Erkan Acar fungierte bei Adolfo J. Kolmerers „Schneeflöckchen“ nicht nur als Co-Produzent, sondern spielte auch eine der Hauptrollen. Mit der Komödie „Ronny & Klaid“ hat er nun seinen zweiten Spielfilm verwirklicht. Sein drittes Werk wird der Historienfilm „The Witch and the Ottoman“ sein.

© Studio Hamburg Enterprises

Die Handlung

Ronny (Franz Dinda) und Klaid (Sahin Eryilmaz) betreiben erfolglos einen Berliner Spätkauf. Finanziell wird die Luft für die beiden aber noch dünner, als sie sich beim örtlichen Casinobetreiber Bernhard Chipper mit 80.000 Euro verschulden. Als sie in einem Artikel lesen, dass jeder zehnte Deutsche Millionär ist, kommen sie auf die Idee, zehn Späti-Kunden zu entführen – denn nach ihrer „Milchmädchen-Statistik“ müsste sich unter diesen ja ein Millionär befinden…

Vorrede

Nachdem ich schon die Indie-Perle „Schneeflöckchen“ mochte und mehr oder weniger auf das vertraut habe, was aus Adolfo J. Kolmerers Dunstkreis kommt, war ich auf Acars Komödie sehr gespannt. Zumal man bei den Vorankündigungen von einer vielversprechenden Culture-Clash-Komödie ausgehen konnte.

Die Inszenierung

Von Independent-Kino ist „Ronny & Klaid“ tatsächlich weit entfernt, und in vielen Bildern lässt sich sogar eine gewisse „Hochglanz-Ästhetik“ feststellen. Allerdings macht Regisseur Acar den Fehler, mit zu vielen Schauwerten zu spielen. Das ist vor allem deshalb fatal, weil er damit anscheinend den allzu klamaukigen und hirnlosen Humor zu kaschieren versucht, der weniger an „Maria, ihm schmeckt’s nicht“, sondern vielmehr an Erkan & Stefan erinnert. Slow-Motions und Close-ups der Protagonisten, wie sie krampfhaft versuchen cool zu sein, macht weder die Szenen besser noch die Auftritte der beiden Hauptrollen lustiger. Und mehr kann und sollte man zur Inszenierung auch gar nicht sagen.

Die Story

Beim Setting (Berlin, Kiez, Späti) und den Vorankündigungen hatte ich eigentlich eine feinhumorige Culture-Clash-Komödie erwartet. Was hätte man aus dieser Prämisse alles machen können. Doch statt Culture Clash bekommt der Zuschauer Fremdscham-Humor der ganz und gar unlustigen Sorte vors Gesicht geklatscht. Obwohl schnell klar wird, dass das Drehbuch in keiner Weise diese Steilvorlage nutzt, um spielerisch mit verschiedenen Kulturen und Klischees zu jonglieren, hatte ich zu Beginn noch die stille Hoffnung, dass der Film zumindest als amüsante Kleingangster-Posse funktioniert – aber auch das tut er nicht. Dafür bleibt die Krimigeschichte einfach zu blass, zu vorhersehbar und zu fad. Was ein Guy Ritchie mit „Snatch“ oder „Bube, Dame, König, grAS“ realisiert hat, schafft „Ronny & Klaid“ nicht mal ansatzweise.

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Die Schauspieler

Dass Franz Dinda („Babylon Berlin“, „Die Spiegel-Affäre“, „Die Wolke“) schauspielern kann, hat er schon in genügend Produktionen bewiesen. Was er in Acars Komödie allerdings anbietet, zeugt lediglich davon, dass er als Komiker überhaupt nicht taugt. Ob das nun an der Rollenvorgabe, dem Drehbuch oder an mangelndem komödiantischem Talent liegt, ist schwer zu sagen. Fakt ist, dass es schlicht und ergreifend nicht lustig ist, sich in Cowboy-Kluft zu werfen und mit schlecht imitiertem amerikanischen Akzent zu kokettieren. Und im Grunde ist genau das der Humor, mit dem der Regisseur wohl auf Lacher hofft.

Gleiches gilt für Sahin Eryilmaz. Dass seine Figur Sprichwörter und Redewendungen durcheinanderbringt, ist schon beim ersten Mal nicht witzig – und wird es auch nicht, wenn man es als Running Gag zu etablieren versucht. Eryimaz‘ Rolle erleidet letztlich dasselbe Schicksal wie sein Compagnon: Sie fällt vor allem durch enormes Fremdschampotenzial auf. Und das liegt nicht mal daran, dass die Figuren so angelegt wären, sondern vielmehr an der Tatsache, dass der dargebotene Humor zum Fremdschämen ist.

© Studio Hamburg Enterprises

Schauspielerisch gibt es aber – das muss man dem Drehbuch zugestehen – sogar zwei kleine Lichtblicke. Das wäre zum einen Guido Broscheit in der Rolle des skrupellosen Casinobetreibers und zum anderen der Gastauftritt von Regisseur Fatih Akin, der eine gehörige Portion Selbstironie an den Tag legt. Allerdings frage ich mich, ob die augenscheinlich avisierte Zielgruppe mit diesem Namen überhaupt was anfangen kann – womit dieser selbstreferenzielle Gag in den Unweiten dieses Hohlroller-Humor-Universums gnadenlos verpuffen wird.

Dieser Film könnte Dir gefallen, wenn…

… Du über Chris Tall, Erkan & Stefan und Mario Barth lachen kannst.

Filmfreax-Wertung

Kinostart: 10. Oktober 2019

Bildquellen

  • Beitragsbild: © Studio Hamburg Enterprises

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