Mit „Level 16“ legt Splendid eine Orwell’sche Coming-of-Age-Dsytopie vor, die anscheinend eine wichtige Message transportieren möchte. Für Regie und Drehbuch war die kanadische Filmemacherin Danishka Esterhazy („Black Field“) verantwortlich.

© 2018 Splendid Film

Die Handlung

In einer düsteren, fernen Zukunft wird jungen Mädchen in einem „Erziehungs-Camp“ tugendhaftes und sittliches Benehmen eingebläut. Halten sich die Heranwachsenden an die strengen Regeln, wartet auf sie die vermeintliche Adoption eines wohlhabenden Ehepaars. Als Insassin Vivien eines Tages damit aufhört, die vorgeschriebenen „Vitamine“ zu sich zu nehmen, entblättert sich allmählich die Wahrheit…

Vorrede

Zu Beginn war ich eigentlich recht zuversichtlich, einen spannenden dystopischen Thriller sehen zu können. Da das deutsche Medienhaus hin und wieder mit kleinen Perlen aufwartet, bin ich ganz unvoreingenommen an „Level 16“ herangegangen. Leider wurden meine Hoffnungen im Laufe der immer länger werdenden 102 Minuten jäh zerstört.

Die Inszenierung

Die Kulisse empfand ich zum Auftakt recht gut gewählt: grau, karg, ein langer Flur gespickt mit Kameras – Orwell lässt grüßen. Es wird eine kühle und bedrohliche Atmosphäre aufgebaut, wobei ich leider einwenden muss, dass diese mit zunehmender Spielzeit gefühlt überstrapaziert wird. Gleiches gilt für den Score, der zwar irgendwie im Hintergrund vor sich hin plätschert, das aber so eintönig tut, dass er mit der Zeit doch auffällt – und dem Filmkomponisten leider nicht viel Einfallsreichtum attestiert. Je weiter der Film voranschreitet, desto klarer wird, dass das Budget wohl einfach nicht mehr hergegeben hat.

Wesentlich schlimmer – und ich weiß nicht, ob ich hier lachen oder weinen soll, wobei ich zu Ersterem tendiere – waren die Charakterzeichnungen, insbesondere die der Anstaltswärter. Es ist mir ein Rätsel, wie man im Jahre 2018 ernsthaft noch Antagonisten entwerfen kann, die mit dunkler Sonnenbrille, Springerstiefeln und Hinkebein durchs Bild laufen, und dann vermutlich noch erwartet, dass man diese Gestalten als gefährlich ansieht. Und als wäre das noch nicht genug, lässt man diese „Bösewichte“ auch noch Russisch sprechen.   

© 2018 Splendid Film

Die Story

Dass das Drehbuch nicht nur mit seinen Figuren schwächelt, wurde mir (spätestens) ab der Hälfte des Films klar. Die Geschichte dümpelt arg konstruiert auf einem Niveau gemächlich vor sich hin, die Protagonisten waren mir irgendwann egal. Und überhaupt ahnt man als Filmkenner schon früh, dass der kommende Plot Twist alles andere als überraschend ausfallen wird. Die Story, die augenscheinlich irgendwas zwischen Coming-of-Age, „1984“ und „Einer flog über das Kuckucksnest“ sein möchte, hat es einfach nicht geschafft, mich zu fesseln. Was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass sie sich nicht entscheiden kann, was sie sein möchte.

Gleiches gilt für die Message, die Regisseurin Esterhazy in ihrem Streifen offensichtlich verpacken wollte. Was will sie uns mitteilen? Was soll ihr Film sein? Ein Appell für Frauenrechte und Emanzipation? Ein Plädoyer für mehr Bildung? Eine Kampfansage gegen den immer noch grassierenden Jugendwahn? Was auch immer die Intention war – die Quintessenz wurde sehr unbeholfen verpackt.

Die Schauspieler

© 2018 Splendid Film

Den jungen Darstellerinnen ist kein Vorwurf zu machen. Die agieren so, wie sie es wohl in der Schauspielschule gelernt haben. Jedenfalls kann man ihnen die linientreuen und arglosen Jugendlichen durchaus abnehmen. Wer Sara Canning aus „Once upon a Time“ kennt, der dürfte allerdings Probleme damit haben, sie in der Rolle der skrupellosen Heimleiterin zu sehen. Auf mich wirkte sie wenig überzeugend. Und dass sie permanent im engen, kurzen, schwarzen Kleid zu sehen ist, hat nicht dazu beigetragen, ihre Autorität zu untermauern. Vielmehr wirkt es wie der persönliche Catwalk der kanadischen Aktrice, wenn sie in High Heels über die trostlosen Flure stolziert.

Positiv hervorheben kann man aber Peter Outerbridge, der in Gestalt des Dr. Miro zumindest ansatzweise einen vielschichtigen Charakter verkörpert. Hier habe ich den Eindruck, dass es tatsächlich am schauspielerischen Können liegt – und weniger an den Vorgaben aus dem Drehbuch.

Dieser Film könnte Dir gefallen, wenn…

… Du gerne B-Movie-Terminator mit „Steven-Seagal-Power-Mimik“ siehst, eine Story verfolgen möchtest, die nicht wirklich zu fesseln weiß, und gerne Darstellern zuschaust, die krampfhaft gegen ein unbeholfen geschriebenes Drehbuch ankämpfen. Alle anderen, die sich mehr Substanz und Spannung wünschen, sollten sich besser irgendwas von Dwayne Johnson angucken.

Filmfreax-Wertung

    

Bildquellen

  • Beitragsbild: © 2018 Splendid Film

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.