Mit „Murder Mystery“ präsentiert Netflix einen weiteren Film von Adam Sandler, der mit dem Streaming-Portal einen Vertrag über acht Produktionen abgeschlossen hat. 30 Millionen Haushalte sollen sich die Krimi-Komödie bereits angeschaut haben.

Die Handlung

NYPD-Officer Nick Spitz (Adam Sandler) beglückt Ehefrau Audrey (Jennifer Aniston) nach 15 Jahren Vorlaufzeit endlich mit der heiß ersehnten Europareise. Im Flieger begegnen die beiden dem mysteriösen Charles Cavendish (Luke Evans), der mehr als wohlhabend zu sein scheint und das Paar kurzerhand zu einer Familienfeier auf die Yacht seines milliardenschweren Onkels einlädt. Nick und Audrey freuen sich zunächst über den Ausflug in die High Society – bis ein Mord geschieht. Das Ehepaar gilt schnell als verdächtig und fängt daraufhin an, selbst zu ermitteln, um seine Unschuld zu beweisen.

Vorrede

Ich würde mich zwar nicht als ausgesprochenen Adam Sandler-Fan bezeichnen, muss aber gestehen, dass ich in der Vergangenheit hin und wieder Spaß an seinen Filmen hatte. Der Hau-drauf-Humor von „Happy Gilmore“ hat mich damals durchaus zum Lachen gebracht, und auch ein „Spanglish“ wusste mich zu begeistern. Zugegeben, viele seiner Streifen habe ich übersprungen, und „The Meyerowitz Stories“ hat mich eher enttäuscht. Aber im Grunde bin ich relativ neutral an die neue Netflix-Sandler-Kollaboration herangegangen.

Die Inszenierung

Das Budget von 24 Millionen US-Dollar merkt man dem Film durchaus an. Die Hochglanzbilder haben definitiv Kinoformat, es wurde ein beachtlicher Cast verpflichtet, und die Verfolgungsjagd zum Schluss kann man guten Gewissens als kleines inszenatorisches Highlight betrachten.

Dass man in einer Sandler-Komödie eine Reihe merkwürdiger und übertrieben gezeichneter Charaktere findet, versteht sich eigentlich von selbst. Hier macht „Murder Mystery“ keine Ausnahme und schickt Figuren auf die Leinwand, von denen (fast) jede für den einen oder anderen Lacher sorgt.

Leider schwächelt der Film beim Drehbuch, das sich nicht so recht zwischen Komödie und Krimi entscheiden kann. Überhaupt frage ich mich, was einen James Vanderbilt („Zodiac – Die Spur des Killers“) geritten hat, ein dermaßen schwaches Skript auf den Zuschauer loszulassen.

Die Story

Bedenkt man den Plot und die Machart – ein geerdetes Pärchen aus dem amerikanischen Mittelstand findet sich abrupt in der High Society und in einem Mordfall wieder –, dann wird schnell klar, dass die Macher so etwas wie eine Agatha Christie-Hommage im Sinn hatten. Für meinen Geschmack funktioniert das aber nicht wirklich, weil die Spannung nicht aufrechterhalten wird. Ich muss gestehen, dass ich nach einer Dreiviertelstunde „abgeschaltet“ habe.

Dass sich der Humor mit der Zeit erschöpft, ist da nur ein Punkt. Wie sich Sandler und Aniston in der Welt der Reichen und Schönen mit leicht prolligem Charme zurechtfinden, hat mich tatsächlich nur zu Beginn unterhalten. Zugegeben, „Murder Mystery“ bietet schon ein paar Gags, die für den einen oder anderen Lacher gut sind. Aber der große „Witze-Wurf“ ist für mich definitiv ausgeblieben. Die Gags plätschern auf ein- und demselben Pegel über die gesamte Laufzeit vor sich hin.

Auch die Kriminalgeschichte konnte mich nicht fesseln. Ich hätte es ja reizvoll gefunden, wenn man die Mördersuche dort hätte stattfinden lassen, wo auch der Mord verübt wurde: auf der Yacht. Denn bis dahin hatte der Film zumindest ein paar starke Momente. Womöglich hätte daraus ein ebenso fesselndes wie komisches Kammerspiel entstehen können. Stattdessen verfrachtet man den Suspense-Thriller nach Monaco und lässt den Figuren zu viel Raum, um „Abenteuer“ zu erleben. Wollte man dem US-Publikum ein paar exotische Bilder bieten? Dass man die Schauplätze derart ausweitet, hat dem Crime-Aspekt der Story jedenfalls nicht gutgetan.

Die Schauspieler

Nun ja, Adam Sandler spielt Adam Sandler, und Jennifer Aniston macht das, was eine Jennifer Aniston nun mal so tut. Beide verkörpern die typischen Rollen, die sie schon zig-fach zum Besten gegeben haben: Sandler gibt den „Proll light“, während Aniston das Mädchen von nebenan mimt, das ein bisschen mehr vom Leben erwartet. Die beiden Akteure haben zwar schon in „Meine erfundene Frau“ zusammen vor der Kamera gestanden, aber dass sie ihre Chemie in „Murder Mystery“ auf ein neues Level gehoben hätten, kann ich nicht bestätigen.

Gefreut habe ich mich eigentlich sehr auf David Walliams, den die meisten aus der britischen Sketch-Show „Little Britain“ kennen dürften. Das Problem ist nur, dass ihm das Drehbuch so wenig Screen-Time zugesteht, dass nicht mal ein einziger Gag auf sein Konto geht. Ich kann wirklich nicht nachvollziehen, weshalb man eine Rolle mit einem derartigen Comedy-Schwergewicht besetzt, wenn man diese Stärke überhaupt nicht nutzt.

Herausheben muss man, wie ich finde, Terence Stamp, der mit seiner Leinwandpräsenz – so kurz sein Auftritt auch sein mag – die Kollegen mit Leichtigkeit überflügelt. Das spricht allerdings nicht nur für dessen Qualitäten, sondern auch für das, was der Rest das Casts leistet. Dany Boon, Gemma Aterton und Luke Evans sind okay – mehr aber auch nicht.

Dieser Film könnte Dir gefallen, wenn…

… Du leichte und seichte Unterhaltung suchst, gegen den typischen Adam Sandler nichts einzuwenden hast und gerne Jennifer Aniston sehen möchtest. Wer für einen unterhaltsamen Filmabend entweder eine wirklich lustige Komödie oder einen spannenden Krimi sehen will, der sollte sich besser im jeweiligen Genre umschauen.

Filmfreax-Wertung

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