Mit „Once upon a Time… in Hollywood“ legt Quentin Tarantino seinen neunten Film vor. Angeblich möchte der Ausnahme-Regisseur mit dem zehnten Werk seine aktive Karriere beenden.

© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland

Die Handlung

Schauspieler Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und sein Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt) kämpfen Ende der 60er-Jahre mit dem Wandel in Hollywood, der ihre alten Erfolge kaum noch berücksichtigt. Während Dalton wenigstens noch im Geschäft ist, aber permanent mit sich selbst und seiner Leistung hadert, ist Booth weitgehend aus dem Business raus und eher zum „Mädchen für alles“ seines langjährigen Weggefährten geworden. Doch es sind nicht nur schwierige, sondern auch gefährliche Zeiten – mit Sharon Tate in der Nachbarschaft ist auch die Sekte um Charles Manson nicht weit…

Vorrede

Ich würde mich schon als Tarantino-Fan bezeichnen, auch wenn ich für seinen sehr speziellen Stil immer in der richtigen Stimmung sein muss. Aber bisher konnte ich jedem seiner Filme etwas abgewinnen, weshalb ich auf seine jüngste Arbeit sehr gespannt war.

Die Inszenierung

Die Kulisse, die der Regisseur installiert hat, ist schon beeindruckend. Zumindest hatte ich umgehend das Gefühl, ins Setting der ausgehenden 60er und der beginnenden 70er hineingesogen zu werden. Ob das nun die Straßen Los Angeles‘ sind, die Oldtimer, die sich darauf bewegen, oder die vielen filmhistorischen Referenzen, die immer wieder eingebaut wurden – das alles hat Style und zieht den passenden Rahmen um die Geschichte. Allerdings hatte ich stellenweise auch den Eindruck, als ob Tarantino das zu überbordend zelebriert. Etwa wenn er Sharon Tate (Margot Robbie) durch die Straßen flanieren lässt und dabei Einstellungen wählt und Kameraschwenks platziert, die ganz offensichtlich auch noch unbedingt die Kulisse einfangen sollen. Insgesamt muss man aber loben, mit wie viel Akribie und Detailtreue der Filmemacher dieses retrofizierte Universum erschaffen hat.

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Ob und wie realitätsnah Tarantinos Darstellungen dieser Ära sind, sei mal dahingestellt, ist der Filmemacher doch nicht in dem Alter, um auf eigene Erinnerungen zurückzugreifen. Allerdings sagt man dem Regisseur ein ausgeprägtes cineastisches Wissen nach, was sein neuntes Werk vor allem für Filmkenner so wertvoll macht. „Once upon…“ ist eine kleine Schatzkiste für Cineasten, die auf Details achten, nicht nur die schnelle Unterhaltung suchen und sich nicht davor scheuen, sich die 160 Minuten immer wieder anzuschauen.

Die Story

Was mir als Erstes aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass Tarantinos neuester Erguss – mehr denn je in seiner bisherigen Filmografie – eher Charakterstudie als stringente Erzählung ist. Das Hadern des Protagonisten mit sich selbst steht hier definitiv im Vordergrund. Das ist natürlich unterhaltsam, amüsant und komisch – wurde für meinen Geschmack aber erzählerisch viel zu umfangreich ausgebreitet. Eigentlich bin ich ein Freund langer Filme und habe kein Problem damit, mich auch mal drei Stunden konzentriert hinzusetzen und das Geschehen auf der Leinwand zu verfolgen. Und selbstredend schafft es Tarantino mal wieder, eine atmosphärische Erzählung zu erschaffen, in der man es förmlich brodeln spürt, in der man ständig das Gefühl hat, unter der Oberfläche würde irgendwas schwelen – und die, typisch für den Filmemacher, in einer Gewaltorgie mündet. Aber bei „Once upon…“ habe selbst ich mir gewünscht, die Story würde ein bisschen schneller zum Punkt kommen.

Vorab darf auch „gespoilert“ sein – einfach nur, um einer falschen Erwartungshaltung vorzubeugen – , dass das Drehbuch…

Die Schauspieler

Was Leonardo DiCaprio hier auf die Leinwand bringt, ist mit das Beste, was ich dieses Jahr im Kino erleben durfte. Den von Selbstzweifeln geplagten Darsteller mimt der Kalifornier so überzeugend, dass es mich wundern würde, wenn es für diese Leistung nicht Preise hagelt. DiCaprio brilliert vor allem dann, wenn man Rick Dalton bei der Arbeit am Set zusieht, wenn er im „Film-im-Film“ agiert.

© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland

Als machohafter Sidekick, der sich mit dem Wandel der Zeit überhaupt nicht identifizieren kann und für den es dazugehört, hin und wieder die Fäuste zu schwingen, steht Brad Pitt der Leistung seines Kollegen in nichts nach. Bezeichnend für seine Figur ist nicht nur das Finale, sondern auch die Szene mit Bruce Lee. Mehr sei zu diesem amüsanten Aufeinandertreffen nicht verraten.

Margot Robbie tut im Prinzip nicht viel, außer reizend über die Leinwand zu spazieren. Dass die Figur der Sharon Tate durch ihre Normalität so heraussticht, liegt aber daran, dass der Regisseur keine „Tarantino-Figur“ aus ihr machen, sondern ihr Leben so abbilden wollte, wie es war – da man ihr genau das ja genommen hatte. Kein Wunder das Schwester Debra Tate mehr als angetan von dieser Darstellung ist.

Die Auftritte von Al Pacino, Luke Perry, Dakota Fanning, Emile Hirsch, Kurt Russell, Lena Dunham, Timothy Olyphant, James Marsden, Rumer Willis, Bruce Dern und Michael Madsen zeigen zwar, wie leicht es Tarantino immer noch fällt, Weltstars um sich zu scharen und alte Weggefährten zu mobilisieren. Aber gefühlt waren deren Darbietungen eher Randnotizen.  

Dieser Film könnte Dir gefallen, wenn…

… Du Tarantino-Fan bist und dich auf ein Werk einlassen kannst, das nicht mehr die „Griffigkeit“ seiner bisherigen Filme, trotzdem aber seinen Reiz hat. Mit einer Empfehlung für Kinogänger, die lediglich den typisch absurd-komischen Tarantino suchen, tue ich mich deswegen ein bisschen schwer. Im Grunde hat man es bei „Once upon a Time… in Hollywood“ mit einem Film für Cineasten von einem Cineasten zu tun. Aber vielleicht verhält es sich mit Quentins aktuellem Output wie mit dem neuesten Album der Lieblingsband: Zuerst ist es sperrig und beileibe nicht so eingängig wie die Vorgänger. Aber mit jedem Hören entfaltet es immer mehr seine Wucht – und entpuppt sich schließlich doch als Meisterwerk.

Filmfreax-Wertung

Kinostart: 15. August 2019

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland

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