© 2019 Concorde Filmverleih GmbH

„47 Meters Down“ mit Mandy Moore und Claire Holt in den Hauptrollen war 2017 ein kleiner Überraschungs-Hit. Mit einem überschaubaren Budget von 5,5 Millionen Dollar, spülte der Hai-Horrorfilm allein in den USA das Achtfache in die Kinokassen. Und das trotz der Tatsache, dass man im Vorfeld mit Raubkopien auf Piraterie-Seiten und einem abweichenden VOD-Titel zu kämpfen hatte. Unter diesen Umständen also erst recht ein Achtungserfolg. Mit „47 Meters Down: Uncaged“ kehrte Johannes Roberts („The Strangers: Opfernacht“) auf den Regiestuhl zurück und wurde abermals von Ernest Riera („The other Side of the Door“) unterstützt. Für den Score ist erneut das Filmkomponisten-Duo tomandandy verantwortlich.

Die Handlung

Die beiden Stiefschwestern Mia (Sophie Nélisse) und Sasha (Corinne Foxx) erkunden mit ihren beiden Freundinnen Nicole (Sistine Rose Stallone) und Alexa (Brianne Tju) im Tauchgang eigenmächtig eine versunkene Maya-Stadt, die ihr Vater und Forscher Grant (John Corbett) entdeckt hat. Doch diese arglose Entscheidung entpuppt sich bald als fataler Fehler…

Vorrede

Vom ersten Teil hatte ich eigentlich nicht viel erwartet, wurde dann aber positiv überrascht. Ich hatte an diesem beklemmenden „Unterwasser-Kammerspiel“ tatsächlich meinen Spaß, weswegen meine Erwartungshaltung an den Nachfolger recht hoch angesetzt war.

Die Inszenierung

Spricht man in der heutigen Zeit von einem Horrorfilm – und das gilt nicht allein für dieses Genre – muss man auch über CGI reden. Letzteres kann man der Inszenierung zwar ansehen, aber insgesamt würde ich die Effekte als recht ordentlich bezeichnen, weswegen ich den Einsatz der Technologie in diesem Fall nicht zu verbissen sehe. Auch wenn ich dazusagen muss, dass ich die Hai-Animationen (trotz des geringeren Budgets) in „47 Meters Down“ als imposanter empfand. Ich vermute, dass dieser Eindruck bei mir dadurch entstanden ist, dass sich „47 Meters Down: Uncaged“ nicht scheut, auch mal ein bisschen ins Trashige auszuschlagen, während man im Vorgänger anscheinend eine realistischere Darstellung im Sinn hatte. Was ich aber im Gegensatz zum ersten Teil noch eher bemängeln muss, ist, dass der Hai letztlich viel zu oft zu sehen ist. Ich bin ja ein Fan davon, wenn die Spannung eher mit wohldosiertem „Monster-Einsatz“ erzeugt wird. Diese beklemmende Atmosphäre erschafft „47 Meters Down“ im direkten Vergleich wesentlich gekonnter, zumal er damit die Protagonisten weiter in den Vordergrund rückt – und weniger die Schauwerte. Im Grunde kehrt der zweite Teil diese Vorgehensweise um. Aber wenn man darauf Wert legt, bekommt man auch hier solide und actiongeladene Horrorkost mit präzise platzierten Jump Scares serviert.

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Loben muss man die englische Produktionsfirma Tea Shop, die in einem Wassertank tatsächlich eine komplette Maya-Stadt nachgebildet hat. Auf der großen Leinwand sieht die Kulisse schon sehr beeindruckend aus. Sowohl im nordöstlich von London gelegenen Basildon als auch in den altehrwürdigen Pinewood Studios wurden die Unterwasser-Sequenzen gefilmt, die Außenaufnahmen hingegen entstanden in der Dominikanischen Republik.

Die Story

Auch hier muss ich einwenden, dass der Vorgänger mit einem glaubwürdigeren Szenario aufwartet. Mandy Moore und Filmschwester Claire Holt lassen sich dort zu einem illegalen Tauchgang auf dem offenen Meer überreden – in einem Käfig. Während die Mädchengruppe in „Uncaged“ eine erst kürzlich entdeckte Maya-Fundstätte erkundet. Letzteres klingt schon auf den ersten Blick konstruierter und hätte es auch erzählerisch nicht wirklich gebraucht. Irgendwelche beliebigen Höhlen hätten es sicherlich auch getan.

Schon im Vorfeld hatte ich die Befürchtung, dass die Macher dem Film durch das „Uncagen“ die interessanteste Prämisse nehmen würden. Und das hat sich leider bestätigt. Natürlich spielt Roberts auch in den unterirdischen Höhlen mit Beklemmung und Agoraphobie. Aber da er den Schauplatz ausweitet, funktioniert das bei Weitem nicht mehr so gut wie im ersten Teil.

Die Schauspieler

Grundsätzlich verkörpert Sophie Nélisse eine ähnliche Rolle wie Mandy Moore: das ängstliche, mit seinem Selbstbewusstsein hadernde Mädchen, das über sich selbst hinauswachsen muss. Meiner Ansicht nach hat Mandy Moore, die beileibe keine Charakterdarstellerin ist, das aber wesentlich besser umgesetzt. Nélisse („Die Bücherdiebin“) kann man irgendwie ansehen, dass der Regisseur ihr eingebläut haben muss, auf Teufel komm raus die Furchtsame zu spielen. Was sich besonders zu Beginn des Films zeigt, wenn sie sich der mobbenden Klassenkameradin geschlagen gibt.

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Beim restlichen Cast – insbesondere gilt das für die Töchter von Jamie Foxx und Sylvester Stallone – muss ich leider auch sagen, dass schauspielerisch noch viel Luft nach oben ist. Für einen kleinen Horrorfilm mag es gerade noch ausreichen, aber für mehr fehlt es definitiv noch. Überhaupt ging es mir so, dass ich mit den Charakteren nicht wirklich mitfiebern konnte. Trotzdem sollte man den körperlichen Einsatz erwähnen, den die jungen Darstellerinnen hier gezeigt haben. „Das Härteste war die Erschöpfung – und zwar jeden Tag“, sagt Sistine Rose Stallone. „Du verbringst 40 Minuten im Wasser, und es fühlt sich wie zwei Stunden an. Du bist völlig ausgeblutet, wenn du ständig schreist und den ganzen Sauerstoff aufbrauchst. Wenn du’s machst, ist das aufregend. Aber in dem Moment, wenn du aus dem Wasser steigst, hast du das Gefühl, als hätte dich ein Lastwagen überfahren.“

John Corbett („My big fat greek Wedding“) scheint man lediglich als Aushängeschild verpflichtet zu haben, um wenigstens ein bisschen mit großen Namen zu glänzen. Die gleiche Funktion erfüllte Matthew Modine auch schon im ersten Teil, sodass diese Auftritte eher als Makulatur bewertet werden können.

Dieser Film könnte Dir gefallen, wenn…

… Du einfach nur einen Hai-Horrorschocker mit coolem Soundtrack sehen möchtest, der zumindest für die kurzweilige Unterhaltung taugt. Ich empfehle, die beiden Teile in umgekehrter Reihenfolge anzuschauen, zumal die Geschichten nichts miteinander zu tun haben. „47 Meters Down: Uncaged“ leidet vor allem daran, dass der Vorgänger aus seinen begrenzten Möglichkeiten viel mehr gemacht hat – und diesen Vergleich muss sich das Sequel nun mal gefallen lassen, auch wenn der Film für sich alleine gut funktioniert.

Filmfreax-Wertung

Kinostart: 10. Oktober 2019

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2019 Concorde Filmverleih GmbH

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