© 2019 Paramount Pictures

Der französische Regisseur Alexandre Aja („The Hills have Eyes“, „Horns“, „Mirrors“) präsentiert mit „Crawl“ seinen neuesten Horrorfilm. Als Co-Produzent fungiert Sam Raimi („Evil Dead“, „Don’t breathe“).

Die Handlung

Ein heftiger Hurrikan trifft auf die Küste Floridas. Als Haley (Kaya Scodelario) nichts mehr von ihrem Vater (Barry Pepper) hört, entschließt sie sich, alle Evakuierungsaufforderungen zu ignorieren und zu dessen Haus zu fahren. Nachdem sie ihn gefunden hat, stecken die beiden in einem volllaufenden Keller fest – zusammen mit mehreren Alligatoren…

Vorrede

Grundsätzlich bin ich zwar eher Fan von „psychologischem Grusel“, kann aber auch gut gemachtem Monster-Horror etwas abgewinnen. Und dass Sam Raimi Ajas neuesten Output mitproduziert hat, hat mich erst recht neugierig gemacht.

Die Inszenierung

Zunächst mal empfand ich die bedrohliche Atmosphäre als sehr gelungen. Regen und graue Wolken versprechen gleich zu Beginn ein düsteres Horror-Vergnügen. Aja versteht es, mit seinen Bildern die passende Stimmung zu erzeugen und den Zuschauer umgehend ins Szenario zu ziehen.

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Lobend erwähnen muss man auch die Animationen der Alligatoren. Bei dem verhältnismäßig bescheidenen Budget von knapp 14 Millionen US-Dollar sehen die Tiere schon verdammt realistisch aus. Wenn die gefährlichen Riesenreptile über die Leinwand stapfen, kann man ihre Wucht förmlich spüren. Hier beweist der Regisseur inszenatorisches Geschick und fängt die Bedrohung, die von den tierischen Jägern ausgeht, adäquat ein.

Ebenso gekonnt platziert der Franzose seine Jump Scares. Ich bin zwar jemand, der bei solchen Schreckmomenten fast nie an die Decke springt, aber hier und da waren tatsächlich Szenen dabei, die mich „gekriegt“ haben.

Ein paar unfreiwillig komische Szenen, die im Kinosaal mit dem einen oder anderen Lachen quittiert wurden, hat der Film zwar auch auf Lager. Aber wer mit dem Genre vertraut ist, der wird sicherlich über diesen typischen Makel hinwegsehen können. Bei Horrorfilmen lege ich auch nicht allzu viel Wert darauf, dass die Handlungen der Protagonisten logisch und nachvollziehbar bleiben, wenn es der Dramaturgie dienlich ist.

Die Story

Bei der Prämisse der Geschichte – Menschen sitzen in einem Keller, der allmählich geflutet wird, mit mehreren Alligatoren fest – könnte man von einer Art Horror-Kammerspiel ausgehen. Und grundsätzlich ist der Film auch ein solches und holt aus diesem Setting das Maximum heraus.

Leider hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte streckenweise nicht so richtig vorankommt. Zwar fackelt das Drehbuch nicht lange und findet trotzdem ein gutes Tempo im Spannungsaufbau. Aber ich hatte, besonders zum Finale hin, den Eindruck, dass man sich wiederholt, nicht wirklich zum Punkt kommt und die Szenerie ein wenig überstrapaziert. Kann aber auch daran liegen, dass das mein dritter Film an diesem Tag und ich einfach zu müde war…

© 2019 Paramount Pictures

Ein bisschen dürftig fand ich das „Familien-Drama“, das allzu oberflächlich in die Story gepackt wurde. Man kennt solche Handlungsstränge ja zu Genüge aus Katastrophenfilmen und kann sie fast schon als obligatorisch bezeichnen. Aber was Alexandre Aja hier fabriziert, erinnert eher an so herzzerreißende „Du-kannst-alles-schaffen-wenn-du-nur-an-dich-glaubst“-Geschichten, wie man sie von Disney-Filmen gewohnt ist.

Die Schauspieler

Kaya Scodelario („Maze Runner 1 – 3“, „Kampf der Titanen“) macht hier als zweifelnde junge Frau zwischen Scream-Queen und Unterwasserkämpferin einen mehr als soliden Job. Rollen, die die 27-jährige Britin nicht nur schauspielerisch, sondern auch körperlich und sportlich fordern, scheinen ihr zu liegen – in der von Netflix produzierten Serie „Spinning Out“ wird sie eine Eiskunstläuferin mimen.

Barry Pepper überzeugt zwar in der Rolle des Vaters, allerdings hatte ich den Eindruck, dass der Kanadier hier nur mit halber Kraft agiert. Das liegt aber vermutlich an der lieblos und substanzlos inszenierten Vater-Tochter-Geschichte, die man sicherlich mitreißender hätte inszenieren können.

Dieser Film könnte Dir gefallen, wenn…

… Du Genre-Liebhaber bist, der aus der Sparte „Monster-Horror“ ohnehin alles mitnimmt, und einfach nur einen Film erleben möchtest, der das Genre zwar nicht revolutioniert, aber doch irgendwie Spaß macht und für kurzweilige Unterhaltung sorgt. Was Alexandre Aja und Sam Raimi hier bieten, ist solide Horror-Kost – nicht mehr und nicht weniger.

Filmfreax-Wertung

Kinostart: 22. August 2019

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2019 Paramount Pictures

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