Dominik Porschen ist nicht nur Youtuber, Filmkritiker und Moderator, sondern vor allem eins – Filmliebhaber. Mit „Spoil doch!“ hat der gebürtige Kölner nun sein Bühnenprogramm in die Kinos gebracht, das 2018 in seiner Heimatstadt Premiere feierte. Filmfreax war im Frankfurter Cinestar Metropolis dabei.

Von einer Videoplattform auf die Bühne?

Man kann sich natürlich fragen, was ein Youtube-Star auf der Bühne verloren hat. Wie transportiert ein Medienschaffender, der normalerweise Content für kleine Smartphone-Screens und Laptop-Bildschirme produziert, seine „Agenda“ vor Live-Publikum? Aber die Antwort ist so simpel wie plausibel: Er belässt es nicht nur bei kurzen Filmbesprechungen, sondern geht einfach ein paar Schritte weiter.

Mit den „Spoilers“ – nicht zu verwechseln mit der englischen Punkband –, die den launigen Abend mit Akustikgitarre, Pianoklängen und einer grandiosen Sängerin einleiten, geben Porschen und sein Team gleich zu verstehen, dass man nicht nur cineastischen Redebedarf hat, sondern ein ausgewogenes und abwechslungsreiches Programm präsentieren möchte. Was der Truppe um den Filmkritiker auf ganzer Linie glückt. Live-Musik gibt sich mit Stand-up-Comedy die Klinke in die Hand, und selbst die Leinwand wird miteinbezogen. Gespickt wird die gesamte Darbietung – stilecht in Überlänge und mit Pause – mit Trailern, Filmausschnitten und Einblendungen, die Porschen in seiner Liebeserklärung ans Kino noch unterstützen.  

Youtuber mit Rampensau-Qualitäten

Der Löwenanteil der Show besteht allerdings aus Stand-up-Comedy, die der Youtuber wie aus dem Effeff zu beherrschen scheint. Mit viel Humor erzählt der „Kölsche Jung“ von seinen Interview-Erfahrungen mit Hollywood-Stars, die mal sympathisch und mal weniger zugänglich waren, präsentiert goldene Benimmregeln fürs Kino oder amüsiert sich über die Einfallslosigkeit der Traumfabrik. Und das tut er mit einer Verve, die vermutlich nur ein leidenschaftlicher Filmnerd an den Tag legen kann.

Der heitere Filmplausch zieht sich auch dann weiter, als er Rapper und Podcaster Max „Rockstah“ Nachtsheim auf die Bühne holt. Die beiden plaudern über Disneyland, Toy Story und darüber, wie sie sich kennengelernt haben – und der Zuschauer lauscht einem lustigen Gespräch unter Kumpels, ohne sich auch nur einen Moment lang ausgeschlossen zu fühlen.

Bühnenaufbau der Show „Spoil doch!“ im Cinestar Metropolis in Frankfurt am Main

Dass Porschen aber kein Komiker ist, der nur zappeln und wild gestikulieren kann, zeigt sich spätestens dann, als er auf dem aus seinen Youtube-Videos bekannten Ledersessel Platz nimmt und ruhigere Töne anschlägt. Er stellt den Film „The Broken Circle“ vor, ein belgisch-niederländisches Drama mit Veerle Baetens, platziert eine Liebeserklärung an die Dramedy „Love, Simon“ und schlägt damit den Bogen zu sich selbst, seiner Familie und seiner Gefühlswelt.

Weit hergeholt ist es außerdem nicht, dass Rockstah den Filmkritiker im Verlauf des „Interviews“ als einen Jack Black bezeichnet. Denn wie der US-Amerikaner ist auch der Kölner Multitalent: Mit Unterstützung der Band performt er „Shallow“, den Oscar-Song von Lady Gaga und Bradley Cooper, oder auch „Everybody’s gotta learn sometime“ von Alternative-Songwriter Beck. Mit seiner facettenreichen Bühnenpräsenz beweist der Youtuber wahre Rampensau-Qualitäten.

Porschen überträgt seine Filmliebe auf das Publikum

Am stärksten ist Dominik Porschen, der den Twitter-Namen @dieserDopo trägt, aber immer dann, wenn er über Filme referiert. Wenn er seine Lieblingswerke zelebriert. Oder wenn er zum Abschluss ein Plädoyer für mehr Kino und weniger Netflix hält. Aus jeder Faser seines Körpers spricht die pure Leidenschaft für Bewegtbilder und Lichtspielhäuser – und die Freude über dieses Medium überträgt sich letztlich auch auf den Zuschauer, der selbst in Filme vernarrt ist und mit dem Youtuber einen Kumpanen gefunden hat, der diese Begeisterung auf sympathische Art und Weise in Worte fassen kann.

Dass der Filmfreak nach der Show jeden einzelnen Zuschauer noch drückt und herzt und persönlich verabschiedet, macht den Kerl nur noch sympathischer. Und für die „Generation Youtube“, die ihn eigentlich nur vom Bildschirm kennt, ein ganzes Stück greifbarer. Ganz im Gegensatz zu, sagen wir mal… Jennifer Lawrence.

Mit „Spoil doch!“ haben Dominik Porschen und seine Truppe ein Programm auf die Beine gestellt, das genauso gut funktioniert wie ein richtig runder Kinofilm: Es bringt einen zum Lachen, zum Schmunzeln, zum Nachdenken, ruft alle möglichen Emotionen hervor – und bleibt nachhaltig im Gedächtnis.

Tourdaten „Spoil doch!“ 2019:

03.09. Düsseldorf

04.09. Dortmund

05.09. Frankfurt am Main

09.09. Augsburg

11.09. Bielefeld

13.09. Berlin

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