailer erschien, kannte man lediglich ein einziges Promo-Bild. Die inkonsistente Bewerbung des Films ist wohl auch der Grund dafür, dass das Werk so lange unter dem Radar geflogen ist und selbst Cineasten bis dato kein Begriff war. Jetzt ist es aber so weit, „Ad Astra“ kommt am 19. September 2019 ins deutsche Kino.

Die Handlung

Raumfahrt-Ingenieur und Astronaut Roy McBride (Brad Pitt) wird für einen streng geheimen Auftrag rekrutiert, nachdem elektromagnetische Interferenzen auf der Erde gefährliche Stürme ausgelöst haben. Dass ausgerechnet McBride für diese Mission angeheuert wird, hat einen guten Grund: Es wird vermutet, dass dessen seit 16 Jahren verschollener Vater Clifford (Tommy Lee Jones), der mittlerweile als Held verehrt wird, für die Störungen verantwortlich ist. Dieser war damals mit seiner Crew auf dem Neptun stationiert, um nach intelligentem Leben zu suchen. Roy soll nun zum Mars reisen, um von dort seinen Vater zu kontaktieren.

Vorrede

„Contact“ (1997), mit Jodie Foster und Matthew Conaughey in den Hauptrollen, und nicht zuletzt „Solaris“ (2002) haben mich damals zu einem Fan von Sci-Fi-Dramen gemacht. Als ich von „Ad Astra“ hörte, war ich dementsprechend erfreut und habe mit Spannung auf den Film gewartet.

Die Inszenierung

Sicherlich muss man zunächst die Bilder loben, die Kameramann Hoyte van Hoytema („Interstellar“, „Dunkirk“) hier zaubert. Und das macht der Oscar-Nominierte mit einer spürbaren Selbstverständlichkeit, ohne Effekthascherei und so gekonnt, dass sich die Sequenzen geradezu organisch ins variierende Tempo der Erzählung einfügen. Gray und van Hoytema inszenieren diese spektakulären Darstellungen sehr facettenreich. Ob es nun actiongeladene Situationen sind…

… oder die ikonischen Darstellungen im All – die Filmemacher finden stets die passende Einstellung und die adäquate Bildkomposition, ohne in überbordenden epischen Bombast auszuarten.

Nicht zuletzt der pointierte Score von Max Richter („Waltz with Bashir“, „Perfect Sense“) sorgt dafür, dass „Ad Astra“ zu einem audiovisuellen Leckerbissen wird, den man auf der großen Leinwand erlebt haben sollte.

© 2019 Twentieth Century Fox

Naturwissenschafts-Freaks sei an dieser Stelle gesagt, dass James Gray sich anscheinend nicht akribisch an physikalische Gesetzmäßigkeiten hält. Ob man Wert darauf legt, muss jeder für sich selbst entscheiden. In diesem Fall ist es vielmehr so, dass der Regisseur seine Visionen futuristischer Raumfahrt auf Zelluloid gebannt hat. Ich für meinen Teil mache Filmspaß jedenfalls nicht von vermeintlicher Realitätsnähe abhängig, zumal es Genres gibt, bei denen es mir schlichtweg egal ist, wenn die Logik ein bisschen der Dramaturgie weichen muss. Fakt ist: Wir reden hier nun mal von Science-Fiction.  

Die Story

Wer womöglich ein actionreiches Weltraum-Spektakel erwartet, dem muss gesagt sein, dass „Ad Astra“ ein Sci-Fi-Drama ist. Das Space-Setting zieht zwar einen passenden Rahmen um die Geschichte, aber wer aufmerksam hinschaut, der wird erkennen, dass die Bilder immer wieder dazu dienen, „lediglich“ die Quintessenz der Erzählung visuell aufzubereiten. Es geht nur vordergründig um McBrides Neptun-Mission. Im Fokus steht vielmehr eine dysfunktionale Vater-Sohn-Beziehung, deren Darstellung man zwar vorwerfen kann, küchenpsychologische Hypothesen in den Raum zu werfen. Aber die Fragen, die die Erzählung aufwirft, sind alles andere als uninteressant: Wie sehr prägt uns Erziehung? Und inwieweit sind wir in der Lage, erlernte oder anerzogene Verhaltensmuster und Denkweisen zu durchbrechen? Ich behaupte einfach mal, dass man zu dieser Thematik einen gewissen Bezug haben sollte, um sich nicht nur von der beeindruckenden Kinematografie, sondern auch vom behandelten Stoff fesseln lassen zu können. Wer das nicht hat, könnte versucht sein, die Message als allzu platt vorgetragen zu bezeichnen.

Auch wenn ich persönlich eine Verbindung zum Thema habe, ohnehin ein Faible für Psychologie hege und mich durchaus von der gesamten Inszenierung habe mitreißen lassen, kann ich diesen Vorwurf sogar verstehen. Wenn etwa…

… dann frage ich mich, wieso man das so offensichtlich ausformulieren musste. Traut man dem Blockbuster-Publikum nicht mehr zu, subtilere Andeutungen zu verstehen? Gleiches gilt für Brad Pitts Stimme aus dem Off, die im Grunde viel zu oft die Gefühlswelt und Gedanken ihrer Figur in Worte fasst – und damit der Fantasie des Zuschauers keinerlei Interpretationsspielraum lässt. Leider ein stilistischer Fehlgriff, den schon Christopher Nolan mit seinem Sci-Fi-Epos „Interstellar“ getätigt hat. Ein Film, den ich trotz kinematografischer Glanzleistungen gerne liebevoll als „Erklärbär-Erzählung“ bezeichne.

© 2019 Twentieth Century Fox

Die Schauspieler

Einige mögen Brad Pitt eine durchwachsene, lasche oder gar langweilige Darbietung vorwerfen. Allerdings muss man bedenken, dass dessen Figur genau so angelegt ist: stoisch, emotionslos, fast schon autistisch. Ob man es als Zuschauer schafft, mit diesem eisigen, sperrigen Charakter warm zu werden oder gar mit ihm mitzufiebern, ist vermutlich vom individuellen Empfinden abhängig. Ich für meinen Teil habe das problemlos hinbekommen, eben weil der Protagonist – küchenpsychologische Begründung hin oder her – in seiner Art und Weise, seinem Verhalten und der charakterlichen Weiterentwicklung immer nachvollziehbar bleibt.

Für Tommy Lee Jones hätte ich mir natürlich ein Drehbuch gewünscht, dass seinem Charakter mehr Luft für Subtilität gelassen hätte. Vermutlich hätte er seine Stärken dann wesentlich breiter ausspielen können. In weiteren Nebenrollen treten Donald Sutherland, Ruth Negga und Liv Tyler gewohnt überzeugend auf, ohne aber Leistungen abzuliefern, die deutlich hervorstechen würden.

Dieser Film könnte Dir gefallen, wenn…

… Du schon Streifen wie „Interstellar“, „Gravity“ und „Contact“ mochtest und ein Werk erleben willst, das seine Botschaft zwar alles andere als subtil vorträgt, insgesamt aber so viel erzählerische und visuelle Wucht besitzt, dass man es im Kino gesehen haben sollte. Für mich hat „Ad Astra“, trotz der genannten Schwächen, auf ganzer Linie funktioniert – und zählt für mich schon jetzt zu den Kino-Highlights dieses Jahres.

Filmfreax-Wertung: 4,5 / 5

Kinostart: 19. September 2019

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2019 Twentieth Century Fox

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